Montag, 28. März 2016

FEAR THE WALKING DEAD - STAFFEL 1 (Fear the Walking Dead - Season 1 2015 Adam Davidson u.a.)


Heroin-Junkie Nick sieht wie eine Bekannte von ihm andere Junkies auffrisst. Nick und seine Familie glauben dass es die Drogen waren, die ihn dies sehen ließen, aber die Wahrheit sieht viel düsterer aus. Eine Zombieepidemie macht sich schleichend über das Land breit. Dem Glauben an baldige Rettung durch das Militär folgt die Ernüchterung darüber dass es mit der Zivilisation wie wir sie einst kannten zu Ende geht...


Der schleichende Tod...

Die Erfolgsserie „The Walking Dead“ startete ihre Erzählung damals inmitten der Zombieepidemie. Die auf ihr basierende Spinn-Off-Serie „Fear the Walking Dead“ setzt zu Beginn der Seuche ein, in einer Zeit in der jeder noch seinem alltäglichen Treiben nachgeht und glaubt die kleinen Wohlstandsproblemchen wären das größte dessen was es zu bewältigen gibt. Eine solche Geschichte besitzt ihren ganz eigenen Reiz, kann sie die Ereignisse rund um die Zombieapokalypse doch anders beleuchten. Dabei ist die Idee und alles was auf ihr aufbaut so wenig innovativ wie es der Beginn der Originalserie war, aber das ist nicht wirklich von Bedeutung, besitzt eine Erzählung vom Ende der uns bekannten Zivilisation doch auch beim x-ten Aufgruss seinen Reiz.

Etwas anders hatte ich mir den Anfang vom Ende dennoch vorgestellt. Wo man sich unglaublich viel Zeit hätte nehmen können, um den Zuschauer den schleichend näher kommenden Alptraum auf beängstigende Art spüren zu lassen anhand kleiner Vorzeichen, die man erst einmal zusammenreimen muss, da bangt man stattdessen um die Gunst des ungeduldigen Zuschauers von heute, dem man nicht zutraut dass er sich auch von einer sich langsam entwickelnden Geschichte hätte unterhalten lassen. Zwar beginnt „Fear the Walking Dead“ ziemlich zu Beginn, aber bereits nach der Hälfte der gerade einmal 6teiligen Staffel befinden sich die Helden bereits in einer der letzten existierenden Schutzzonen des Militärs. Am Ende der Staffel angelangt können sie bereits ohne zu Zögern Zombies dezimieren, da sie auf sich allein gestellt sind. Das Militär zieht sich zurück. Die Zombies haben gesiegt.

Da „Fear the Walking Dead“ in Fortsetzung gehen wird und somit nie als Mini-Serie geplant war, verwundert diese Art der Erzählung sehr, denn nun kann es nicht mehr lange dauern bis wir den Zustand der Originalserie erreicht haben, und dann wird sich das Spinn-Off nicht mehr mit einer eigenen Geschichte hervorheben können, sondern wird nur ein gleichgeschalteter Ableger dieser sein können. Verstehen braucht man diese Entscheidung nicht, enttäuschend ist sie allemal, hätte man das was in sechs Folgen erzählt wird doch locker auf drei Staffeln verteilen können, wenn man die Geschichte auf unheimliche Art erzählt hätte. Schließlich ist es der Gruselfaktor der in einer Actionserie wie „The Walking Dead“ (logischer Weise) kaum bis gar nicht zum Zug kommt.

Zwar ist „Fear the Walking Dead“ im Gegensatz zur Originalserie Thriller- anstatt Action-orientiert, womit man tatsächlich etwas mehr auf den Spannungssektor setzt, letztendlich geschieht aber alles viel zu schnell, wenn ziemlich zu Beginn auch auf solch schleichende Art, dass die Serie zunächst zur Geduldsprobe wird. Das hat sie ebenfalls mit „The Walking Dead“ gemein, hätte sich aber mit Vertrauen in den Ursprung der Geschehnisse vermeiden lassen können. Zwar versucht man stattdessen mit anderen Kniffen die Story aufzuwerten, so z.B. mit der Idee den Beginn über den Blickwinkel eines Heroin-Junkies zu erzählen, aber das wäre gar nicht nötig gewesen. Bereits der Normalbürger traut seinen Augen nicht wenn er erstmals mit der Seuche in Berührung kommt.

Obwohl man die Idee vom Ausbruch der Zombieepidemie meiner Meinung nach falsch, da zu flott, angegangen ist, weiß „Fear the Walking Dead“ routiniert zu unterhalten. Ohne Innovationen hervorzubringen erzählt er die immer wieder reizvolle Geschichte vom Einbruch der Zivilisation, vom Aufkommen des Egoismus, von den Plünderungen, der Anarchie und dem nicht zu trauenden Militär. Zwar wäre das Seherlebnis mit griffigeren und sympathischeren Charakteren wesentlich intensiver ausgefallen, aber die Figuren schaffen es zumindest, dass man sich für ihr Schicksal interessiert.

Dennoch erschreckt es wie ernüchternd sich der Untergang der Zivilisation schaut. Gerade mit Blick auf „12 Monkeys“ hätte man da wesentlich intensiveren Nervenkitzel und Empathie auslösen können, schließlich wissen wir durch die Originalserie vom Schicksal jener Menschen, die völlig ahnungslos sind während wir ihnen selbst solange sie noch leben eigentlich beim Sterben zusehen. Das Gefühl dass die Katastrophe unausweichlich ist wird hier jedoch nie so stark herausgearbeitet wie bei besagtem Kinofilm mit Bruce Willis. Zusammen mit dem Gruselsektor und dem möglichen Spiel mit der Paranoia vergeigt die Serie somit drei gefühlsbetonte Möglichkeiten, mit denen man die Serie über Durchschnitt hätte heben können.


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1 Kommentar:

  1. Kann ich nur so unterschreiben. Mir sind ähnliche Gedanken beim Schauen der Serie durch den Kopf gegangen wie dir. Ich sehe für die zweite (und eventuell folgende) Staffeln nicht mehr viel eigenes Entwicklungspotential als bei der Mutterserie. Das ist tatsächlich sehr schade. Waren die Voraussetzungen doch eigentlich sehr gut.

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