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Samstag, 18. März 2017

GHOST IN THE SHELL (Kôkaku kidôtai 1995 Mamoru Oshii)


In der Zukunft, einer Zeit der Vernetzung und der hilfreichen Unterstützung durch Cyborgs, treibt der sogenannte Hacker Puppet Master sein Unwesen, indem er in die Köpfe künstlischer Menschen steigt. Die Sektion 9 des japanischen Geheimdienstes ist hinter dem Cyber-Terroristen her, ohne die komplette Wahrheit hinter den Geschehnissen zu ahnen...


Ein Tropfen Wasser im Meer...

Wo ein „Akira“ noch Sehwert für Kinder innerhalb einer an sich erwachsenen Geschichte bereitstellte, da entfernt „Ghost in the Shell“ sich endgültig von dem Vorurteil Trickfilm sei das Medium der jungen Menschen. Erwachsener kann ein Film wohl kaum ausfallen, besteht die komplexe, für Kinder unverständliche, Geschichte doch aus politischen, philosophischen, zwischenmenschlichen und sexuellen Elementen, die zwischen Poesie und Actionmomenten schwankend in für damalige Zeit großartiger visueller Umsetzung auf den Zuschauer losgelassen wird.

Während kostengünstige Elemente, wie das Verdecken der Gesichter, um während der Dialoge ein Standbild benutzen zu können, auf das Alter des Filmes verweisen, zeigen andere Animationsmomente, dass das an der einen Seite eingesparte Geld in andere Zeichentrickbereiche investiert wurde. Actionmomente schauen sich flott animiert, ohne Beschleunigungsstriche wie noch in „Akira“ verwendet zu benötigen, und Standbilder lassen einen sowohl beim Einfangen alltäglicher Dinge aufgrund ihrer Detailliebe staunen, wie auch über experimentelle und fantastische Momente.

Die Zukunftswelt, die für „Ghost in the Shell“ entworfen wurde, ist geistreich durchdacht, mutig und verspielt zu nennen, aber auch durchaus vorstellbar in einer Welt unbegrenzter Energie. Es ist trotz aller übernatürlicher Elemente die Bodenständigkeit, die „Ghost in the Shell“ trotz sexy Helden, jeder Menge Karachomomente und Cyberphantasien, so erwachsen werden lässt. Stößt nun noch die komplexe Handlung hinzu, der man nur konzentriert vollkommen folgen kann, wird Mamoru Oshiis Werk zum vollendeten erwachsenen Seherlebnis, eines welches in Sachen Komplexität, philosophischer Ansätze und Poesie den ebenfalls sehr guten „Akira“ weit hinter sich zurücklässt und damit zum Meisterwerk wird, welches auch heute nichts von seinem Sehwert verloren hat.

Auch wenn „Ghost in the Shell“ hin und wieder zu bemüht tiefgründig wirkt, so wird aus dem Streifen doch nie ein pseudo-philosophisches Werk, besteht die Kunst doch darin den Tiefsinn beiläufig einzustreuen, ihn nicht zum Mittelpunkt der Handlung werden zu lassen, sondern, viel wertvoller, ihn zum begleitenden, stützenden Element zu machen, während im Vordergrund Action, Thrill und ein Hauch Erotik das Geschehen bestimmen.

Es ist dem Spannungsgehalt der Geschichte und der dichten Atmosphäre zu verdanken, dass humorlose, eindimensionale Charaktere zu Identifikationsfiguren werden und sich nach mehr als leeren Hüllen anfühlen. Nur selten bricht Oshii das Klischeebild der einzig für die Mission lebenden Helden auf und verleiht ihnen einen Hauch Tiefe, aber eben nur im theoretischen Gewand, während das Fleisch weiterhin einzig die Mission kennt. Erst am Ende, in der letzten Begegnung zwischen den zwei wichtigsten Figuren des Streifens, lässt Oshii davon los und schenkt seinen Figuren auch greifbare Emotionen und damit wirkliche Tiefe.

Während mit Denkansätzen über das Leben und das Sein innerhalb einer perfekt laufenden, nicht kritisch hinterfragten, Welt der Technologie der Intellekt gefüttert wird und mit bombastischen, flotten Bildern der quantitative Sehwert dauerhaft aufrecht erhalten bleibt, sorgen eine durchdachte, intelligente und wendungsreiche Geschichte für das Spannungspotential, einen Plot präsentierend, bei dem man lange Zeit nicht weiß was wirklich gespielt wird. Immer wieder werden neue Lügen gelüftet, selten ist etwas so wie es scheint. Und wie es sich für einen guten Stoff gehört, entlässt man uns auch mit einigen Fragezeichen aus der Geschichte, damit unsere Fantasie und unsere Gedanken sie weiterspinnen können. Wer noch immer Vorurteile gegenüber japanischer Trickfilme für Erwachsene hat, sollte unbedingt einen Blick auf „Ghost in the Shell“ werfen, auch wenn es sicherlich einige Zeit dauert, bis man bemerkt wie tief die Geschichte greift. Ganz im Gegenteil schaut sich der Beginn zunächst Vorurteile-bestätigend.


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Kommentare:

  1. Ich bin gespannt, wie sich die Realfilm-Umsetzung schlägt.

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    1. Ja, geht mir genau so. Bin überraschender Weise rein intuitiv recht optimistisch, was das Remake betrifft.

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