Samstag, 25. März 2017

DIE REISE INS ICH (Innerspace 1987 Joe Dante)


Der Pilot Tuck Pendelton nimmt an einem Miniatisierungsexperiment teil, in welchem er in einer Art Raumschiff sitzend auf Sandkorngröße geschrumpft wird, um in den Körper eines Kaninchens gespritzt zu werden. Kurz nach erfolgreich vollendeter Miniaturisierung wird das Labor jedoch von Industriespionen überfallen. Der Leiter des Projektes kann die Spritze, in der sich Tuck befindet, gerade noch retten und spritzt sie auf der Flucht vor den Ganoven aus Verzweiflung in den Körper des Supermarktangestellten Jack Putter, bevor er tot zusammen bricht. Nachdem Tuck erkannt hat was passiert ist, versucht er Kontakt zu Jack aufzunehmen, doch der hat bereits ohne einen Mann in seinem Inneren genug psychische Probleme...


Der Cowboy lässt die Stiefel an...

Ich war 12 Jahre alt, als ich „Die Reise ins Ich“ seinerzeit im Kino sah. Ich kannte den Quasi-Vorgänger „Die phantastische Reise“ noch nicht, wusste zuvor auch nicht in welchen Film mich meine Familie mitgenommen hatte, war aber schnell begeistert von der abenteuerlichen Geschichte, welche die Phantasie eines Jungen nicht nur mit der Miniaturisierungsidee anzuregen wusste, sondern auch mit manch anderem verspielten Gimmick. Wie süß Meg Ryan in ihrer Rolle wirkt, habe ich erst Jahre später entdeckt, als Ryan durch ihre Dauerpräsenz in romantischen Komödien zu einer Berühmtheit wurde. Schon zuvor gab es etliche weitere Sichtungen des Stoffes auf VHS. Und wie das so ist, wenn man sich lange Zeit mit dem Medium Film beschäftigt, so werden die Pausen auch bei vielgesehenen Liebhaberstücken aus der Jugend zwischen den einzelnen Sichtungen immer größer.

Vor zwei bis drei Jahren packte ich ihn nach einer Sehpause von etwa 10 Jahren wieder aus, und ich war überglücklich dass mich Joe Dantes zu Unrecht etwas untergegangenes Werk noch zu unterhalten wusste. „Die Reise ins Ich“ ist nicht nur ein familientaugliches, abenteuerliches Erlebnis mit allerhand Schauwerten, er ist zudem noch jene Kunstform massentauglicher Familienunterhaltung, die Anfang der 90er Jahre irgendwann in Hollywood verloren gegangen ist. „Innerspace“ (Originaltitel) ist solch ein unverkrampftes Stück Popkorn-Kino, frei von Zuschaueranbiederungen und mit Blick auf interessante, wie liebenswürdige Charaktere, sowie auf eine intelligente, abwechslungsreiche Geschichte, dass das Sichten für Erwachsene nicht nur zum müde lächelnden Kompromiss wird, wenn man den Kindern zuliebe einen Familienfilm guckt, sondern für Alt wie Jung zu einem wahrhaften Seherlebnis wird. Das war Grund genug für mich ihn zwei Jahre später erneut zu sichten, um ihn ein paar Freunden zu zeigen.

Der Humor ist reichhaltig, aber nicht übermäßig vorhanden, gesund auf die Gesamtlänge verteilt und die Gags hierfür sicher und gekonnt gesetzt. Der Spannungsbogen kann sich für einen familienfreundlichen Film sehen lassen, die Action wird recht weit zurückgeschraubt und konzentriert sich eher auf Verfolgungsjagden oder kleinere Kämpfe. Gut aufgelegte Schauspieler sorgen innerhalb einer Geschichte, die stets mehr als das nötige Grundprogramm liefert, mit ihrer spürbaren Spielfreude für den nötigen Schliff, und fertig ist ein Filmerlebnis, das sich vor den bekannteren Namen seiner Zeit, wie „Zurück in die Zukunft“ und „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ kaum verstecken braucht. „Die Reise ins Ich“ mag nicht ganz an diese Vergleichsfilme heranreichen, aber er ist sehr nah dran und damit weitaus besser als viele andere Konkurrenzprodukte, ob nun aus den 80er Jahren oder von heute.

