Donnerstag, 18. September 2014

EIN SINGLE KOMMT SELTEN ALLEIN (The Lonely Guy 1984 Arthur Hiller)


Als Larry seine Freundin mit einem anderen im Bett erwischt ist es plötzlich so weit: er ist Single. Larry muss feststellen dass das Leben als Single keineswegs ein Zuckerschlecken ist und ein Zustand ist, der sich nicht so schnell beheben lässt wie gewünscht. Doch zum Glück lernt er Warren kennen, einen frustrierten Langzeit-Single, der Larry den ein oder anderen Tipp geben kann, um mit der Situation halbwegs klar zu kommen...


Die Einsamkeit der Moderne...

Schweiß aus der Dose, eine Selbstmordbrücke für frustrierte Singles, Orgasmen per Nießer, Party-Pappfiguren für Einsame - in dem im selben Jahr von Steve Martins Erfolgsfilm „Solo für Zwei" erschienenden „Ein Single kommt selten allein“ mangelt es nicht an dem skurrilen Humor aus Martins Erstling „Reichtum ist keine Schande“, und auch das Gespür für absurde Romantikszenen ist wieder enthalten. Diesmal wird dieser ungewöhnliche Humor jedoch in eine wesentlich bravere Erzählung getaucht, die selbst dann recht familienfreundlich bleibt, wenn sie schwarzhumorig wird.

Als Kinder haben wir uns darüber kaputt gelacht, wie Larry verzweifelt von einem Häuserdach den Namen seiner Angebeteten rufen will und nicht zu Wort kommt, weil x andere Singles auf die gleiche Idee kamen. Wenn ein frisch Angeschossener Larry vor der Wohngegend warnt, wir einer Diskussion über die größe eines Haufens in Relation zur Größe eines Hundes mit anhören dürfen, Larry erfahren muss wie unangenehm es ist im Scheinwerferlicht alleine Essen zu gehen und jeder frisch Betrogene der promiskuitiven Danielle beim Hinausgehen brav den Müll mit runter trägt, konnten wir uns vor Lachen nicht halten.

Und mit den Jahren erkannte ich mit jeder weiteren Sichtung auch den subtileren Humor zwischen den Dingen, in ihren Höhepunkten vorzufinden in den frustrierenden Gesprächen zwischen Warren und Larry, z.B. wenn es um die Kosten beim Friseur im Bezug zum Vorhandensein der Haarmenge geht. „Ein Single kommt selten allein“ ist treffsicher, geht auf seine Zeit gesehen recht früh einem frischen gesellschaftlichen Phänomen nach, welches sich seit damals noch verstärkt hat, und diese zielsichere Parodie eingetunkt in leichter Gesellschaftskritik mit dem Mut zu hemmungslosen Albernheiten ist ein angenehmer Mix, wie bereits erwähnt angereichert mit ein wenig schwarzem Humor und einer Love Story, die ihresgleichen sucht.

Nach einem Tempo-reichen Einstieg schippert „The Lonely Guy“ (Originaltitel) eher gemütlich vor sich hin, teilweise etwas zu sehr, was mit der x-ten Trennung und Wiederfindung zwischen Larry und seiner Herzensdame ein wenig überstrapaziert wird. Teilweise wünscht man sich da das vernachlässigte Tempo zurück, und so abgedreht der Humor auch bleibt, der Bereich der Langeweile wird leicht gestreift, und das schadet dem Film doch mehr als man meinen sollte, ist er in der Theorie doch ein sprudelndes Gag-Feuerwerk.

Sicherlich, die Grundatmosphäre des Single-Daseins soll absichtlich als besonders dröge dargestellt werden, und ein völlig unterschätzter Charles Grodin, der von der Maske her alles andere als frisch und dynamisch wirkt wie in seinen auf spießig getrimmten Rollen in „Der Couch-Trip“, „Filofax“ (auch von Hiller) und „Ein Hund namens Beethoven“, unterstützt mit seinem frustrierten Spiel besagte Atmosphäre und wird dabei zu ihrem wirksamsten Zugpferd, aber von ihm als positiven Aspekt einmal abgesehen übertreibt es Regisseur Arthur Hiller („Die Glücksjäger“) mit dieser Demotivation ein wenig, und sein vor schrägem Humor nur so aufgefüllter Film wird hin und wieder zu schwermütig und damit schwer wie Blei.

Dank einer sensiblen Inszenierung und einem wunderschönen Soundtrack (ganz besonders den Liedern im Titel und im Abspann lauscht man besonders intensiv) bleibt man an den sympathischen Charakteren gekettet, die von einem ideenreichen Drehbuch mit viel Individualität angereichert und von talentierten Mimen zum Leben erweckt werden. Damit umschifft „Ein Single kommt selten allein“ auch die schwierigen Phasen seiner Laufzeit. Aber das Endergebnis dieser Komödie kommt nicht so frisch daher wie es dies eigentlich könnte, und ich bin mit jeder Sichtung immer wieder aufs Neue überrascht was für unnötige Hänger der Streifen inmitten seiner sonst so großartigen Momente enthält und wie sehr diese doch den Seh-Spaß drücken. Der guten Seiten wegen schalte ich alle paar Jahre trotzdem immer wieder ein, und das nicht nur weil „The Lonely Guy“ eine Film-prägende Kindheitserinnerung ist.


Kommentare:

  1. Ewig her dass ich ihn gesehen habe, dank deiner sehr treffenden Besprechung, werde ich ihn schnellstmöglich wieder schauen. Mir ist immer noch die Szene über den Farn im Gedächtnis-herrlich.
    Auch wie du schreibst, die leisen Zwischentöne, die selbst noch so groteske Situationen, begleiten.
    Tolles Werk.

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    1. Geh am besten trotzdem nicht all zu euphorisch heran, wie erwähnt besitzt dieser tolle Film auch träge Momente. Die Farn-Szene ist großartig, stimmt. Und wenn der eine Farn dem anderen zum Abschied winkt, haut das in Hinsicht auf das karge soziale Leben der beiden Freunde tief in die Magengegend.

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