Samstag, 26. März 2016

DAS SCHWARZE REPTIL (The Reptile 1966 John Gilling)


Als sein Bruder stirbt erbt Harry Spalding dessen Haus in einem kleinen Dorf, welches er zusammen mit seiner Frau Valerie auch sofort bezieht. Eine mysteriöse Todeswelle geht in besagtem Dorf um, und da Harry glaubt dass auch sein zuvor kerngesunder Bruder an der rätselhaften Seuche gestorben ist, versucht er zusammen mit dem ortsansässigen Kneipenwirt herauszufinden was es mit dieser auf sich hat...


Die schwarze Reptilin...

Wen es nicht stört in diesem klassisch schlicht erzählten Stück Horrorfilm die Kreatur nur selten und erst nach langer Wartezeit zu sichten, der kann sich „Das schwarze Reptil“ ruhig mal ansehen, von dem ich mir gewünscht hätte, dass man die Kreatur im Titel nicht verraten hätte. Immerhin ist die Geschichte rätselhaft erzählt und der erste Auftritt der Kreatur zudem eine wahrlich geglückte Schockszene, so überraschend wie sie plötzlich auf der Bildfläche erscheint und damit damals sicherlich nicht nur zarte Gemüter erschreckt haben dürfte.

Mit dem Spoilern im Titel trägt „The Reptile“ (Originaltitel) nicht nur das gleiche Schicksal wie „Nächte des Grauens“, der im Originaltitel bereits die Zombies als überraschenden Hintergrund seiner rätselhaften Ereignisse verriet, John Gillings Werk scheint auch in den selben Settings aufgenommen worden zu sein. Der Verdacht verdichtet sich wenn man weiß, dass beide Hammer-Beiträge zudem im selben Jahr entstanden sind, umgesetzt vom selben Regisseur. Dieser drehte vor seiner Zeit bei der für ihre Horrorfilme bekannte Filmschmiede Werke verschiedenster Genres, von denen ich nur die beiden enttäuschenden Streifen „Der Arzt und die Teufel“ und „The Night Caller“ kenne.

Hier, wie auch in Hammers einzigem Zombiefilm, liefert der Mann, der auch für „Der Fluch der Mumie“ verantwortlich war, gekonnte Regiearbeit ab, wobei mir im direkten Vergleich der an Mario Bavas „Die toten Augen des Dr. Dracula“ erinnernde Zombiefilm eine Spur besser gefallen hat als der inhaltlich auf ähnlichen Pfaden wandelnde „Das schwarze Reptil“. Der hier besprochene Genrebeitrag kommt weniger innovativ daher als der Vergleichsfilm, folgt brav dem Muster dieser häufig erzählten Art Horrorfilm und kommt inhaltlich auch eine Spur sinnloser daher, besonders im Finale, wenn der Zuschauer nicht nachvollziehen kann warum der desillusionierte Dr. Franklyn nach einer verzweifelten Tat Valerie unbedingt gefangen halten will.

Von dem Sinn der Hintergründe des schwarzen Reptils sollte man besser gar nicht sprechen, bedarf es doch erst eines erklärenden Monologs Franklyns um die Sache halbwegs nachvollziehbar klingen zu lassen. Hier vernachlässigten es die Autoren die orientalische Vergangenheit des Doktors intensiver einzuarbeiten.

Fast hätte „Das schwarze Reptil“ Hammers Vorzeigefilm für Emanzipation werden können, handelt es sich bei der titelgebenden Kreatur doch um ein weibliches Monster, und wird die Frau Harrys doch taff charakterisiert, was sie allerspätestens beweist wenn sie ohne langes zögern auf recht harte Weise ihren Gatten verarzten muss. Wenn sie sich Richtung Finale in das Haus Dr. Franklyns schleicht, glaubt man aufgrund dieser gleichberechtigten Elemente auch hier nun einen Bruch der Traditionen erleben zu dürfen. Wird sie es sein, die dem Schrecken ein Ende bereitet und das Leben vieler Dorfbewohner retten wird? Aber nein, so weit war man 1966 im Bereich der Trivialunterhaltung dann doch noch nicht, und der vor einem Tag noch kränklich schwächelnde Ehemann eilt dem schwachen Geschlecht zur Hilfe um sie zu retten.

„Das schwarze Reptil“ ist ein nostalgisch sympathischer Horrorfilm, der einen größeren Ruf besitzt als er es meiner Meinung nach verdient hat, so routiniert wie er umgesetzt wurde. Aber dies wurde er immerhin professionell, obwohl hier nur die B-Riege der Hammer-Mitarbeiter vertreten war. Gilling ist nun einmal nicht Terence Fisher, die Rolle des Harry ist eher mittelmäßig besetzt, und Noel Willman weiß seinen Dr. Franklyn zwar gekonnt zu spielen, aber einen Peter Cushing oder einen Christopher Lee hätte man als Freund der Hammerfilme trotzdem vorgezogen. Diese hätten „The Reptile“ das nötige Etwas verliehen können, welches dem Streifen so wie abgeliefert leider fehlt. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, schließlich weiß „Das schwarze Reptil“ sympathisch und stimmig zu unterhalten und präsentiert uns zudem ein optisch interessant gestaltetes Monster.


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