Sonntag, 6. März 2016

THE ANSWER MAN (2009 John Hindman)


20 Jahre ist es her, dass Allen Faber einen erfolgreichen Lebensberater geschrieben hat, der noch immer hohes Ansehen genießt. Der vor der Öffentlichkeit versteckt lebende Allen, den die halbe Welt für einen weisen Guru hält, ist unglücklich und im Laufe der Jahre zu einem unhöflichen Mitmenschen geworden. Als die erfolglose Elizabeth und der auf Entzug lebenden Alkoholiker Kris in sein Leben treten, und sich von ihm Hilfe erhoffen, verändert sich alles...


Wie lange sind zwei Wochen?...

Im Fahrwasser von Werken wie „Besser geht‘s nicht“ fahrend, also von Filmen die davon handeln wie unterschiedliche Personen einander im Leben beeinflussen, ist „The Answer Man“ schon etwas mehr geworden als die olle kleine romantische Komödie, für die viele die menschlich gehaltene Tragikomödie halten werden. Der Mix aus Tragik und seichtem Humor hält sich ähnlich wie in „Weather Man“ in etwa die Waage, und ebenso wie dort lebt der Streifen nicht von einem alles dominierenden Erlebnis. In stillen Tönen begleiten wir für einige Wochen Allen Farber durch sein Leben in einer Phase innerem Wandels.

Das wird weder moralisch noch kitschig heraus gearbeitet, was ich sehr begrüße, ein auf realistischer Basis erzählter herzlicher Film ist „Der göttliche Mr. Faber“ (Alternativtitel) jedoch auch nicht geworden. Zum einen ist er dafür zu distanziert erzählt und geht regelrecht jedem romantischen Moment bewusst aus dem Weg, zum anderen wirkt er auf uns Europäer ein wenig weltfremd, wenn ein Film davon handelt, dass einem Autoren die halbe Welt glaubt er könne mit Gott kommunizieren, ohne dass auch nur für kurze Momente daran gezweifelt wird. Wie wichtig dieser störende Aspekt ist merkt man in seiner Dominanz erst im Finale, wenn ein Geständnis selbst jene Leute erschüttert, von denen man beim Sichten dachte sie würden ohnehin nicht an die Lüge glauben. In solchen Momenten werden einem die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und Amerika wieder einmal sehr deutlich.

Sympathisch agierende Schauspieler und eine interessante Ausgangslage sorgen dafür, dass dieser kulturelle Störfaktor nicht all zu viel kaputt macht. Ein wenig herzlicher hätte „Arlen Faber“ (Alternativtitel) für meinen Geschmack jedoch ausfallen können, kommt er mir doch etwas zu nüchtern daher, auch wenn ich es begrüße dass aufgrund dieser Distanz gängige Klischees dieser Art Film umgangen werden. In einer gut beobachteten, höchst authentischen Spiegelung der Realität hätte dies auch sicher zu einem großen Ergebnis geführt. „The Dream of the Romans“ (Alternativtitel) ist jedoch trotzdem im Herzen lediglich Kino, und damit nicht immer klar durchdacht. Und in solchen Momenten fehlen die Emotionen, die einen Träumer vor dem Bildschirm zum geistigen Einlullen verführen.

Wer der nett erzählten Geschichte mit eingeschaltetem Kopf folgt, wird nicht pausenlos enttäuscht. „The Answer Man“ überrascht sogar damit dass er hauptsächlich rational erzählt ist. Aber die wenigen Momente nicht durchdachter Verirrungen machen sich dadurch um so mehr bemerkbar. In den meisten Fällen sind sie zwar leicht ignorierbar, z.B. dann wenn sich Probleme etwas arg leicht lösen lassen oder sich ein paar Klischees doch noch ins Drehbuch eingeschlichen haben. Wirklich enttäuschend ist diesbezüglich jedoch das Ende des Filmes ausgefallen, welches uns ein Happy End vorschwindelt, welches keines sein kann aufgrund dessen was in den letzten 5 Minuten Handlung passiert ist.

Somit ist John Hindmans bislang einzige Regiearbeit „The Answer Man“ nicht der große Beitrag der Kategorie Tragikomödie geworden, die sie hätte werden können, zumal die Darsteller sympathisch gewählt sind und großteils natürlich agieren. Als kleiner Zwischendurchverzehr geht die kleine unscheinbar wirkende Geschichte aber durchaus in Ordnung, immerhin ist der Film nicht unsensibel erzählt, wie man nach dem Lesen dieses Textes vielleicht jetzt meinen könnte. Ihm fehlt lediglich eine deutlichere Orientierung Richtung Emotion oder Richtung Realitätsnähe. Versucht hat Hindman letzteres, und die meisten Amis werden auch sicherlich glauben er hätte sein Ziel erreicht.


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