Montag, 20. März 2017

FANTOMAS BEDROHT DIE WELT (Fantômas contre Scotland Yard 1966 André Hunebelle)


Fantomas erpresst die reichsten Männer Englands um einen großen Teil ihres Vermögens. Im Schloss von Lord Rashley soll dem Schurken mit Hilfe von Reporter Fandor und Kommissar Juve in Kooperation mit Scotland Yard eine Falle gestellt werden...


Lord Fantomas...

Ging der erste „Fantomas“ aufgrund seiner Rachegeschichte noch recht schlicht mit seinen Möglichkeiten die Macht des Superverbrechers deutlich zu machen um, so holte man dies in der ersten Fortsetzung „Fantomas gegen Interpol“ nach und bescherte dem Zuschauer ein Feuerwerk an schrägen Gimmicks, eingetaucht in eine James Bond-ähnliche Parallelwelt. Dementsprechend ging ich guter Dinge an den ein Jahr später folgenden „Fantomas bedroht die Welt“ heran, suggeriert sein Titel doch, dass es ungefähr auf diesem Niveau weiter ginge. Aber weit gefehlt!

Fantomas begnügt sich nun damit Schutzerpresser wie die ollen Mafiaganoven in Amerika zu werden, und das ist schon weiter unter seinem Niveau angesiedelt. Nicht nur dass er diesmal solch schlichte, wenn auch gut bezahlte, Ziele verfolgt, auch das komplette Drumherum bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück, bietet der dritte Teil der Reihe doch lediglich ein Katz- und Mausspiel auf engem Raum, der seine Komik daraus zieht, dass der Zuschauer stets eingeweiht ist, im Gegensatz zu den Helden der Geschichte, deren Gewichtung leider vertauscht wurde.

Nicht nur dass Fandor nur recht wenig Spielzeit zugedacht bekommt (ähnlich wie Scotland Yard trotz des Originaltitels „Fantômas contre Scotland Yard“), selbst seine übliche Doppelrolle mitgerechnet kommt er nicht auf eine würdige Erstnennung im Vorspann, schlüpft der titelgebende Schurke doch meist in die Rolle von Lord Rashley, so dass Jean Marais an beiden Fronten weit weniger zu tun hat als in den beiden Vorgängern. Dafür rückt nun das Treiben von Louis de Funès mehr in den Vordergrund. Da man sich allerdings damit begnügt ihn vor Wut schnaubend, hektisch kommandierend einzufangen, innerhalb eines Szenarios in welchem Fantomas den Kommissar Glauben machen will, er wäre psychisch verwirrt, weiß das auch nicht so gut zu funktionieren wie in den Vorgängern.

Dass die Story kaum glaubwürdig ist und nur wenig Nutzen aus seinem Spielort England zieht (meist nutzt man nur die Spuk-Atmosphäre des Schlosses), mag eine verschenkte Möglichkeit sein, letztendlich ist es aber egal ob „Fantomas Against Scotland Yard“ (Alternativtitel) nun hier oder dort spielt. Die Geschichte orientiert sich fast einzig an der Maskeradenschau des Schwerverbrechers, und dies meist auch nur sehr einseitig. Ansonsten hat Teil 3 kaum Sehwerte zu bieten. Weder solch wundervoll inszenierte Verfolgungsjagden wie in Teil 1, noch so schräge Gimmicks wie in Teil 2 hat „Fantomas gegen Scotland Yard“ (Alternativtitel) vorzuweisen. Begnügen muss man sich mit einem ferngelenkten Bett, einem Hund im Fuchskostüm und einer Fluchtrakete.

Mit Teil 3 wurde zudem kein Schlussstrich gezogen. Die Welt hält Fantomas für tot, der Zuschauer weiß, dass dem nicht so ist, also hat man scheinbar mit einem Teil 4 spekuliert. Ob dieser nicht zustande kam, weil Teil 3 gegenüber seinen Vorgängern derart abfällt, weiß ich nicht, wundern würde es mich jedoch nicht. Es ist den liebgewonnenen Charakteren und dem simplen Rezept der Verwechslungen zu verdanken, dass sich André Hunebelles dritter Streich trotz alledem recht amüsant guckt. Ein müdes Lächeln wechselt sich immer wieder mit geglückten Momenten ab. Damit schliddert Teil 3 haarscharf an tatsächlicher Desinteresse vorbei. Im Vergleich zu Teil 2, den man wohl als den besten Teil der Reihe bezeichnen darf, ist dies trotz passablem Ergebnis somit trotzdem ein Totalabsturz.


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