Mittwoch, 13. August 2014

THE CONJURING - DIE HEIMSUCHUNG (The Conjuring 2013 James Wan)


Als es im Haus der Perrons nicht mit rechten Dingen zugeht, wenden sie sich an die Warrens, Parapsychologen mit praktischer Erfahrung, und selbst die haben bislang noch keinen derart starken Spuk erlebt wie im Haus der Hilfesuchenden...


Die Heimuntersuchung...

Wirklich gut funktionierende Spukfilme, die einem wahrlich das Gruseln lehren, gibt es nur selten. Mir sind bislang in meinem Leben nur 4 Werke dieser Art unter die Augen gekommen, Werke die es schafften mir mit Spuk Angst zu machen, und das waren „Bis das Blut gefriert“ (den ich für den besten Film der Gattung verfluchte Häuser halte), „Der Fluch“ (die amerikanische „The Grudge“-Version), „Poltergeist“ (der trotz Märchenästhetik und Holterdipolter-Aktionen ungemein wirkungsreich ist) und „Paranormal Activity“ (der in Sachen Angstfaktor die bislang einzig wahre Found Footage-Konkurrenz zu „The Blair Witch Project“ ist).

„The Conjuring“ macht es sich zur Aufgabe sich von all diesen und anderen Werken die besten Zutaten zu schnappen, um einen wilden Spuk-Cocktail (inklusive Besessenheit, Exorzismus, böser Puppen, etc) zu kreieren. Was eigentlich als zu viel bezeichnet werden müsste, weiß erstaunlicher Weise gut zu wirken. Regisseur James Wan („Saw“, „Insidious“, „Dead Silence“) hat mit seiner ruhigen beunruhigenden Stimmung den Streifen fest im Griff. Eine dichte Atmosphäre lässt es nicht zu, dass man sich daran stören könnte, dass einem alles zu bekannt vorkommt. Die Geschichte selbst kommt in ihrer ruhigen Art zügig vorwärts, Hindernisse werden schnell umgangen oder komplett ausgelassen. Man versteht sich mit den Parapsychologen im eigenen Haus, und dass sie keine Quacksalber sind ist auch schnell klar.

Der aufdringliche Bezug zum Christentum stößt etwas sauer auf, das wäre sicherlich auch ohne gegangen oder zumindest thematisch so umzusetzen gewesen, dass lediglich einige Charaktere die Vorkommnisse mit dieser Weltreligion in Verbindung bringen. Aber nein - „The Conjuring“ bestätigt mit all seinem Hokuspokus das Christentum, was umso ärgerlicher ist, da er behauptet die Geschehnisse aus dem Film seien tatsächlich passiert. Diese Herangehensweise ist nicht gerade das Gelbe vom Ei, aber da der Spuk im direkten Zusammenhang zu dieser Glaubensrichtung steht, kann ich trotzdem ganz gut damit leben. Also was soll‘s, so etwas verwässert den Film nicht wirklich.

Dass er trotzdem nicht komplett funktionieren möchte zeigt sich trotz stimmiger Grundatmosphäre und funktionierender Schockmomente leider schon recht früh, wenn wir erstmals und dann zum wiederholten Male die Hexe vor die Nase gesetzt bekommen, die beweist dass Wan nicht wirklich weiß was er zum Gruseln benötigt und was nicht. Das Unsichtbare ist es was fesselt. Die Hexe erreicht das Gegenteil, sieht albern aus, reißt einen aus der Gruselstimmung heraus und hinterlässt nur einen Gedanken: das war nicht nötig. Schnell kehrt es jedoch wieder ein, das Grusel-Feeling, so dass man zwar zu Recht über das sichtbar Böse murren darf, es macht die Wirkung des Streifens jedoch nicht wirklich zunichte.

Ich wünschte ich könnte aufgrund dieser bisherigen Aussagen behaupten, ich könnte „The Conjuring“ als modernen Vertreter des Spuk-Films als funktionierender Angstmacher empfehlen, aber leider ist diese Regie-Arbeit Wans das extremste Werk das mir bislang unter die Augen gekommen ist, in welchem es ein Finale schafft einen kompletten Film zu zerstören.

So etwas habe ich noch nicht erlebt, und noch Tage später war ich fassungslos wie man einen solch stimmigen Streifen mit solcher Verachtung am Ende mit den Füßen treten kann, um möglichst schnell zu einem unbefriedigendem Schluss zu kommen, der sowohl eine Zweitsichtung unnötig macht als auch alles in den 70 Minuten zuvor gesehene Positive vergessen lässt. All die Mühe und der Gruselzauber sind dahin. Man kann ihn nicht mehr als Beispiel heranziehen um zu sagen: nun ja, bis kurz vor Schluss wird man zumindest gut unterhalten.

