Samstag, 22. Juli 2017

MONDO CANNIBALE 3 - DIE BLONDE GÖTTIN DER KANNIBALEN (Mondo Cannibale 1980 Jess Franco)


Auf einer Forschungsreise in den Dschungel wird Dr. Taylor auf seinem Schiff von Einheimischen attackiert. Seine Frau stirbt, die junge Tochter landet in der Obhut von Kannibalen. Jahre später organisiert er eine weitere Forschungsreise, in der Hoffnung dass seine Tochter noch am leben ist. Diese wird mittlerweile jedoch als Reinkarnation einer damaligen Göttin von den Menschenfressern verehrt...


Franco und die Kannibalenfilme...

Passt das? Jess Franco ist ein umstrittener Regisseur, das Genre des Kannibalenfilms ist ebenso umstritten. Es durchlebte eine recht kurze Erfolgswelle, und da sich der Titel „Mondo Cannibale“ gut verkaufte, sicherlich auch aufgrund seiner geglückten Fortsetzung, erfand man in Deutschland wie so oft ein paar Teile besagter Reihe hinzu und machte aus zwei Kannibalenfilmen Francos einen Teil 3 und 4. Während „Mondo Cannibale 4“ bereits in den ersten 5 Minuten deutlich macht, dass man eigentlich kein positives Ergebnis mehr zu erwarten hat, beginnt „Mondo Cannibale 3“, vorausgesetzt man kann mit Filmen des Kult-Regisseurs etwas anfangen, zunächst zumindest atmosphärisch routiniert. Sicherlich kam ich mir von Anfang an verarscht vor, als ich sah was für Kannibalen der alte Geschichtenerzähler da auf den Zuschauer loslässt (manche Schminke wäre einem Clown näher gekommen als dem Klischee eines Urwald-Bewohners), aber völlig ohne Reiz schien das Erzählte kurzfristig nicht zu sein.

Diesmal täuschte der erste Eindruck jedoch, denn was sich als zunächst akzeptabel für geduldige und für Alternativen offene Zuschauer guckte, entpuppte sich spätestens mit dem Rede-schwingenden Anführer der Menschenfresser als unverdaulicher Bullshit, der nicht erst mit seinen ewigen, in Zeitlupe gehaltenen, Fressattacken beginnt zu nerven. „Mondo Cannibale Massacre 3“ (Alternativtitel) ist derart dümmlich ausgefallen, dass es nichts mehr gibt was man schönreden könnte. Der gern verkannte Humor des Regisseurs findet sich in diesem Filmbeitrag nicht wieder, und auch die Improvisationskunst, die immerhin seinen im selben Jahr erschienenden „Jungfrau unter Kannibalen“ für andersgeartete Cineasten erträglich machte, weiß diesmal nicht positiv zu wirken. Zu sehr bekommt man das Gefühl, dass Franco selbst kein Interesse an diesem Stoff besaß.

So gibt es eigentlich nicht viel mehr über diesen Streifen zu sagen, außer vielleicht dass man ihn aufgrund seines Beititels bloß nicht mit „Die weiße Göttin der Kannibalen“ verwechseln sollte. Der war sicherlich auch kein geistreiches Werk, dafür aber ein äußerst sympathisches und unterhaltsames. Das abwechselnd reißerische, gelangweilte und Soap-artige Getue des hier besprochenen Filmes bietet jedoch keinen Grund überhaupt einen Blick zu riskieren. Es kommt weder Abenteuer- noch Horror-Feeling auf, und trotz Unzulänglichkeiten, die selbst jedem Ignoranten sofort auffallen würden, funktioniert er nicht einmal als unfreiwillig komischer Zwischendurchverzehr für das Trash-Publikum.


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