Donnerstag, 10. November 2016

EINE HANDVOLL BLANKER MESSER (I coltelli del vendicatore 1966 Mario Bava)


Die junge Königin Karin hält sich mit ihrem Sohnemann Moki versteckt. Ihr Mann Harald ist seit drei Jahren auf See verschollen, und dessen Erzfeind Hagen ist zurückgekehrt um dessen Thron einzunehmen. Seine Mannen suchen nach der Königin, und diese erhält im Exil lebend Hilfe eines Fremden namens Rurik. Doch auch der hat eine Vergangenheit, die mit dem Schicksal Karins und Mokis eng verbunden ist...


Ein Dorf von einem Königreich...

Verstehe einer Bava! Da fehlt dem guten Mann das Geld um ein Königreich als solches darzustellen und um eine Fehde diverser aktueller und ehemaliger Herrscher episch groß zu gestalten, und trotzdem erzählt er seine Geschichte genau in diesem gewählten Bereich, obwohl sie auch wunderbar in das zur Erscheinungszeit so beliebte Genre des Westerns hineingepasst hätte, ein Genre dem man die hier gesetzten Rahmenbedingungen eher abgekauft hätte als dem Mantel- und Degenfilm. Es wäre ein Genre gewesen, dass sich in „Eine handvoll blanker Messer“ auch in der umgesetzten Erzählform ohnehin immer wieder spiegelt, z.B. in einem Duell, das in einem Saloon spielt. Die Revolver wurden eingetauscht gegen Messer. Die hätte der einsame, mysteriöse Held, der in einer Westernversion wesentlich mystischer gewirkt hätte, als Alleinerkennungsmerkmal auch in dem von mir vorgeschlagenen Genre behalten können.

Aus Königen wären Edelmänner geworden, aus einem auf dem Meer Verschollenem ein Reisender auf dem Land. Selbst die Zwielichtigkeit des Einsamen wäre ein typischer Stereotyp des Westerns zu dieser Zeit gewesen, verstehe einer warum Bava die unglaubwürdigere Variante wählte bei solch wenigen Statisten und den ortsnahen, kargen Locations, in denen alles spielt, eine Nachbarschaft, der man nicht glaubt Rurik wäre nach Jahren heim gekehrt, eine Nachbarschaft in der selbst die Königin gerade einmal um die Ecke gezogen heimlich im Exil lebt. Rivalisierende Reiche wirken wie Dörfer, die Adelsbehausung wie Farmen. Die Glaubwürdigkeit bröckelt, aber man lernt sie im Laufe der Zeit zu ignorieren, wenn man erst einmal warm geworden ist mit der klassischen Geschichte um Rache, Reue, Schuld, Unschuld, Macht und Liebe.

Dass es „Rurik - Der Wikinger“ (Alternativtitel) immer wieder schafft den Zuschauer trotz seiner mageren Schauwerte mitzureißen, liegt nicht, wie man aufgrund der Anwesenheit Mario Bavas meinen könnte, an irgendwelchen imposanten Bildern. Es ist die Musik, die einen emotional aufwühlt, traditionelle cineastische Heldenfolklore, wunderbar eingesetzt, sympathisch theatralisch, sie versprüht Kino pur.

Die Fotografien hingegen versuchen das beste aus der monotonen Landschaft herauszuholen. Hier beweist sich Bava erneut als Könner der Kamera, ohne dass die Bilder aus „Viking Massacre“ (Alternativtitel) auch nur ansatzweise zu seinen Glanzleistungen zählen könnten. Zumindest weiß der gute Mann einiges aus Dunkelheit zu zaubern, und dies auch in seiner Rolle als Regisseur. Der stimmige Kampf in einem düster werdenden Saloon, das Finale in den Grotten, in solchen Momenten beweist sich Bava als Mann mit Gespür für Suspense, selbst wenn er einmal nicht im Horrorbereich unterwegs ist.

Komplett ohne Hokuspokus kommt aber auch er nicht aus, und so beginnt „Rurik - Mein ist die Rache“ (Alternativtitel) mit den Worten einer Wahrsagerin, die merkwürdige Symbole in den Sand zeichnet und sich mittels einer Feuerwand zur Wehr setzen kann. Ansonsten gehorcht „Knives of the Avenger“ (Alternativtitel) ganz den Regeln seines Genres und dem des Westerns. Dem Helden geschieht nichts, doch er trifft mit dem Messer jedes Ziel. Gut siegt über Böse, schlichtbare Fehden finden ein Happy End. Und da sich der Film an der Moral seiner Zeit orientiert und mit den Begebenheiten jener Zeit arrangiert, in der alles spielen soll, wird damit auch eine im Krieg begangene, angedeutete Vergewaltigung verziehen, hat der seit dem büßende Täter in der Zwischenzeit doch Reue, Solidarität und Mut bewiesen und darf auch nach Filmende weiter büßen anstatt die Frau seines Herzens zu erobern. Das ist wahre, glaubwürdige und ehrhafte Gerechtigkeit, zumindest für klassisches Kino.



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