Sonntag, 27. März 2016

THE WALKING DEAD - STAFFEL 5 (The Walking Dead - Season 5 2014 Jeffrey F. January u.a.)


Nachdem Ricks Truppe sich aus der Falle Terminus befreien konnte und dafür sorgte dass sich derartiges dort nicht wiederholen kann, kommt man in einer Kirche unter, in welcher ein Pfarrer bislang unter mysteriösen Umständen überlebt hat. Doch die letzten überlebenden Kannibalen von Terminus befinden sich ebenfalls ganz in der Nähe der Kirche und planen Übles...


Die Zivilisation nach den Kannibalen...

Hielt ich Staffel 4 aufgrund dessen dass er keinen zentralen inhaltlichen Schwerpunkt gesetzt hat für eine Übergangsstaffel, welche die Geschichte der einen Staffel zu Ende bringt, während die Geschichte der kommenden vorbereitet wird, so weiß ich nach Sichten der fünften nun, dass diese Art Erzählung vorerst Stil der Serie bleiben wird. Auch hier wird keine isolierte Geschichte innerhalb eines über die Staffeln fortlaufenden roten Fadens erzählt, wie in den ersten 3 Staffeln oder bei Serien wie „Dexter“ und „House of Cards“. „Walking Dead“ wird fortlaufend weiter erzählt, unabhängig der Abgrenzung durch Staffeln. Wie gut oder schlecht diese Vorgehensweise ist hängt vom Blickfeld ab. Längen gab es schon immer innerhalb der Serie, storytechnisch ist man mit der neuen Methode flexibler.

Und trotzdem wirkt diese Art der Erzählung weniger einheitlich und zu unsortiert auf mich. Ich habe keine Ahnung warum mich das so stört, denn die Drehbücher sind weiterhin gut zu nennen, sie sind wohl überlegt, widersprechen sich nicht und baden nicht all zu sehr in Unnötigkeiten. Aber es gibt sie, so z.B. die Geschichte um Terminus, um die viel mehr Wirbel gemacht wird als der Storystrang schließlich bietet. Sie wird nicht einmal als Vorbereitung einer größeren Geschichte genutzt, denn auch die auf ihr aufbauende Kannibalenbedrohung ist lediglich ein kleines Kapitel inmitten des großen Ganzen.

Ist auch diese zu Ende erzählt, tritt die bis dahin nicht sehr überzeugende, aber durchaus unterhaltsame Staffel, wieder einmal kurzfristig auf der Stelle. Hat man diese müde Phase hinter sich gebracht, wartet aber zumindest eine richtig gute Geschichte auf den Zuschauer, die zwar langsam eingeleitet wird, aber psychologisch durchdacht, sowie interessant und konsequent erzählt. Im Vorfeld taten sich einige neue Situationen auf, die zuvor geklärt werden mussten, aber kaum in der Geschichte um eine neu gegründete Stadt angekommen wirkt die Serie fast wie neu gestartet, denn nun werden unsere Helden mit der Zivilisation konfrontriert, und als Zuschauer fragt man sich ob Ricks Truppe überhaupt in der Lage ist wieder in ein derartiges Leben integriert werden zu können. Und können die Bewohner mit Menschen zusammen leben, die in der Wildnis zu Bestien wurden?

Fragen über Fragen innerhalb einer reizvollen Geschichte, die keinesfalls die Geschichte der dritten Staffel wiederholt, auch wenn man dort wie hier versuchte in die Zivilisation zurück zu finden. Dank völlig anderer Ansätze und dadurch dass sich gegen Ende die schwierigen Situationen geradezu überschlagen, wird diese Phase der Staffel zu einem Hoch wie es dies seit dem Leben auf der Farm in Staffel 2 nicht mehr gegeben hat. Zwar wird gegen Ende alles auf recht einfachem Weg zu einem vorrübergehenden Schluss geführt, aber Staffel 6 kann nun auf dieser grandiosen Vorgabe aufbauen, womit es möglich wäre wieder eine solch gute Staffel abzuliefern wie es die Staffeln 2 und 3 waren.

Die Geduld, welche die hier besprochene Staffel von einem abverlangt, und die Episodenlastigkeit könnten dafür sorgen dass mancher Zuschauer, der es bis hierher geschafft hat, abspringt. Die erste Hälfte von Staffel 5 macht nicht den Eindruck dass sich der Zustand der Serie bessern wird. Er ist nicht das Tief der Reihe, den hat man mit dem schwachen Start der ersten Staffel hinter sich gelassen, Season 4 und 5 sind immerhin unterhaltungstechnisch auf schlichtere Art geglückt. Aber wirklich gut sieht anders aus, und wer sich von all dem nicht entmutigen lässt, wird mit dem tollen Plot besagter neuer Stadt belohnt, vorausgesetzt man mag an „The Walking Dead“ die Geschichte und ihre Figuren und nicht nur das olle Zombiegemetzel, welches freilich aufgrund der vorliegenden Storyänderung wieder ein wenig heruntergeschraubt wird.

Dank des konzentrierten Blickes auf das Leben der Überlebenden in einer neu gegründeten Zivilisation, schafft es die Serie stärker denn je Gesellschaftskritik an der Gegenwart zu äußern, dies glücklicher Weise auf unaufdringliche Art und gemischt mit einigen kleinen philosophischen Ansätzen, die zwar nie zu tief gehen, aus dem Stoff aber mehr machen als das was man hinter einem Mix aus Drama, Action, Horror und Soap Opera vermuten würde. Staffel 5 gehört nicht zu den stärksten Phasen der Serie, aber seine letzten 6 Folgen entschädigen für vieles und bescheren uns mit dieser Vorlage hoffentlich eine ebenso geglückte 6. Staffel.


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