Donnerstag, 3. Januar 2013

SHERLOCK 2 - DER BLINDE BANKER (Sherlock: The Blind Banker 2010 Euros Lyn)


Sherlock wird von einem ehemaligen Kommilitonen beauftragt herauszufinden wie ein sprayender Einbrecher in das perfekt geschützte obere Stockwerk einer Bank eindringen konnte. Was der Täter an Graffiti hinterließ war jedoch keineswegs Schmiererei, sondern ein chinesischer Code, der mit Morden an Schmugglern zusammen hängt. Auch die asiatische Antiquitätenhändlerin Soo schwebt in Lebensgefahr...


Ein Zeichen der Zeit...

Die britische Sherlock-Reihe hat sich längst den Ruf als Geheim-Tipp erarbeitet, so nah sie an den Werken von Arthur Conan Doyle trotz aller Modernisierungen orientiert ist und damit ganz im Gegensatz zur überschätzten „Sherlock Holmes“-Reihe im Kino mit Robert Downey, Jr. steht. Doch inmitten dieser tatsächlich sehr sehenswerten TV-Produktion hat sich ein Film eingeschlichen, der diesem positiven Ruf nicht gerecht wird, und das ist ausgerechnet der gerade mal zweite Teil der auf Spielfilmlänge konzipierten TV-Serie.

Da sollte niemand zu früh abspringen, immerhin wird die Serie nach „Der blinde Banker“ wieder besser, aber es würde mich nicht wundern, wenn manch einer nach der Sichtung von Teil 2 tatsächlich die Reißleine gezogen hat. Immerhin war es der Trumpf des Pilotfilms „Ein Fall von Pink“, dass er sich so intensiv dem Kennenlernen der beiden Hauptpersonen gewidmet hat und sich somit viel Zeit für eine Charaktervertiefung ließ. Der Kriminalfall selbst war eher mittelmäßiger Natur. Da kann man Teil 2 voreilig als logische Konsequenz betrachten, denn nun wo man die Figuren kennt, bleibt lediglich der Kriminalfall als Hauptaspekt. Und da dieser erneut mäßiger Natur ist, ist das Ergebnis logischer Weise auch nur Durchschnitt.

Als Kenner der bislang erschienenden zwei Staffeln weiß ich aber, dass es besser wird, sehr viel besser sogar. Ist Teil 3 lediglich eine Spur besser als sein Vorgänger, so übertrumpft die zweite Staffel die erste um Längen und toppt sogar den Piloten. Mit ihrem eigenen Tiefpunkt „Der Hund von Baskerville“ trifft sie immer noch das Niveau von „Ein Fall von Pink“.

Dass „Der blinde Banker“ im Vergleich so abstinkt ist mehreren Faktoren zu verdanken. So fällt beispielsweise auf, dass Sherlocks überragende Intelligenz, der wichtigste Aspekt jeder anderen Folge, hier kaum zum Einsatz kommt, da man stattdessen versucht einen Code zu entschlüsseln, eine Aufgabe die jeder x-beliebige Kriminalkommissar einer Krimi-Serie ebenso lösen könnte. Nur selten blitzt Sherlocks Genie auf und ebenso selten kommt es zu den unterhaltsamen Wortgefechten zwischen ihm und Watson, welche der Serie so viel Sympathie einhauchen.

Um die Charaktere geht es hier aber ohnehin nicht, die bleiben auf gleichem Stand wie im Piloten, was etwas schade ist, da so ziemlich in jedem weiteren Beitrag der Reihe eine Entwicklung in der Figurenzeichnung der beiden Helden zu erkennen war, teilweise sogar zusätzlich noch bei wieder auftauchenden Nebenfiguren.

Dass Lestrade als der häufigste Kommissar und Verbündete von Sherlock diesmal nicht auftaucht, ist an sich eine gute Idee, wäre es doch höchst unlogisch wenn im großen London immer der selbe Gesetzeshüter in die Fälle Sherlock Holmes‘ eingebunden wäre. Leider wurde er nicht ebenso gut ersetzt. Sein Lückenfüller hat das Niveau eines eben solchen und bleibt mit keinerlei positivem wie negativem Eindruck im Gedächtnis zurück. Das ist schade, eben wegen des mangelndem Weiterentwickeln der Hauptfiguren.

Schwerwiegender als das bisher genannte wiegt jedoch die Umsetzung der Fortsetzung, ist sie doch wesentlich hektischer inszeniert und geschnitten und musikalisch wie inhaltlich reißerischer präsentiert als ihr Vorgänger. Das hat die Serie weder nötig, noch entspricht es ihrem Niveau, das in der hier besprochenen Folge nur ganz selten um die Ecke linst. Schade!

Dass man außerdem auf den gerade so beliebten Aspekt einer asiatischen Kultur aufbaut, wirkt etwas Publikums-anbiedernd, erfüllt das Arbeiten mit dieser doch eher Klischees als dass es Respekt vermittelt. Letzteres wird ohnehin im völlig überzogenen Finale umgeworfen um alte Vorurteile zu bedienen. Als Spiel mit den Klassikern seines Genres oder den Groschenroman-Regeln hätte ein solches Szenario durchaus interessieren können, stattdessen wird das Geschehen präsentiert wie in einem „James Bond“-Film, freilich ohne dessen Ironie. Und am Schluss darf Watson noch einen Spruch los werden, den so auch ein Actionheld hätte palavern können. Dass dieser so gar nicht zur Psychologie der Figur und der Situation passt, wirkt um so negativer, da auch dies nicht dem Niveau der restlichen Serie entspricht.

Wäre nicht die gute Besetzung und manch sympathischer Moment, sowie relativ kurze Augenblicke in welcher auch der Kriminalfall mal interessant wird, „Der blinde Banker“ wäre eine Totgeburt. So aber ist er lediglich ein schwacher Kriminalfilm, der auf unterster Ebene gerade noch zu unterhalten weiß. Ärgerlich ist das ganze im Hinblick auf den Rest der „Sherlock“-Reihe um so mehr, und ein nur leicht besserer Teil 3 versöhnt da nicht wirklich. Den Schleier des Verzeihens eines solchen Ausrutschers bot erst die zweite Staffel mit drei wirklich gelungenen Kriminalfällen.

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