Die Wut über das was im Finale passiert ist viel zu groß, als dass man über den schwachen Schluss gnädigst hinwegsehen können. Dass er hoch-kitschig ausgefallen ist, ist zwar peinlich und passt nicht zur Restinszenierung, aber wäre dies die einzige Schwachstelle des Finales, bliebe „The Conjuring“ für mich sehenswert, wenn auch mit blödem Schluss versehen. Wans Film will aber in so ziemlich jedem Punkt im Finale nicht gefallen. Er entwickelt sogar ein Defizit in der Geschichte, welches rückwirkend den Faktoren der Erwartungssteigerung beim Zuschauer vom ersten Drittel widerspricht und damit rückwirkend alles zuvor Gesehene in einem schlechteren Licht scheinen lässt.

Um die Angstbereitschaft des Zuschauers für zukünftige Momente trotz bereits funktionierendem Grusels im Vorfeld zu sensibilisieren, baut „The Conjuring“ von Anfang an eine gewisse Erwartungshaltung darüber auf, dass die Parapsychologen bislang nie einen solch starken Spuk untersucht haben. Man greift gar zum inhaltlichen Trick aus „Paranormal Activity“ und erklärt, dass man es hier leider mit einem Dämon, anstatt mit einem verstorbenen Menschen zu tun habe. Damit würde auch weglaufen nichts nützen, und die geklaute Idee aus „Der Fluch“, dass Leute, die sich im Spukhaus aufgehalten haben, sich diesen versehentlich mit ins eigene Haus schleppen, weiß diese Hoffnungslosigkeit zu verstärken.

Zu guter Letzt wird selbst dem von den Parapsychologen aufgesuchten Pfarrer anders, als er die Beweise der Spukuntersuchung sichtet. Dabei ist es er, der nach Film-eigenen Aussagen als einziges handeln darf. Bereits ein leichter Exorzismus muss von einem Fachmann bearbeitet werden, da die Folgen ansonsten für alle Beteiligten übelst ausfallen könnten. Somit wird es einem als Zuschauer mulmig. Wenn schon dem Exorzismus-erprobten Pfarrer die starke Präsenz solche Magenschmerzen beschert, wie soll es dann je glimpflich für die Perrons ausgehen?

Als der Parapsychologe nun im Finale damit beginnt aufgrund mangelnder Anwesenheit Geistlicher den hochkarätigen Exorzismus selbst in die Hand zu nehmen, mit der Begründung er sei bei genügend ähnlichen Veranstaltungen anwesend gewesen, glaubt man der Autor würde diesen Storystrang einbringen, um den Laien die Situation noch schlimmer machen zu lassen als es ohnehin schon ist, oder zumindest um einen bösen Schlussgag zu hinterlassen nach einem täuschenden Happy End.

Aber nichts dergleichen passiert. Der angeblich schlimmste Fall von Spukvorkommen und körperlicher Besessenheit wird besiegt durch die Dämonenaustreibung eines Laien und der in der Besessenheit gefangenen Seele des ursprünglichen Körperbesitzers, der es schafft die dominante Kraft per kitschiger Erinnerungen aus dem Körper zu verjagen. Mit einem Mal schwebt ein viel zu plötzliches Happy End-Gefühl über den Dingen. Der Zuschauer ist vor den Kopf gestoßen, wartet auf die Bestätigung der Täuschung, wird aber nun mit einem halbgaren Schluss-Gag in den Abspann geschuppst, der den unsinnigen Schluss keineswegs kritisch betrachtet. Der Todesstoß von „The Conjuring“ ist vollkommen, ein Film mit Gruselwirkung vernichtet, die Enttäuschung des Zuschauers enorm.

Warum ich mir die bereits geplante Fortsetzung trotzdem ansehen werde? Die soll eine Vorgeschichte sein, in welcher wir von dem Kampf um eine besessene Puppe erfahren, die bereits in Teil 1 zeigen durfte wie sehr sie zu wirken weiß. Gerne kann sich die Reihe von nun an der Puppe widmen. Bei gleicher Gruselwirkung wie hier bekäme der erste „Chucky“-Film damit eine wahre Konkurrenz. All zu hoch werde ich meine Erwartungen aufgrund der vernichtenden Eigenschaften von Teil 1 zwar nicht schrauben, aber eine gewisse Neugierde ist da bei mir durchaus vorhanden.

1 Kommentar:

  1. Enttäuschender Streifen, der mit ein paar schlagenden Türen und herabfallenden Bilderrahmen Gänsehaut hervorzurufen hofft.

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