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Montag, 1. Mai 2017

DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT (The Thing from Another World 1951 Christian Nyby)


Am Nordpol stürzt in der Nähe einer amerikanischen Forschungsstation ein Ufo ab. Nachdem das Raumschiff versehentlich zerstört wurde, kann eine im Eis eingefrorene Leiche eines Außerirdischen geborgen werden. Zurück in der Forschungsstation taut diese auf und erweist sich als mörderisch lebendig...


Der Rübenmann aus dem All...

„Das Ding aus einer anderen Welt“ ist nicht nur ein sehr früher Vertreter der 50er Jahre Monsterfilm-Welle, er ist auch einer der besten. Durch das seltene Verwenden der Kreatur und dem Fokus auf die durchdacht eingebrachten zwischenmenschlichen Konflikte, meist Militär gegen Wissenschaft, gibt er sich nicht all zu sehr der Lächerlichkeit preis wie manch anderer Vertreter dieses Sub-Genres, und da er zudem sowohl die Vertreter des Militärs, als auch jene der Wissenschaft, so agieren und denken lässt wie es jeweilige Berufsgattung tatsächlich tut, behält der Streifen trotz seiner Geschichte um eine hochintelligente Pflanze einen gesunden Grad Realitätsnähe.

Zumindest wird durch solche Rahmenbedingungen die Glaubwürdigkeit gut genug gestützt, um sich auf dieser fußend mit der wahnwitzigen Idee auseinander zu setzen, dass auf einem anderen Planeten (im Film wird ohne jeglichen Beweis stets vom Mars gesprochen) Pflanzen eine ähnliche Entwicklung durchmachten wie auf der Erde das tierische Leben. Was gewagt und auf dem ersten und zweiten Blick unsinnig klingt, erweist sich innerhalb dieses ohnehin meist naiv geprägten Genres als reizvolle Idee, welche das Militär vor eine Herausforderung neuen Maßes setzt. Denn wie besiegt man ein Wesen, dem es egal ist, dass seine Arme wie Blätter mit Löchern durchsiebt werden?

Ein passabler Spannungsbogen, glaubwürdige Dialoge, von denen die meisten aus Diskussionen zur Sache bestehen (Unnötigkeiten werden ohnehin so gut wie gar nicht ausgetragen) und eine funktionierende Love Story aufgrund einer glaubwürdig emanzipiert wirkenden Frau, sorgen für ein kurzweiliges Sehvergnügen, das intelligenter ausgefallen ist als man es bei dieser Thematik vermuten und von dieser Gattung Film erwarten würde. Die selten gezeigte Kreatur erinnert stark an Boris Karloffs Darbietung des Monsters aus „Frankenstein“, wirklich bedrohlich wirkt sie mit den Augen von heute jedoch nicht mehr.

Ein dramatischen Hintergrund wie das Konkurrenzmonster besitzt der Pflanzenmann nicht, jedoch nicht aus Ignoranz oder mangelnder Empathie. Der Film spielt immerhin mit dem Gedanken, dass das Alien sich aufgrund übler Umstände lediglich verteidigt, immerhin wurde sein Schiff niedergebrannt, es wurde auf das Wesen geschossen, und auch Hunde attackierten es, es könnte also alles nur ein Kommunikationsproblem sein. Allerdings dient dieser Gedankengang lediglich der Auseinandersetzung Militär gegen Wissenschaft.

Der kühle Intellekt beider Berufsgruppen wird gekonnt hervorgehoben und bietet den eigentlichen Nährboden für einen interessanten Stoff. Durch die Fixierung auf das Militär wird aus „The Thing from Another World“ (Originaltitel) jedoch kein Forschungsfilm wie „Andromeda - Tödlicher Staub aus dem All“, lediglich kürzere Sequenzen widmen sich dieser Thematik, dann jedoch nicht uninteressant wie allein die verspielte Szene zeigt, in der man gezüchtete Nachkömmlinge der Kreatur zu sichten bekommt. Amerika ist eine vom Militär geprägte Gesellschaft, deshalb gibt der Film trotz beidseitiger Für und Widers dem Militär recht, ergreift somit also Partei. Als Zuschauer kann man dies jedoch in diesem Fall verstehen, kämpfen die Leute in der Forschungsstation doch ums nackte Überleben, und da herrscht kein Platz für theoretische Prinzipien.

Über Langeweile kann man wahrlich nicht klagen. Regisseur Christian Nyby unterbricht das theoretische Gerede immer wieder zum richtigen Zeitpunkt durch Aktionen. Somit wird der Unterhaltungswert gestärkt, während gleichzeitig das theoretische Denken über die Situation nicht zu kurz kommt. Letzteres erleichtert einen Zugang zu den eigentlich recht oberflächlich charakterisierten Figuren. Menschliches Verhalten wie Angst, Witzeleien und besagte Diskussionsfreude sorgen dennoch dafür, dass man sie als echte Menschen wahr nimmt, mit ihnen gar sympathisieren kann - mit Ausnahme des leitenden Wissenschaftlers, der mir ein wenig zu negativ gezeichnet wegkommt. Doch mag dieser auch etwas zu plakativ die Buhmann-Karte erwicht haben, zumindest wirkt die Kritik an seinem wissenschaftlichen Verhalten nicht aufgesetzt, sondern ganz im Gegenteil berechtigt, und das schreibe ich als jemand, der im allgemeinen verständnisvoll zu dieser Berufsgruppe steht.


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