Montag, 6. August 2012

ZUM AUSZIEHEN VERFÜHRT (Failure To Launch 2006 Tom Dey)


Da Trip mit 35 Jahren noch immer bei seinen Eltern wohnt, engagieren diese eine Frau, die über eine vorgetäuschte Partnerschaft dafür sorgen soll, dass sich dies ändert...


Angriff aus der Tierwelt...

Eine Romantik-Komödie lebt von der Sympathie der beiden Figuren, die zueinander finden sollen und von der Chemie der beiden Schauspieler, welche diese verkörpern. Sarah Jessica Parker ist dafür ebenso wenig Garantie wie Matthew McCornaughey, der dank mangelnder Wirkung schon „Wie werde ich ihn los - in 10 Tagen“ wanken ließ. Die beiden harmonieren hier jedoch recht gut und sind passend zu ihren Rollen besetzt. Stattdessen war diesmal der Sympathie-Aspekt ein Drahtseilakt.

Zwar liegt ein solcher Punkt immer subjektiv im Auge des Betrachters, aber wenn der weibliche Part ein eiskalter Vogel ist, der dem männlichen Part alles nur für berufliche Zwecke vorspielt, wohingegen dieser mit Mitte 30 noch bei Mama und Papa haust, dann läuft man schon Gefahr, dass der Zuschauer sich nicht mehr dafür interessiert, ob die beiden zusammen kommen oder nicht.

Da werden die Produzenten, dies wissend, wohl Muffensausen bekommen haben, denn nur so lässt es sich erklären, dass der Charakter des bei seinen Eltern lebende Trip so kein bischen dem Klischee entspricht, das man vor Augen hat, wenn man von dieser ungewöhnlichen Art zu leben hört. Trip ist kein Freak, ist sogar ein Frauenverführer und bekommt im Laufe der Geschichte sogar ein wenig Rückendeckung vom Drehbuchautor, wenn geklärt wird warum der Held der Geschichte noch im Elternhaus lebt.

Mit dieser Änderung geht eigentlich all das verloren, was mich dazu animierte reinzuschalten. Denn hätte man eine berufliche Fake-Frau in das Leben eines kindlichen Nerds geschickt, wäre die Geschichte wesentlich reizvoller ausgefallen, wenn auch, durch die oben genannten Gründe, schwerer umzusetzen im Sinne einer sogenannten Rom-Com. So wurde „Zum Ausziehen verführt“ jedoch zu einer recht gewöhnlichen Komödie seiner Art umgewandelt, und auch in dieser Gestalt mag sie funktionieren können, ihr volles Potential kann die Story damit jedoch nicht erreichen.

Immerhin erkannte man, dass die weibliche Hauptrolle beim Zuschauer nur dann eine Chance erhält, wenn sie sich früh genug in ihr Arbeitsobjekt verliebt, und damit schnell zu einem menschlichen Wesen wird, welches Gefühle besitzt und dem man wünscht seinen Partner am Ende zubekommen. Außerdem wurde ganz klassisch auf schräge Nebenfiguren gesetzt, ein Grundrezept in amerikanischen Romantikkomödien. Immerhin verzichtete man auf zu übertriebene Charakterzeichnungen wie den mir völlig unverständlich beliebten Mitbewohner aus „Notting Hill“, der letztendlich nur zur charakterlosen Freak-Show diente.

Die schrägen Figuren des hier besprochenen Filmes sind eher schrullige Mitmenschen, die einem durch ihr individuelles Verhalten sympathisch werden. Sei es der gar nicht so nerdige Programmierer-Freund Trips, der gerne unbekleidete Vater Trips oder noch mehr die außergewöhnliche Mitbewohnerin der weiblichen Hauptfigur Paula, die in erster Linie durch ihre hervorragende Besetzung so viel aus der Nummer der merkwürdigen Freundin herauszuholen weiß.

Meist greift man zu diesem Mittel, wenn die Hauptfiguren selbst weniger individuell sind. Und das ist auch hier der Fall, was naiv betrachtet schon ein wenig verwundern darf, bei dem ungewöhnlichen Beruf der Frau und der etwas infantilen Lebensart des Mannes. Doch hinter diesen Fassaden stecken lediglich Abziehbilder einfallsloser Romantik-Komödien-Helden, die gerade eben so funktionieren, nicht mehr und nicht weniger. Schade dass sich der Drehbuchautor, sicherlich auf Wunsch feiger Produzenten, für Ungewöhnliches nur den Nebenfiguren nähert. Dementsprechend fehlt dem fertigen Werk eine große Wirkung a la „Harry und Sally“ oder „Vergiss mein nicht“. Als Zwischendurchverzehr geht „Zum Ausziehen verführt“ jedoch halbwegs in Ordnung.


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