Freitag, 4. August 2017

NIGHTMARE ON ELM STREET 4 (A Nightmare on Elm Street 4 - The Dream Master 1988 Renny Harlin)


Freddy ist zurück. Kurz vor ihrem Tod überträgt Kristen ihrer Freundin Alice die Fähigkeit Menschen in ihre Träume ziehen zu können...


Eine Tagträumerin stellt sich ihren Träumen...

„Nightmare on Elm Street 4“ baut direkt auf den finanziell erfolgreichen Teil 3 auf, nimmt dessen neu eingeführten Ideen an und schwimmt somit weiter auf der fantasylastigen Variante des Horror-Stoffes. Der Grundton fällt sogar noch eine Spur esoterischer aus, so dass man die Geschichte überhaupt nicht mehr ernst nehmen kann. Aber das ist den Verantwortlichen des Streifens ohnehin bewusst, der Film, an dem Wes Craven nun nicht mehr beteiligt ist, soll ein Stück Fun-Film sein, ein Werk welches die einstige Schreckgestalt Freddy endgültig zum Sprüche klopfenden Kasper degradiert, und obwohl dieser nun lauter wird und in bunteren, Humor orientierten Situationen und Kulissen agiert ist Teil 4 der Reihe angenehm unaufgeregter erzählt als ihr Vorgänger.

Neue Ideen entwickelte man nicht, und „A Nightmare on Elm Street 4 - The Dream Master“ (Originaltitel) spielt nicht mehr auf mehreren Handlungsebenen. An die zu fantastischen Ideen, die wenig Sinn ergeben sobald man sie auch nur im Ansatz hinterfragt, hat man sich gewöhnt, so dass man mit Teil 4 nicht so streng umgehen muss wie mit dem Vorgänger. Und rein analytisch steht Freddy nur noch für den Aggressor, der in einer Welt ignorierender Eltern der Auslöser wird verwöhnte Teenager aufgrund einer Zwangssituation selbstständig und erwachsen werden zu lassen. Tiefer geht die Chose nicht.

Als positiv kann man dem Film die Idee anrechnen ins Zentrum eine Tagträumerin zu setzen, und dies ohne daraus ein Hintertürchen für Freddy zu machen, so wie die Schwangerschaft in Teil 5, um auch im Wachzustand Terror zu verbreiten. Man sieht also, selbst diese sympathische Idee kommt unaufgeregt daher, ohne gleich das bekannte System über Bord zu werfen. Und da man Alice unglaublich glaubwürdig mit der naiv dreinschauenden Lisa Wilcox besetzt hat, die mit ihrem verträumten Blick und der roten Haarfarbe wie eine realitätsferne Esoterikerin wirkt, weiß dies einiges vom Unsinn des Drehbuchs aufzufangen. Allein die Schnellgläubigkeit der neu eingeführten Figur wird damit bereits zu keinem Ärgernis. Und dank ihres Erscheinungsbildes einer sensiblen Außenseiterin geht einem ihr Gefühlsleben wesentlich näher, als es dem Drehbuch eigentlich wichtig ist.

Alices Trauer kann man nachempfinden. Wenn sie ihren toten Bruder zurück in den Sarg schickt, als dieser ihr während der Beerdigung in einem Tagtraum seinen Tod als Scherz verkaufen will, spürt man den inneren Kampf diesen Schritt zu gehen, fühlt sich die Flucht in diesen Traum doch viel geborgener und angenehmer an, anstatt sich der Realität zu stellen, dass nun auch der letzte liebgewonnene Mensch im Leben gegangen ist. Da Alice zudem Mitschuld am Teenagersterben trägt, eben weil sie die schwere Bürde übertragen bekommen hat Freunde in ihren Traum zu ziehen (danke Kristen, ohne Deine Schnappsidee würden von Alice abgesehen die Kids der Elm Street alle noch leben), fällt ihre Rolle um so tragischer aus. Und auch wenn die Autoren sich dafür nicht wirklich interessieren, so ist diese Empathie zur Hauptfigur doch einer der Hauptaspekte, der Teil 4 der Reihe überhaupt erst funktionieren lässt.

Wie ich in meiner Besprechung zu Wes Cravens Original bereits äußerte besaß dessen Drehbuch die einzig sinnvolle Idee wie Freddy final zu bekämpfen wäre (wenn ironischer Weise auch nie tatsächlich umgesetzt). Das finale Gegenmittel in Teil 4 kommt nicht nur urplötzlich daher und wirkt arg austauschbar gegen jede andere unreflektierte 08/15-Idee zum Vertreiben böser Geister, ich habe die Methode von Alice auch ehrlich gesagt nicht verstanden. Gerne kann mir mal wer erklären was da passiert, nachdem Freddy die Seelen seiner Opfer frei lassen musste und was es mit der Scherbe des Kirchenfensters auf sich hat. Viel Sinn wird aber sicherlich auch dann nicht dahinter stecken, wenn man es verstanden hat. Nun hinterlässt ein Nightmare 4 damit keine Lücke, die es zwingend zu füllen gilt, ich habe kein Problem diesbezüglich dumm zu sterben. Etwas verwirrt lässt einen dieses verständnislose Treiben aber schon zurück, wenn damit eine Geschichte endet, der man fast 90 Minuten Aufmerksamkeit geschenkt hat.


Weitere Besprechungen zu Nightmare on Elm Street 4: 


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