Freilich sieht man Dantes Werk die 80er Jahre an, aber sie kommen sympathisch anstatt lächerlich daher, und auch der Soundtrack greift auf angenehme Vertreter der Musik dieser Zeit zurück, und nicht auf die unangenehmen, geschmacklichen Entgleisungen. Zudem ist die Musik nicht nur aus besagtem Jahrzehnt gewählt, und die eigens für den Film komponierte Hintergrundmusik plätschert eher beiläufig, wenig aufregend komponiert im Hintergrund vor sich hin. Mir ist es lieber wenn eine solche mittelmäßig und unauffällig ausfällt, als wenn sie imposant und aufdringlich komponiert ist, so als müsse der Zuschauer erst darauf aufmerksam gemacht werden, etwas Aufregendem beizuwohnen.

Solche Manipulationen hat „Die Reise ins Ich“ nicht nötig, der, wie typisch für seine Zeit, mit handgemachten Spezialeffekten zu begeistern weiß. Die Innenaufnahmen von Jacks Körper sind mit viel Liebe zum Detail umgesetzt, und Dante beherrscht die gekonnte Mixtur diese effektvoll, zum Staunen einladend einzuführen, ohne aus seinem Werk gleich ein reines Effektspektakel zu zaubern. Ebenso wie der Humor- und Abenteuergehalt, so stimmt hier auch bei den Effekten die Gewichtung. In dieser von Steven Spielberg produzierten Science Fiction-Komödie wird jeglicher Bereich durchdacht und mit Respekt angegangen, unterhaltsam umgesetzt ohne verkopft daher zu kommen, aber schlau genug geschrieben, Zusammenhänge, die Psychologie von Charakteren und die Auswirkungen von kleinen wie großen Situationen begreifend.

Alles hat sich der Geschichte und den Charakteren unterzuordnen, während sich die Verantwortlichen des Streifens gleichzeitig den Spaß gönnen, immer wieder verspielte Nebensächlichkeiten einzubauen, welche die Geschichte nicht nötig gehabt hätte. Dies schafft man ohne Längen hervorzubringen, ganz im Gegenteil fühlen sich diese Entgleisungen als Teil der Handlung an und sind somit fast schon unauffällig in den flotten Sehspaß integriert.

„Die Reise ins Ich“ ist noch kein Formelkino der großen Studios, wie wir es von den heutigen Blockbustern kennen, auch wenn er auf die Erfolgserkenntnisse seiner Zeiten gezielt setzt. Peinlichkeiten werden stets umschifft, moralische und kitschige Aspekte treten nicht einmal kurz angedeutet auf, und die Love Story wird unterstützend integriert, klein gehalten, aber wirkungsreich. Kurzum ist „Die Reise ins Ich“ ein ideale abenteuerlicher, mit Spezialeffekten angereicherter Unterhaltungsfilm, wie er in dieser entspannten, den Zuschauer nicht erziehen wollenden, Art auch nur in den 80er Jahren entstehen konnte. Vor den Größen seiner Zeit braucht er sich nicht verstecken.


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Kommentare:

  1. Bei diesem Film ist mir Meg Ryan das erste Mal über den Weg gelaufen. Ich glaub, ich muss mir den auch mal wieder anschauen, bei mir ist die Sichtung definitiv länger als zehn Jahre her.

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    1. Ryan ist süß aber nicht so magisch verführerisch wie einst. Ging mir zumindest so. Aber sie bleibt ein Hingucker in einem Hingucker. :)

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