Sonntag, 29. November 2015

DIE TOTEN AUGEN DES DR. DRACULA (Operazione paura 1966 Mario Bava)


Ein vom Staat beauftragter Arzt wird in ein Dorf bestellt, da sich dort ominöse Todesfälle häufen, die alle nach Suizid aussehen. Die Dorfgemeinschaft glaubt an einen Fluch, und recht bald muss der rational denkende Arzt erkennen, dass er es hier keinesfalls mit Aberglaube zu tun hat...


Die Gruft der Familie Graps...

Mario Bava ist dafür bekannt für viele große Horror-Regisseure ein Vorbild gewesen zu sein und genießt dementsprechend weit abseits des Mainstreams einen hohen Ruf. Künstlerischer Tiefgang bringt jedoch nicht automatisch einen guten Film hervor. So haben mir Werke wie „Im Blutrausch des Satans“ und „Planet der Vampire“ trotz theoretisch guter Arbeit nur bedingt bis gar nicht gefallen, und mein bislang liebster Bava, „Shock“, war stark von Sohnemann Lamberto Bava beeinflusst. Mit den im Deutschen so blöde betitelten „Die toten Augen des Dr. Dracula“ habe ich aber nun endlich einen waschechten Film des Kult-Regisseurs gesichtet, der auch mich vollends überzeugt hat.

Mag die Geschichte auch etwas schlicht ausgefallen sein und gerade im Finale recht dünn wirken, so kann man sich doch der atmosphärischen Kraft des Streifens nicht entziehen, allein schon wegen der großartigen Fotografien tollster (morbide anmutender) Drehorte, Bilder die man auf der großen Leinwand sehen müsste um ihnen gerecht zu werden. „Operazione paura“ (Originaltitel) lässt einen allein aufgrund dessen nicht mehr los, zumal man bis zum Schluss noch staunen darf, wie gekonnt die Kamera alles einfängt, selbst wenn es sich um scheinbare Banalitäten handelt.

Jahrzehnte vor „Ring“ und der Welle die er auslöste, präsentiert uns Bava eine gespentisch wirkende Mädchen-Gestalt, die es weiß ohne eine schwarze Haarpracht, die ihr Gesicht verdeckt, zu gruseln. Blonde Haare, weit aufgerissene Augen, nur in wenigen Sequenzen wirkt der Gruselfaktor dieses Kindes zu gewollt, meist, am wirksamsten immer dann wenn es durch eine Fensterscheibe guckt, weiß allein ihr Anblick zu schockieren. Da haben auch die 49 Jahre die „Kill, Baby... Kill!“ (Alternativtitel) auf dem Buckel hat nichts dran verändert.

Vom Gesamteindruck her könnte Bavas Film kaum klassischer ausgefallen sein. Ein abergläubisches Dorf, wie wir es aus „Dracula“ kennen, Burg- und Friedhofskulissen, eine Deko so urig und reichhaltig gehalten wie in guten alten Hammer-Filmen und im Zentrum eine klassische Spukgeschichte um Rache, hier schlagen Retroherzen höher, zumal uns Bava im Gegensatz zu manch anderer seiner Werke keine Schlachtplatte präsentiert und die wahrlich schrecklichen Todesarten auch ohne groß drauf zu halten effektiv einzufangen weiß. Mit der FSK 16-Fassung besitzt man bereits den ungeschnittenen Film.

Angereichert wird die klassische Ur-Suppe aller Gothic-Horrors mit einem etwas wirr erklärten Hintergrund, in welchem der Geist selbst unter dem Einfluss einer paranormal begabten Geisteskranken steht, was dann zu jener Szene wird, in welcher man in der Deutschfassung schnell den Namen Dracula eingebaut hat (wenn auch völlig sinnlos), um den Film unter dem hier gewählten Haupttitel vermarkten zu können. Dass „Die toten Augen“ (Alternativtitel) eigentlich nichts mit Dracula zu tun hat, braucht man eigentlich nicht wirklich erwähnen. Auch Zombies bekommen wir hier nicht präsentiert, wie der Alternativtitel „Curse of the Living Dead“ vermuten lassen könnte. Bavas Streifen ist ein Geister-Gothic-Horror der klassichsten Art, hervorragend fotografiert, stimmig erzählt und lediglich gegen Ende erst eine Spur zu fad ausgefallen. Aber selbst da weiß die Optik vieles zu retten.


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1 Kommentar:

  1. Der hat mich immer gereizt, aber die DVD von Anolis war immer schweineteuer. Und bei der kommenden Neuauflage scheint es nicht besser zu werden

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