HUMANS - STAFFEL 1 (Humans Season 1 2015 Lewis Arnold)


In der Gesellschaft der Zukunft gehören menschenähnliche Roboter, sogenannte Synth, in jeglichem Lebensaspekt zum Alltag. Ohne Gefühle und eigenen Willen machen sie den Haushalt, arbeiten sie in diversen Jobs oder erleichtern anderweitig unseren Alltag. Obwohl Laura sich keinen Synth anschaffen möchte kauft ihr Ehemann Joe dennoch einen, als er sich wieder einmal während einer von Lauras betriebsbedingten Ausflügen allein um die Familie kümmern muss und Verstärkung im Haushalt benötigt. Während die Kleinste den Roboter Anita direkt ins Herz schließt und der pubertierende Sohnemann das neue Familienmitglied höchst attraktiv findet, beäugeln Laura und ihre älteste Tochter Mattie den Androiden mit kritischen Augen, scheint er sich doch nicht so zu verhalten, wie es für einen Synth üblich wäre. Was die beiden nicht ahnen: Anita gehörte vor ihrer Umprogrammierung zu einer kleinen Gruppe rebellischer Roboter, die über ein eigenes Bewusstsein verfügten...


In kleiner Anzahl eine nette Idee, in großer Population eine Bedrohung...

Leider ist mir die schwedische Serie „Real Humans“ bislang unbekannt. Als ich mir die erste Staffel von „Humans“ zulegte, wusste ich nicht, dass sie eine Remake-Serie zu einem schwedischen Original ist. Als ich es erfuhr, habe ich dennoch erst die britisch/amerikanische Neuverfilmung geschaut, eben weil mich die Geschichte stark reizte und sich die hier besprochene Version im Gegensatz zur anderen bereits in meinem Besitz befand. Ich kann somit nicht vergleichen, weiß nicht in wie weit „Humans“ das Original nur kopiert, oder auch eigene Ideen aufweist. Ich kann also nur unter Vorbehalt über die erste Staffel „Humans“ referieren, bin aber ohne die Kenntnis der schwedischen Version positiv überrascht.

Zugegeben, „Humans“ ist manchmal sehr direkt und geradeaus erzählt. Das Science Fiction-Drama fordert die Intelligenz des Zuschauers oder seine Neugierde nicht so stark heraus, wie es möglich gewesen wäre. Ab einem gewissen Punkt ist klar wohin das Erzählte führen wird, und mancher Soap Moment wirkt für den an sich intelligenten Stoff etwas penetrant aufgedrückt. Dank seiner interessanten Geschichte und aufgrund der Vielschichtigkeit, welche die Geschichte gerade in ihrer ersten Phase zu bieten hat, ist das aber auch gar nicht weiter wild. Mögen auch nicht alle Figuren lebensecht erscheinen, die meisten Charaktere wissen zu gefallen. Eine handvoll verschiedener Geschichten, welche der grundlegenden Thematik jeweils völlig andere Aspekte abgewinnen, wachsen mit der Zeit ineinander und werden zu einer kompletten übergeordneten Geschichte. Und wenn diese, wie bereits beklagt, vorhersehbar wird, so macht es doch trotzdem Spaß das zu Erwartende dabei zu beobachten, wie es sich wie ein Puzzle zu einem Ganzen fügt.

Dank des Serienformates kann man sich der Thematik um künstlische Intelligenzen und jener um den Einsatz willenloser Roboter im Alltag sehr umfassend annehmen und diverse Aspekte dementsprechend vielschichtig vertiefen. Während die düsteren Möglichkeiten zu dem Thema, im Sinne eines „Ex Machina“ oder „Westworld“, komplett weggeblendet werden, werden gesellschaftskritische und humane Aspekte umso stärker in die Geschichte eingebunden, mal als Randerscheinung zur Erschaffung eines umfassenden Bildes der Gesellschaft der Zukunft (die Rebellion der Arbeiter, da sie von Robotern ersetzt werden, die Entfremdung der Menschen voneinander, die Dekadenz und die Abhängigkeit durch das inflationäre Nutzen der Synth), mal als Zentrum einzelner Geschichten (der Verlust der eigenen Mündigkeit durch die Gesetzgebung, die wohl stärkste Kritik der Serie anhand des Beispieles eines kranken Mannes, der einen Synth von seiner Krankenkasse aufgedrückt bekommt und wie ein Gefangener einen gesunden Lebensstil aufgezwungen bekommt), mal das Zentrum der kompletten Geschichte bildend (die Frage über Persönlichkeitsrechte einer K.I. und der Zukunft der Menschheit durch die Existenz einer solchen, a la „Blade Runner“ und „Ghost in the Shell“).

Die Frage, ob sich die künstlichen Intelligenzen tatsächlich all zu sehr von den Menschen unterscheiden, blitzt glücklicher Weise lediglich als Randerscheinung auf und gehört somit zu den wenigen Aspekten, über die sich der Zuschauer (zumindest bislang) seine eigenen Gedanken machen darf, neigen doch auch die Roboter mit Bewusstsein zu aggressiven Taten und zur Selbstgerechtigkeit, auch wenn sie dem Menschen in anderen Dingen noch so überlegen sind. Die Kritik des befremdlichen Gegenübers besteht auf beiden Seiten, bei manchem Menschen/Androiden stärker als bei anderen. Da eine kleine Gruppe Menschen von der Existenz jener intelligenten Roboter mit eigenem Bewusstsein weiß, die es eigentlich nicht geben dürfte, und ihnen helfen möchte, während eine andere kleine Gruppe die K.I.s zerstören möchte, pendelt „Humans“ im letzten Drittel immer stärker zwischen Thriller und Drama hin und her, wobei der Dramaaspekt stets den stärkeren Part bildet, was der Geschichte bis auf einige zu kitisch geratener Ausrutscher auch gut tut.

Wirklich neue Ideen gibt es zu der Thematik kaum zu sichten, aber dafür vereinen sich viele, die man aus anderen Werken kennt, und dies stilsicher eingefangen, irgendwo pendelnd zwischen dem Begreifen der Tiefe der Thematik und dem trendsicheren Wiederkäuen professionell reflektierender Vorbilder. Der Unterhaltungswert ist bei einem solch halbintelligent umgesetzten Projekt glücklicher Weise auf einem Hoch. Selbst wenn die erste Staffel von „Humans“ in ihrer Mittelphase ein klein wenig wankt und nicht ganz die Stärke des ersten und des letzten Drittels besitzt, so bleibt sie doch auch in dieser schwächeren Phase interessant genug, um neugierig dran zu bleiben. „Humans“ ist eine Science Fiction-Soap Opera, die mal von den zwischenmenschlichen Konflikten lebt, dann wieder verstärkt von ihren Science Fiction-Eigenschaften.

Die Ballance gelingt der Serie recht gut, zumal die Figuren trotz ihrer eindimensionalen Charaktere zu echten Identifikationsfiguren werden, und dies obwohl man stets einen emotionalen Abstand zu ihnen hält. Das dürfte auch der wesentliche Unterschied zu einer klassischen Seifenoper sein. Hier sorgt der Science Fiction-Gehalt und der warnende Blick einer gar nicht so fern klingenden Zukunft für die nötige Distanz, ohne das Treiben deswegen gleich völlig unterkühlt einzufangen. Mir hat die erste Staffel zumindest gut gefallen, und wenn dieser lediglich Schrott folgen sollte, ist dies auch nicht weiter wild, denn sie endet hervorragend und in sich abgeschlossen, so dass sie auch völlig für sich alleine stehen kann.


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