IN DEN KRALLEN DES HEXENJÄGERS (The Blood on Satan's Claw 1971 Piers Haggard)


Ende des 17. Jahrhunderts kommt es in einem Dorf zu merkwürdigen Geschehnissen, die übernatürlicher Art sein könnten. Als sich Todesfälle häufen, beginnt man erst langsam zu verstehen, dass mit der Jugend des Dorfes etwas nicht zu stimmen scheint...


Die Entfernung der Teufelshaut...

Zwar wollten die Produzenten des Streifens seinerzeit, sofern man Angaben Dritter im Netz Glauben schenken darf, vom Erfolg diverser Filme um Hexenjäger eine Scheibe vom Geldkuchen abhaben, inhaltlich ist davon jedoch nur noch die Zeit in der alles spielt zu entdecken, Hexen, geschweige denn jene die sie jagen oder verurteilen wollen kann hingegen suchen wer will. Dementsprechend unsinnig ist der deutsche Titel „In den Krallen des Hexenjägers" ausgefallen, der den Geschehnissen des Films nach „Die Erlösung durch den Teufelsaustreiber“ hätte heißen müssen und damit der Wahrheit auch lediglich nahe kommen würde, ohne sie genaustens zu treffen. Der Alternativtitel „In den Krallen des Satans“ trifft es da schon eher, wobei es nicht zwingend der Teufel sein muss, den die Gruppe Jugendlicher hier auf „Kinder des Zorns“-Art anbetet und Opfer erbringt.

Zugegeben dauert es lange Zeit, bis wir innerhalb des Filmes diesen Wissensstand erreichen. Und diesen erhalten wir über die wohl wirkungsreichste Szene des Filmes, wenn wir einen Übergriff einer größerer Menge Menschen über ein harmloses, liebenswertes junges Teeniemädchen in all seiner Härte miterleben müssen, eine Szene die sicherlich kaum wen kalt lassen wird. Dennoch kann man „The Blood on Satan‘s Claw“ (Originaltitel) durchaus als Mix klassischer, englischer Horrorfilme dieser Spielzeitdekade mit jenem Werk von Stephen King bezeichnen. Während dort lange Zeit unklar ist, ob die kultige Kindergemeinde tatsächlich etwas Übernatürliches belebt, steht der unheimliche Faktor der Geschichte im hier besprochenen Film ziemlich früh fest, wenn eine befremdliche Mensch/Tier-Klaue gelegentlich nach ihren Opfern greift. So nebensächlich sie im Laufe der Zeit auch werden wird, alle drei bislang erwähnten Filmtitel orientieren sich an ihr, sie scheint somit manch einen beeindruckt zu haben.

Ich wünschte ich könnte dies vom Film selbst ebenfalls behaupten, aber der ließ mich trotz seiner interessanten Geschehnisse und den glaubwürdigen Sets und Kostümen ziemlich kalt. Er kam mir stets etwas zu verkrampft vorgetragen vor, etwas zu bemüht, wirklich beschreiben kann ich den Zustand nicht. Ich weiß nur, dass ich in „Satan‘s Skin“ (Alternativtitel) nicht wirklich eintauchen konnte, das Geschehen blieb mir zu theoretisch, das Konzept des Films zu unsortiert, zu unsicher darin ausgelegt was er eigentlich sein möchte.

Letztgenanntes kann man auch als Pluspunkt sehen, immerhin gibt es keine tatsächliche Identifikationsfigur, die sich automatisch anbietet. Und stets passiert etwas anderes. Die Geschichte bedient sich in jeder ihrer Phasen immer an jenen Figuren, die sie gerade benötigt. Verschiedene unheilvolle Vorgänge verunsichern und lassen einen zunächst ratlos zurück. Ich weiß auch nicht, warum diese theoretisch so verlockend klingende Methode bei mir nicht fruchten wollte. Denn auch die Darsteller waren zum großen Teil nicht untalentiert zu nennen. Anstatt mit einer kreativen Verwirrung anzustecken, wirkte der Streifen auf mich jedoch eher desorientiert, bevor er sich entscheidet eine Gruppe Jugendlicher ein fremdes Wesen anbeten zu lassen.

Eingeweiht in die tatsächlichen Geschehnisse schafft es schließlich auch der Spannungsbogen zu wachsen. Und die Szene einer erotischen Verführung durch eine Minderjährige weiß ebenfalls zu wirken. So schöpft man zum Ende hin neue Hoffnung, dass wenigstens das Finale etwas aus den vorhandenen Möglichkeiten schöpfen kann, doch dann wird man von der Inszenierung plötzlich regelrecht negativ überrumpelt. Die Geschehnisse bleiben in einer hektischen Umsetzung recht banal, optische Schauwerte werden durch schlechtes Abfilmen entwertet, und ein zu plötzlich gesetzter Schluss lässt den Zuschauer verdattert zurück, nicht wissend was am Ende nun wirklich geschehen ist. Vieles was in den letzten 20 Minuten das Finale einleitet, verläuft sich ins Leere und wird somit zu einer interessanten Idee, aus der nichts weiter ausgeschöpft wird (z.B. die Teufelshaut im Glasbehälter).

Am Ende lässt einen der Film ratlos zurück, lediglich wissend dass das Gute gesiegt hat, aber nicht wissend was aus den Jugendlichen werden wird. Sind sie erlöst mit dem Zerstören der Kreatur? Sind sie für immer verbannt? Sind sie noch bösartig getrieben? Das hätte ich alles ebenso gern erfahren, wie den Hintergrund wie die jungen Dinger überhaupt auf ihre okkulte Religion gestoßen sind. „The Devil‘s Touch“ (Alternativtitel) ist jedoch kein Film der Geschichte wegen, er orientiert sich an ein Publikum der reißerischen Aufhänger. Sobald etwas hinterfragt werden muss, erhält man als Antwort lediglich ein hohles Echo, denn Hintergründe gibt es nicht. Es gibt nur den Versuch durch möglichst viele, scheinbar nicht zusammengehörende Faktoren so etwas wie eine Gruselgeschichte vorzugaukeln. Atmosphärisch gut eingefangen kann so etwas funktionieren, wie Fulcis „Geisterstadt der Zombies“ beweist, verkrampft erzählt im noch so wirkungsreichem optischen Umfeld wirkt das alles jedoch nur willkürlich.


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