Sonntag, 21. Oktober 2012

PATHOLOGY (2008 Marc Schoelemann)


Der junge Dr. Grey beginnt in der Pathologie eines Krankenhauses einen neuen Job und lernt dort zwielichtige Kollegen kennen, von denen er sich hin und her gerissen fühlt. Intellektuell von ihnen angespornt macht er bei einem perversen Spiel mit, bei welchem man Menschen auf solch ungewöhnliche Art umbringt, dass es schwer wird herauszufinden wie sie gestorben sind. Wer als erstes einen Mord begeht, bei welchem alle beteiligten Pathologen passen müssen, gewinnt...


Mörderische Götter...

Man muss gar nicht drum herum reden: "Pathology" ist so reißerisch inszeniert wie er klingt. Bei seiner hanebüchenen Story, die irgendwo zwischen "Anatomie 2" und "Nightwatch - Nachtwache" pendelt, braucht man gar nicht erst nach Sinn und Logik Ausschau halten. Die Geschichte ist schlichtweg unglaubwürdig, um so lustiger die Bewertungs-Zitate auf der deutschen DVD-Hülle, die ausgerechnet gegenteiliges behaupten.

O.k., naive Gemüter gibt es zu genüge, mögen das Gesehene manche also als irre realistisch bezeichnen; ich tue es nicht, muss aber eingestehen, dass Marc Schoelermanns Regiearbeit auf trivialer Ebene allerdings zu funktionieren weiß. Es wird von Beginn an ein hohes Tempo vorgelegt, man verweigert sich keiner heftigen Bilder beim Auseinandernehmen der zu untersuchenden Körper und die wichtigsten Rollen sind brauchbar besetzt.

Etwas albern kommt rückblickend Alyssa Milano daher. Dass sie nach der niedlichen Rolle in "Wer ist hier der Boss" auf Schlampenkurs fährt, habe ich schon mal gelesen, aber was sie zur Story in "Pathology" aktiv beizutragen hat ist schon unterste Schublade, darf sie meist doch nackt agieren, zwar als liebenswerte Persönlichkeit, aber trotzdem eher als Bett-Häschen wirkend anstatt als feste Freundin. Für die Geschichte mag sie wichtig sein, das aber viel zu theoretisch, da zu unabhängig von Milanos Spiel.

Sie soll wie erwähnt sympathisch sein, und ob das beim Publikum nun ankommt ist wie immer Zuschauer-abhängig. Interessant ist jedoch, dass sie zu den wenigen zentralen Figuren gehört, die überhaupt so angenehm wirken sollen. Ein Professor darf sich als das gute Gewissen der Hauptfigur Dr. Greys outen, und ein von den meisten gehänselter Kollege steht ebenso auf der Seite der Guten.

Erstaunlich ist nur, dass diese auf die Gesamtgeschichte gesehen einfach nur existieren. Wichtig werden sie nie, und nur einer von den Dreien darf Opfer der perversen Spiele werden. Hier wurde einiges an Potential verschenkt. Es wäre doch schön gewesen einer von ihnen hätte stiller Teilhaber des Spieles sein können oder hinter das unmenschliche Treiben der Götter in Weiß stoßen können. Aber so etwas geschieht nie.

So bleibt "Pathology" oberflächlich, nicht ohne Überraschungen arbeitend, aber grob gesehen doch nur das zu Erwartende abgrasend. Dass er unterhaltsam genug bleibt, liegt neben der flotten Umsetzung an der Charakterzeichnung Dr. Greys, bei welcher gar nicht erst versucht wird ihn ethisch hin und her gerissen wirken zu lassen. Anfangs als halbwegs sympathischen Klugscheißer in die Geschichte geschupst, entpuppt er sich als wesentlich zweifelhafter als er nach außen wirkt. Im Vergleich zu seinem Kumpel, der ihn überhaupt erst mit dem Spiel konfrontiert, wirkt er harmloser, dennoch ist er ein Wolf im Schafspelz, und daran wird sich auch nichts ändern.

Die Person, von welcher er glaubt er liebt sie, wird angelogen und betrogen. Grey mordet, nimmt Drogen und praktiziert selbst den Sex auf der Suche nach abgründigen Situationen. Es geht in "Pathology" gegen Ende glücklicher Weise nicht um eine Person, die vom Weg abgekommen ist und nun zurückkehren will, da sie erwacht ist. Das wäre nach allem was Grey getrieben hat auch sehr unsinnig gewesen und hätte psychologisch gesehen nie glaubwürdig umgesetzt werden können.

Stattdessen geht es um den Erhalt von Besitz, dem Befreien aus Zwängen und nach Verlust von Erstgenanntem um den intellektuellen Sieg. Zwar vergeigt es Schoelermann trotz einladender Situation gegen Ende mit morbider Romantik zu spielen, aber das Ende ist ohnehin Wackelkandidat des Streifens, kommt der Schluss doch viel zu plötzlich und ist das Ziel des Filmes doch viel banaler als alternativ möglich.

Wieder wird erkennbar, dass kein großes Ziel vor Augen lag. Der Effekt ist das Ziel, das reißerische Element Zentrum und die visuelle und stilistische Umsetzung der selbst gesetzte Anspruch. Wie erwähnt funktioniert das auf trivialer Ebene sogar so gut, dass man die unglaubwürdige Story einfach schluckt, ist die Idee doch wunderbar pervers und die Beteiligten des Streifens brauchbar genug, das ganze Unterhaltungs-freundlich zu verpacken. Klar wäre es schöner gewesen diese Geschichte in einer anspruchsvolleren Umsetzung zu sichten, aber für einen kleinen DVD-Abend unter Kumpels geht "Pathology - Jeder hat ein Geheimnis" (Alternativtitel) durchaus in Ordnung. Zu unfreiwilliger Komik kommt es trotz der genannten Fehler eigentlich nie.


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