Samstag, 1. Dezember 2012

SPIEL GEGEN DEN TOD (Deadly Game 1991 Thomas J. Wright)


Eine Gruppe Menschen wird auf eine Insel eingeladen. Ein reicher Mann bot ihnen Geld an, wenn sie kommen, stattdessen werden sie wie die Tiere gejagt. Aus zunächst vermuteter Willkür kristallisiert sich ein gut durchdachter Plan...


Menschenjagd...

Scheinbar durch den Horror-Klassiker „Graf Zaroff“ inspiriert, entstand in den frühen 90ern diese kleine Videoproduktion. Die Thematik des Vorbildes war zeitlos und interessant. Die Macher der hier besprochenen Kleinproduktion schienen aber nicht zu wissen wo die Wurzel dieses Interesses zu suchen war. Diese liegt sicherlich in verschiedenen Aspekten, einer der wichtigsten wurde jedoch vernachlässigt: „Spiel gegen den Tod“ ist ein Rachethriller geworden.

Die Personen, die hier gejagt werden, werden dies aus persönlichen Motiven des Täters. „Graf Zaroff“ jagte unwillkürlich, er jagte aus Spaß. Und das reduzierte die Gejagten zu Vieh. Dieser abscheuliche Gedanke wurde ebenfalls erfolgreich in „Planet der Affen“ und „Blutgericht in Texas“ angewendet, in „Spiel gegen den Tod“ blitzt das Thema, wenn überhaupt, nur auf. Das nimmt dem Werk ein gutes Stück des vorhanden gewesenen Potentials. Funktioniert der Film denn wenigstens als kleiner, dreckiger Rachethriller?

Nicht komplett! Das fertige Werk ist hierfür viel zu reißerisch, billig und blauäugig umgesetzt. Der Geschichte fehlt die ehrliche Sozialkritik. Was hier geschieht, geschieht aus voyeuristischen Gründen. Zumindest guckt sich „Spiel gegen den Tod“ ehrlich. Er will nur ein reißerischer und voyeuristischer Film sein. Das ist zwar schade, aber wenigstens ehrlicher als der pseudointellektuelle Film „Battle Royale“, der ebenfalls nur voyeuristische Bedürfnisse befriedigte und inhaltlich auf ähnlichen Spuren wanderte.

Auf plumpe Art könnte der Film von Thomas J. Wright also durchaus funktionieren. Das tut er aber leider nur bedingt. Die Action ist o.k. umgesetzt. Wirklich spannend wird es eigentlich nie, dafür stimmt die Atmosphäre des öfteren. Die Hauptstory wird durch etliche Rückblenden gestreckt, was dem Film allerdings zu gute kommt. Die Rückblicke erzählen interessant von einigen Hintergründen des Geschehens, und die Locations sind meist simpel, aber für einen B-Film effektiv genug, ausgewählt und eingerichtet worden.

Leider ist das Drehbuch recht billig. Es weist zwar die ein oder andere storytechnische Überraschung auf, bietet aber auf der anderen Seite nur ganz plumpe Charakterzeichnungen. Es ist schon im Vorfeld klar wer überleben wird, die Reihenfolge der Pflichttoten ist dafür nicht ganz vorhersehbar. In dem was die Figuren reden und wie sie miteinander umgehen wäre weniger deutlich mehr gewesen. Die schablonenhaften Charaktere werden einem derart auf die Nase gehauen, dass auch der dümmste Mensch auf Erden endlich begreift wer gut oder böse ist und warum er es ist.

Laut Buch und Inszenierung wird leider nie ganz deutlich wo sich die bösen Verfolger gerade befinden. Das macht ein Mitfiebern streckenweise schwierig, weiß man doch nicht wie bedrohlich die Situation im jeweiligen Augenblick gerade ist. Natürlich kann man bei diesem Manko mit dem Effekt von Überraschungsangriffen punkten, was auch getan wurde, diese erreichen allerdings nur kurze bedrohliche Momente. Zu wissen wo die Killer sind hätte für anhaltende Spannung sorgen können.

“Spiel gegen den Tod“ will keine Kunst sein, er will auch nicht anspruchsvoll sein. Und da er daraus kein Geheimnis macht, ist er so erträglich, teilweise sogar trotz aller Defizite unterhaltend. Die bisher angebrachten Punkte können den richtig harten Actionhaudegen in Cineastengestalt nicht davon abbringen nett unterhalten zu werden. Die nächsten Kritikpunkte sind allerdings besonders unnötiger Natur.

Marc Singer, vielen sicherlich als Donovan aus der Serie „V“ bekannt, ist alles andere als ein guter Schauspieler. Im Vergleich der ohnehin meist mau besetzten Mitwirkenden, spielt er seine hohle Rolle besonders eindimensional. Er weiß nicht mit den Klischees zu spielen, um seiner Figur wenigstens etwas Reiz zu geben. Sein Schauspiel ähnelt dem Getrampel eines Elefanten im Porzellanladen. Nun wird uns die Rolle Singers in einem Rückblick gezeigt, in dem er noch ein Jugendlicher ist. Wenn man schon keinen halbwegs talentierten Mann mit dieser Rolle besetzt, warum hat man dann nicht wenigstens einen Profi für die Maske engagiert?

