Montag, 7. Dezember 2015

UHRWERK ORANGE (A Clockwork Orange 1971 Stanley Kubrick)


Der junge Vergewaltiger und Mörder Alex landet im Gefängnis und meldet sich nach zwei Jahren Haft freiwillig für die neumodische Ludovico-Methode, mit der angeblich nie wieder jemand kriminell werden wird...


Was passiert wenn man den New Way verweigert...

Obwohl die Andeutungen immer eher im Hintergrund schweben, so baut doch alles was wir sehen auf einem totalitären Staat auf, womit „Uhrwerk Orange“, eben weil er auch die Alternative zum vorgelebten Staatssystem kritisiert, ein Staaten-kritischer Film ist. Damit einhergehend fließt freilich auch bürgerliche Gesellschafts-Kritik mit ein, in einem Szenario welches an eine nahe Zukunft aus dem Blickwinkel der 70er Jahre orientiert ist.

Kubricks Umsetzung wirkt künstlich, nie taucht man in eine real greifbare Realität ein. Der Soundtrack ist auf die Sekunde genau abgestimmt, die Farben sind grell, die Figuren agieren in ihrer stereotypischen Art theatralisch. Dementsprechend tut es gut, dass der Film als Satire mit teilweise recht grotesken Elementen angelegt ist, so dass von der Absicht des Erzählten trotzdem nichts verloren geht. Im Gegenteil, damit tritt das Unnormale einer solchen Welt in den Vordergrund, das Verfremdete, welches per Staat gegen das natürliche Leben ausgetauscht wurde.

Aufgrund der scheußlichen Gewalttaten die Alex begeht wirkt das Gang-Leben der zentralen Figur trotz der künstlichen Umsetzung Kubricks radikal und krank. Seine Taten berühren einen, sie tun dem Zuschauer weh, da der Regisseur hier nichts verschönt. Mögen die Szenarien auch aufgebretzelt gestilt erscheinen, die Gewalt wird nicht entfremdet, erst recht nicht auf jene Art wie sie im Mainstream-Film der Erscheinungszeit schöngemalt wurde.

Der Effekt dabei ist nicht schlecht. Man beginnt Alex zu hassen, an dessen Worten und Taten man haftet, ob man will oder nicht, so dass sich das letzte Drittel mit Alex in der Opferrolle mit gemischten Gefühlen guckt. Alex mag man weiterhin nicht, aber was die Gesellschaft aus ihm gemacht hat ist ein Verbrechen. Ironischer Weise hätte man selbiges schon zu Beginn des Filmes über Alex‘ Werdegang empfinden können. Aber erst an die Hand genommen und durch Kubrick die Hintergründe gezeigt bekommen beginnt man den Täter auch als Opfer zu sehen und umgekehrt.

Wie die Welt tatsächlich funktioniert, egal wie liebäugelnd sie sich nach außen gibt, zeigt Kubrick recht deutlich am Ende seines Filmes, den er wie so vieles nur andeutet, da er vom Zuschauer ein mündiges, aufgewecktes Verhalten erwartet. Die mahnenden Bilder des Regisseurs tragen ihre Früchte trotz und wegen des augenzwinkernden Tons. Die Welt besteht aus Korruption, Fehlern, Gewalt, Macht, Opfern und Tätern, und endlich darf Alex wieder Letztgenanntes sein, allerdings diesmal vom Staat finanziert.

„A Clockwork Orange“ (Originaltitel) ist ein wirkungsvoller, künstlerisch umwerfend umgesetzter Film in großartiger irrealer Kulisse, untermalt mit wunderschöner Musik und in der Hauptrolle mit Malcolm McDowell so treffsicher besetzt, der, das sieht man in einzelnen Szenen, für die Rolle alles gegeben hat. Ins Gesicht gespuckt zu werden, ein sich ewig anfühlendes Gesichtuntertauchen im Wasser, McDowell wird gedemütigt für seine Rolle, und er zieht es professionell durch um ebenso wie sein Regisseur die maximale Wirkung zu erzielen, was sicherlich nicht leicht war, so pingelig Kubrick seine Arbeiten angegangen ist.

Das Ergebnis spricht für sich. Ein fremdartig anzuschauender Film zeigt uns in seiner Künstlichkeit die Wahrheit, stößt uns vor den Kopf, lässt uns aber auch über das Gesehene nachdenken in einer Inszenierung, die in all ihren Extremen immer wieder zu verstören weiß, gerade wegen des satirischen Untertons und der charakerlichen Überzeichnungen. Das mag auf manch einen plump wirken, so dass „Uhrwerk Orange“ für einige eher Gerüst als ausgefüllter Film ist. Versteht man das Werk jedoch wie Kubrick es tat trifft er in seiner Art genau ins Schwarze. Die Geschichte von Alex‘ Weg vom Bandenkönig zum Politfreund ist alles andere als ein Durchschnittsfilm. „Uhrwerk Orange“ ist eines der wenigen Beispiele was man tatsächlich unter Kultfilm verstehen kann. Die Meinungen über das fertige Werk gehen dementsprechend weit auseinander.


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