Donnerstag, 5. Mai 2016

CARNE VALE - FASTNACHT DER TOTEN SEELEN (2004 Daniel Stümpfig u.a.)


Am Rosenmontag treffen sich alle bei Siggy um loszuziehen und Karneval zu feiern. Siggy hat jedoch zuvor von einem schlecht geratenen Nudelsalat gefuttert und mutiert zum Zombie. Von seiner Clique kann sich lediglich ein frisch versöhntes Pärchen retten, und dieses fasst einen schweren Entschluss...


Nudelsalat aus der Hölle...

„Carne Vale - Fastnacht der toten Seelen“ ist ein kleiner sympathischer Amateurfilm mit dem man bei geringen Erwartungen durchaus seinen Spaß haben kann, hatten die Mitwirkenden des Streifens doch das Herz am rechten Fleck, so dass der eigentlich von einer Handlung befreite Film nicht zu einem austauschbaren und identitätslosen Langeweiler wie „Paris by Night of the Living Dead“ verkommt, sondern ohne nennenswerte Spezialeffekte oder besonders raffiniertem Humor genügend Charme zu versprühen weiß um 20 Minuten zu unterhalten.

Der Clou dass man einfach an Karneval fast unentdeckt auf der Straße drehen konnte wird relativ wenig genutzt, die meisten Szenen finden in Siggys Wohnung statt. Die wenigen Momente die (dann meist gegen Ende) draußen spielen sind jedoch recht gut geschnitten, so dass Andeutungen reichen um von einer Zombieepidemie zu erzählen, ohne dass die eigentliche Masse der Karnevalisten sich am Film beteiligt. Hier nutzt die Crew den Kniff eine eigene kommentierte angebliche TV-Liveausstrahlung über den Mainzer Karneval auf die Beine zu stellen, versehen mit glaubwürdigen, erwachsenen Stimmen, so dass allein der Angriff auf sie gemixt mit einigen wenigen am Rande des Karnevals gedrehten Attacken ausreichen, um auf Amateurfilmniveau ein eigentlich unmögliches Unterfangen erzählt zu bekommen.

Während die Schlusspointe ein wahrlich geglückter ortsorientierter Gag in einem ansonsten eher verschmitzt lustigem Film ist, sind es gerade die im finalen Kuss auftauchenden schlechten optischen Effekte, die dem ganzen den nötigen Charme bescheren, legte man es doch nie darauf an wie ein professioneller Film zu wirken, eine Herangehensweise die ich deutlich als Pluspunkt werte, und die auch die anderen schlichten Effekte nicht nur entschuldigen, sondern in ihrer plumpen Art legitim werden lassen. Positive Unterstützung erhält dieser Zustand dadurch, dass man im Gegensatz zur typischen deutschen Amateurfilm-Mentalität die Gore-Effekte nicht zum Zentrum des Streifens machte. „Carni Vale“ soll einfach ein Fun-Film sein.

Glücklicher Weise ist der Film von Daniel Stümpfig und Sebastian Linke trotz ähnlicher Ausgangslage mehr geworden als „Du bist, was Du isst“ vier Jahre später, der lediglich Fingerübung für einen längeren Kurzfilm war, selber also nicht wie einer wirkte, was man „Carne Vale“ nicht vorwerfen kann. Dank einer angenehmen Schnitttechnik und teilweise einfallsreichen Kameraeinstellungen ist er stilistisch auch etwas mehr geworden als der fast lediglich auf schlechte Spezialeffekte setzende, schlicht abgefilmte „Aberracione“.

Sollte also wer Amateurfilminteressiertes diese oder ähnliche Werke kennen, ohne von denen begeistert zu sein: auf schlichte Art ist der hier besprochene Film sehenswerter, da ehrlicher zu sich selbst. Eine für sein Genre typische Musikuntermalung und herrlich dämliche Zombiegesichter runden die Sache ab, so dass „Carni Vale“ auch ohne solch gelungene Gags wie sie „Angriff der Killerbratwurst“ zu bieten hat bestehen kann. Mir hat der verschmitzte und verspielte Film ähnlich Spaß gemacht, wie ein ähnlich angegangener „Strange Wash“ und „Die Bestie“. Wer eher auf sich zu ernst nehmende Gurken wie „Zombie ‘90 - Extreme Pestilence“ oder „Insel der Dämonen“ steht wird mit dem ironisch angegangenen „Carni Vale“ jedoch keine Freude haben. Der wird auch nicht erkennen, dass der hier besprochene Kurzfilm mehr zu bieten hat als eine lustige Arschbiss-Szene.


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