Singer sieht als Teen schlimmer aus als jede viel zu alte Besetzung in Teen-Horrorfilmen. Der Mann hat eine andere Haarfarbe und Frisur bekommen, ansonsten sieht er genau so alt aus wie eh und je. Man ist nicht einmal auf die Idee gekommen, ihn durch einen etwas ähnlich aussehenden Teen zu ersetzen. Das wäre bei Singers 08-15-Aussehen sogar recht einfach gewesen.

In dem Rückblick, der uns die Vergangenheit der Heldin beleuchtet, maskiert sich unser Bösewicht als Phantom der Oper. Damit liegt ein guter Teil des Gesichts frei, der überschminkt wurde. Jetzt soll mir nur mal wer verraten, wie man ein solches Gesicht derart geschminkt bekommt, dass es wie glatte Haut aussieht. Und wieso ist der Mund nicht so entstellt wie sonst? Arbeitet der Bösewicht hier bereits mit dem Trick, der im Finale einige Erkenntnisse umwerfen wird? Ein Trick mit einem gestohlenen, biologischen Material, das angewendet wie hier niemals die realistischen Eigenschaften vollziehen könnten, wie im Film dargeboten? Und wieso wurde, falls es so war, der Trick nicht bereits beim Kuss durchschaut? Merken Lippen keinen Unterschied?

Als wäre dieser Rückblick und die Schluss-Überraschung nicht so schon lächerlich genug, kommt noch, zumindest in der deutschen Synchronfassung, ein völlig bekloppter akustischer Fehler hinzu. Der Bösewicht hat nach den schlimmen Dingen, die ihm widerfahren sind eine kränkliche Stimme bekommen. Wird der Zuschauer in den finalen Trick eingeweiht entsteht dadurch eine Logiklücke, was den Zeitraum während der Täuschung betrifft.

Was in solchen Beispielen, auf die ich aus Spoilergründen nicht deutlicher eingehen kann, vom Zuschauer abverlangt wird, ist einfach zu viel Augenzudrückerei-Forderung vom Regisseur. Bei aller Liebe zu B-Filmen und den gerne mal akzeptierten Fehlern innerhalb ihrer Geschichte sind hier einfach zu viele Defizite vorhanden. Selbst rein physisch betrachtet ist der Schluss-Kniff Irrsinn, ist der Größenunterschied doch viel zu gravierend.

Als erfreulich erweist sich die Mitwirkung des Schauspielers Roddy McDowall, der als der talentierteste Schauspieler vor Ort recht lange dabei ist, bevor seine Figur nicht mehr benötigt wird.

Auf der positiven Kritikseite darf sich zudem der Hintergrund der Hetzjagd einreihen. Er ist noch kranker als ohnehin vermutet und spielt dabei mit Elementen aus „Frankensteins Braut“ und „Die Schöne und das Biest“. Ungewollt wirkt es allerdings eher wie eine Parodie, vergleichbar mit dem Szenario Toulons in „Puppet Master 2“. Aber genau in solchen Punkten sollte man bei B-Filmen dann doch nicht ganz so streng sein.

Die Maske des Verbrannten ist übertrieben, aber nett gemacht, seine Beweggründe sind krank, aber eine gelungene Begründung für den Zuschauer (erst recht wenn man bedenkt was man in Billigproduktionen meist sonst in diesem Bereich vorgesetzt bekommt). Dass die komplette Jagd allerdings auf persönlichen Rachemotiven beruht wirft die Frage auf, warum solche Menschenjagden, wie relativ zu Anfang des Streifens erwähnt, schon zuvor stattfanden. Zu Übungszwecken? Hier wäre eine Antwort interessant gewesen.

„Spiel gegen den Tod“ ist nicht so nett wie er, auch als primitiv reißerisches B-Filmchen, hätte werden können. Dafür ist er leider zu dumm. Ein besonders naives Publikum dürfte sich von den extremst holzhammerartigen Unlogiken nicht stören lassen, übersehen kann man die Defizite als gesunder Mensch allerdings nicht. Ein kleiner Anteil unfreiwilliger Komik hilft über das ein oder andere Übel hinweg. Dank einer flotten Umsetzung, und der im Kern interessanten Thematik, ist der fertige Film jedoch kein reiner Müll geworden. Zum ein mal gucken ist er ganz nett, freilich nur für Vielseher der Genres Horror, Action und Thriller. Schade dass Insekten kein Fernsehen gucken können, die hätten besonders viele Augen zum Zudrücken parat gehabt.


OFDb

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