Samstag, 17. Oktober 2015

WENN DER KLEMPNER KOMMT (The Plumber 1979 Peter Weir)


Angeblich sei er der Klempner des großen Wohnkomplexes, und angeblich sind all die Rohre, die bislang so wunderbar funktionierten, völlig fehlerhaft und müssen in einem aufwendigen und langfristigen Verfahren repariert werden. Jill wird misstrauig, als sie mit dem sonderbaren Mann der sich Max nennt tagelang allein in ihrer Wohnung ist und ihn mehr und mehr als Eindringling empfindet, während der Ehemann aufgrund wichtiger Ereignisse auf der Arbeit zu beschäftigt ist, um sich den Klempner einmal etwas genauer anzusehen...


Ein Rohrsystem so verworren wie die Geheimnisse der Seele...

Es verwundert nicht, wenn man liest der Jim Carrey-Film „Cable Guy“ habe sich inspirieren lassen durch Peter Weirs „Wenn der Klempner kommt“, sind die Parallelen doch deutlich erkennbar. Im Gegensatz zur Komödie, welche die Idee langschweifig auskostet, ist der TV-Film des „Picknick am Valentinstag“-Regisseurs jedoch ein Thriller, der die Ausgangslage als fast schon Kammerspiel-artiges Psycho-Duell auskostet und das Gut-Böse-Schema dabei gar nicht so offen legt wie es der Vergleichsfilm tut.

Klempner Max ist sicherlich ein sonderbarer Typ, das was er im Badezimmer treibt ist wenig überzeugend, so dass man ihm nicht über den Weg traut. Aber mit der Zeit kommt einem auch die ähnlich sonderbar charakterisierte Jill nicht mehr ganz geheuer vor. Da nie etwas nachweisbar Fragwürdiges passiert, fängt der Zuschauer an zu hinterfragen in wie fern er von Weir eventuell manipuliert wurde Max zu schnell als Bösewicht eingeordnet zu haben, und nun muss er sich darauf verlassen was er wirklich miterlebt hat, muss sich auf die eigenen Sinne und Eindrücke verlassen, da Weir keine deutlichen Fährten legt, und da kann man schon ins Schleudern kommen ob Jill nicht doch nur einer fixen Idee unterliegt in welcher sie sich verliert.

Da beide Figuren keine Sympathieträger sind und ihre Schrullen und unangenehmen Eigenarten besitzen, die es einem zutrauen lassen dass die Wahrheit an beiden Enden sitzen könnte, entsteht bei dem an sich ruhig und halbwegs simpel abgefilmten Filmchen eine eigene Dynamik, ein Spannungsbogen im eigentlich so simplen Szenario, beflügelt durch das Kopfkino des Zuschauers, der zum eigentlichen Motor des Streifens wird. Die geistige Mitbeteiligung des vor dem Fernseher sitzenden Konsumenten ist zum Funktionieren von „The Plumber“ (Originaltitel) viel größer gewichtet als üblich im Medium, muss zwar immer vorhanden sein damit ein Film richtig funktionieren kann, aber selten so entscheidend wie hier. Und darin liegt die Raffinesse des zunächst so schlicht erscheinenden „The Mad Plumber“ (Alternativtitel).

Ob die finalen Ereignisse nur das faire Ergebnis dessen sind, was der Gegenpart gesät hat, oder ob die finale Tat ungerechtfertigt ist bleibt Interpretationssache, auch wenn meiner Meinung nach aus psychologischer Sicht eine Seite als schuldig deutlich hervortritt und es somit tatsächlich eine Aufteilung in Opfer und Täter am Schluss gibt. Aber wer schon bei den überdeutlichen Geschehnissen in „Schloss des Schreckens“ an der Wahrheit zweifelte, wird sich hier erst recht uneinig sein wer wem übel mitgespielt hat. Die Lösung ist in den Irrungen und Wirrungen seelischer Rohrleitungen verborgen und erfordert dementsprechend die Fähigkeit des Zuschauers, sich mit diesen ein wenig auszukennen um halbwegs klar zu sehen. Restzweifel bleiben jedoch trotzdem immer bestehen, egal wie sicher man sich auch ist.


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