Montag, 1. Mai 2017

ANGRIFF DER RIESENKRALLE (The Giant Claw 1957 Fred F. Sears)


Ein riesiger Vogel terrorisiert die Menschheit. Da er von einem Antimaterieschild umgeben ist, können keine Waffen des Militärs etwas gegen ihn ausrichten...


Glupschie, die süße Marionette...

Es ist bekannt dass die Monsterfilme der 50er Jahre nebenbei dazu dienten das Militär der USA gut aussehen zu lassen. Was „Angriff der Riesenkralle“ diesbezüglich bietet schießt aber weit über das Ziel hinaus, schaut sich der meist aus dem Off gesprochene Anfang doch wie ein Werbevideo für das Militär, um zu zeigen wie toll dieses auf kommende Gefahren vorbereitet ist. Der Zuschauer kann sich also beruhigt zurück lehnen und den Film genießen. Zwar wird ein Riesenvogel in den kommenden Filmminuten das Militär an den Rand der Verzweiflung bringen, aber in Zusammenarbeit mit der Wissenschaft gelingt es ihnen schließlich auch diese Gefahr zu bannen, komme was wolle, Du, lieber Zuschauer, wirst beschützt.

„The Giant Claw“ (Originaltitel) könnte eigentlich typischer kaum ausgefallen sein. Der Film besitzt eine monströse Kreatur, es wird allerhand Wissenschafts-Humbug gefaselt, Archivaufnahmen zeigen das Militär im Einsatz und flüchtende Menschenmassen, die Darsteller bewegen sich von ihrem Talent her so ziemlich alle in der Mittelmäßigkeit, und ein reißerischer Plot, angereichert mit einer Liebesgeschichte am Rande, sorgt für die nötige Aufregung, um das ewige Geschwätz darüber, wie dem Vieh Einhalt zu gebieten ist, hin und wieder zu unterbrechen. „The Mark of the Claw“ (Alternativtitel) könnte also das typische 50er Jahre Monsterfilm-Produkt sein, wenn da nicht diese Kreatur wäre, mit welcher er dem Publikum Angst und Schrecken einjagen möchte.

Sicherlich war das Durchschnittspublikum in den 50er Jahren noch schreckhafter veranlagt als der abgebrühte Zuschauer von heute, welcher mit müdem Achselzucken Torture Porns darauf hin bewertet, ob genug Blut geflossen ist. Aber selbst damals dürfte es keinen über 10 Jahren gegeben haben, der in der Riesenvogelattrappe, die für den hier besprochenen Film verwendet wurde, eine bedrohliche Kreatur gesehen hat. Die Marionette wirkt wie aus der „Muppet Show“ entlaufen. Mit seinen kugelrunden Kulleraugen und der herrlich amüsanten Punkfrisur sieht sie einfach nur niedlich aus und ist damit eigentlich völlig Fehl am Platz in diesem Film.

Monster aus dem All“ leidete ebenfalls unter zu niedlichen Monstern, funktioniert aber trotzdem recht gut. Nicht ganz so gut, da nicht so innovativ wie der Vergleichsfilm ausgefallen, aber trotzdem recht akzeptabel, funktioniert „Angriff der Riesenkralle meiner Meinung nach trotzdem. Es ist nicht so, dass die Puppe nicht zu belustigen wüsste, erst recht in einem so ernst vorgetragenem Film, da ansonsten aber alles dem typischen Standard eines Monsterfilmes folgt, macht der Streifen trotzdem Spaß.

Was heißt überhaupt trotzdem? In Zeiten, in denen die Monsterfilme der 50er Jahre ohnehin nur aus nostalgischen Gründen geguckt werden und niemanden mehr zu erschrecken wissen, tut es dem Film gar gut, dass seine Kreatur so gar nicht furchterregend ausgefallen ist. Das lässt Fred F. Sears‘ Werk ehrlicher gucken als manchen Vergleichsfilm. Dass dies nicht dem Zutun des Regisseurs, der Produzenten oder der Verantwortlichen für die Spezialeffekte zu verdanken ist, dürfte klar sein, die haben seiner Zeit mit dem fertigen Produkt einen Bock geschossen. Schließlich konnten sie nicht ahnen, dass sich „Angriff der Riesenkralle“ einmal so sympathisch putzig schauen würde wie geschehen, und das meine ich nicht rein aus Trash-Sicht.

„The Giant Claw“ vermittelt durch seine Kreatur einfach in noch reinerem Zustand als ohnehin schon diese Unschuld, die das Sub-Genre in seiner naiven Art stets auszustrahlen wusste. Gepaart mit dem präsentierten wissenschaftlichen Unsinn wird „Angriff der Riesenkralle“ zum Paradebeispiel eines unterhaltsamen 50er Jahre-Monsterfilmes. Und da er im biederen Amerika gedreht wurde, darf man sich über manche Belustigung freuen, wie z.B. darüber, dass erst eine Frau (sehr spät) auf die Idee kommt, dass der Vogel Nachwuchs ausbrüten könnte. Auch sonst sind die Protagonisten im Denken nicht die schnellsten. Und wenn der Marionettenvogel hin und wieder Modelleisenbahnen überfallen und Papphäuser dezimieren darf, dann darf man sich endgültig wie in der Augsburger Puppenkiste-Version eines amerikanischen Monsterfilmes fühlen.


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