Sonntag, 12. März 2017

DER GRÜNE BOGENSCHÜTZE (1961 Jürgen Roland)


Der reiche Amerikaner Abel Bellamy hält auf dem von ihm erworbenen Schloss in England nicht nur eine ältere Frau in einem Geheimzimmer gefangen, auch sonst ist er in allerhand verbrecherische Aktionen verwickelt. Während Inspektor Featherstone und sein Gehilfe Higgins versuchen den Verbrecher zu überführen, geht im Schloss ein grün maskierter Bogenschütze um, der Menschen mit Pfeil und Bogen erschießt...


Lebende tote Verwandte...

Wenn einem hohen Tier von Scotland Yard mitten in einem gewaltigen Schusswechsel ein Tee gereicht wird, oder eine Frau direkt nach einer lebensbedrohlichen Situation zur Schminke greift, da sich die Presse nähert, dann hält recht skurriler Humor Einzug ins Wallace-Universum. Zwar dominiert der Kriminalpart, so dass „Der grüne Bogenschütze“ deshalb nicht zur Krimi-Komödie verkommt, und die hier aufgezählten Beispiele und einige andere wissen zu gefallen, aber Eddi Arent (man verzeihe mir das Wortspiel) überspannt den Bogen dann doch zu sehr, wirkt erstmals kurz vor Schluss meiner Rückwärtssichtung der Rialto-Wallace-Reihe störend anstatt bereichernd, zumal er pausenlos die vierte Wand durchbricht, was schließlich nur noch nervt.

Ansonsten gibt es eigentlich keine Schwachpunkte zu vermelden, ist der Plot doch derart angereichert mit zwielichtigen Personen und Situationen, dass die Geschichte den titelgebenden Verbrecher eigentlich gar nicht nötig gehabt hätte, so interessant wie hier jegliche Nebenhandlung und freilich auch die Haupthandlung ausgefallen ist. Zwar wirken sowohl Wolfgang Völz als Higgins, als auch der von Klausjürgen Wussow verkörperte Featherstone etwas blass, obwohl sie als Ermittler große Rollen erwischt haben, aber der Rest der Besetzung macht das wieder wett, allen voran Gert Fröbe, dessen Rolle hier wie eine Übung für die drei Jahre später angegangene Titelrolle im James Bond-Film „Goldfinger“ ausgefallen ist, so übertrieben schurkisch, geradezu wahnsinnig wie er seine Rolle ausfüllt. Wenn er im Finale einen offenen Krieg gegen die Polizei führt, dann ist wahrlich kein Unterschied mehr zwischen beiden Rollen zu bemerken.

Aber nicht nur Fröbe weiß in seiner brummig egoistischen Art zu gefallen. Die attraktive Karin Dor darf bezaubernder denn je wirken, Harry Wüstenhagen verkörpert einige der wenigen Figuren im Wallace-Universum, bei denen Gut und Böse verschwimmen und auch die restliche Besetzung weiß dem Zuschauer einiges zu bieten. Nach „Der rote Kreis“ sollte „The Green Archer“ (Alternativtitel) Jürgen Rolands letzter Beitrag zur Wallace-Reihe gewesen sein, verstehe einer warum, so unterhaltsam wie beide Werke ausgefallen sind. An der immer weiter ansteigenden Überspitzung des beiläufigen Humors kann es nicht gelegen haben, so sehr wie Roland im hier besprochenen Werk darauf baut. Es wäre interessant gewesen zu erleben, in welche Richtung sich die Serie entwickelt hätte, wenn Roland weiter für sie tätig gewesen wäre. unterhaltsam


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