ARMEE DER FINSTERNIS (Army of Darkness 1992 Sam Raimi)


Nachdem Ash per Zeittunnel unfreiwillig im Mittelalter gelandet ist, gerät er in britische Gefangenschaft. Durch seine Erfahrung sich gekonnt gegen die Dämonen wehren zu können macht er jedoch während seiner Hinrichtung noch schnell auf sich aufmerksam, so dass man in ihm den Auserwählten erkennt, der vom Himmel fiel um die Menschheit vor den Dämonen zu schützen. Ash will jedoch lediglich zurück in seine Zeit, und hierfür muss er das Necronomicon finden, welches auch den Menschen der Mittelalterwelt bei ihrem Kampf gegen die dämonischen Kreaturen weiterhelfen würde. Also macht Ash sich auf den Weg zu einem entfernten Friedhof, auf dem sich das Necronomicon befinden soll...


Ash wird zum Großmaul...

Nachdem mit „Within the Woods“, „Tanz der Teufel“ und „Tanz der Teufel 2“ Sam Raimi drei Mal die selbe Geschichte leicht variiert erzählte, bescherte er mit „Armee der Finsternis“ der dritten Version eine richtige Fortsetzung, die inhaltlich mit leichten Veränderungen versehen dort anknüpft, wo der Vorgänger tatsächlich endete. Leider sind es nicht nur die veränderten Momente im Vergleich zur Schlussszene von „Tanz der Tejufel 2“, die beide Werke wenig kompatibel miteinander wirken lässt, auch die fehlende Hartnäckigkeit der übernatürlichen Gegner, ihre Art wie man sie töten kann und ihre Motivation zu tun was sie tun sind nicht kompatibel mit den kaum kaputt zu kriegenden Wesen der Geschichte in der Hütte. Aus einem leicht großmäuligen Ash wird nun zudem ein arg dümmlicher Prolet, der nun mehr denn je unreflektiert die Fresse aufreißt und beleidigendes, wie dusseliges Zeug von sich lässt. Er suhlt sich in seinem Heldentum, ist zu dumm sich drei fremdsprachige Worte zu merken (die man augenzwinkernd aus „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ entlieh) und baggert Frauen mit plumpsten Methoden an.

Nachdem Sam Raimi bereits „Tanz der Teufel 2“ mit allerhand Komik versehen hatte, zerstört er in der Fortsetzung nun das angenehme Gleichgewicht beider Genres und lässt es komplett in Komik baden. Was zu Beginn unakzeptabel, aber halbwegs funktionierend in Ordnung geht, verkommt bei der Ankunft in einer Mühle zu einer Blödelorgie, die jegliches bisher gekanntes Niveau vermissen lässt. An sich ist die Mühlenszene als Parallelszene zum Vorgänger gedacht, der einzige Ort an dem Ash alleine ähnliches wie in der Hütte passieren kann. Nur achtet Raimi in „Army of Darkness“ (Originaltitel) lediglich auf optische Raffinessen, missachtet beim durchaus kreativen Spiel gegen die Dämonen jeglichen psychologischen Aspekt und übrig bleiben trotz der Idee teuflischer kleiner Ashs und dem Wachsen eines zweiten Ashs aus dem eigenen Körper heraus lediglich kindlische Spielereien, die mich damals in der Jugend noch zu belustigen wussten, mich bei der Neusichtung jetzt jedoch nur noch genervt haben.

Ein Blick ins Zusatzmaterial der DVD verrät, dass die Mühlenszene ursprünglich als unheimliche Szene gedacht war. Hier erlebt man den einzigen Moment, der wahren Horror aufkommen lässt und stilistisch perfekt zu den Vorgängern passt. Allerdings hätte diese wunderbare Szene tatsächlich keinesfalls zu „Armee der Finsteenis“ gepasst und dessen Tempo für einen unnötigen Stilwechsel abgebremst. Es ist schade dies eingestehen zu müssen, wenn man doch sehen darf wie stilsicher Raimi dort immer noch zu arbeiten weiß, aber es macht deutlich wie sehr dem Regisseur daran gelegen war mit „Evil Dead 3“ (Alternativtitel) etwas anderes abliefern zu wollen. Das wäre gar ein lobenswerter Ansatz, wenn die Alternative zum bisher dargebotenen auch die Substanz der Vorgänger besitzen würde, aber an „Der Totentanz der Teufel 3“ (Alternativtitel) ist alles nur vordergründiger Zauber, optische Augenwischerei, die jegliches geistige Hinterfragen nicht besteht.

Ashs Wanderung zum Necronomicon funktioniert lediglich aus Comicsicht und hält keinerlei Logik stand, nicht einmal bei der Frage warum nicht wer anders längst zum besagten Friedhof ritt. Zwar macht das Einbauen von Comic- und Cartoonkomik, wie das Vogelgezwitscher nachdem Ash etwas gegen den Kopf gestoßen ist, deutlich sich eben jenem Bereich absichtlich zuwenden zu wollen, aber das reicht in einer solch dünnen und konstruierten Geschichte wie der hier erzählten leider nicht um den kompletten Wahnsinn stemmen zu können. Warum Ash final gegen seinen bösen Zwilling kämpfen darf, dieser zum obersten Machthaber einer optisch nett anzusehenden Skelettarmee wird und warum diese mit relativ harmlosen Methoden so leicht außer Gefecht zu setzen sind, lässt sich alles nicht erklären, will Raimi auch gar nicht erklärt wissen, denn ihm geht es um optische Verrücktheiten, um den Spaß am Nonsens und um den Drang möglichst viele Spezialeffekte einsetzen zu dürfen und dafür Momente zu schaffen, die 1987 mit dem damaligen Budget nicht umzusetzen gewesen wären. Wieder ist alles handgemacht, das freut, aber das arge Bemühen besonders schwer umzusetzende Szenen zu realisieren, lässt die Effekte viel veralteter wirken als jene aus dem Vorgänger, die noch immer ein Staunen zu  verursachen wissen.

So oder so, mit allem was Raimi will macht er den „Tanz der Teufel“-Mythos etwas mehr kaputt, und leider will „Armee der Finsternis“ auch für sich allein stehend für mich nicht funktionieren. Raimi erreicht trotz des Verzichtes auf Splatstick die Geistlosigkeit von Peter Jacksons „Braindead“, dabei wäre es eher schön gewesen Jackson hätte sich dem Niveau Raimis angepasst. Aber so waren die 90er Jahre des Horrors bevor „Scream“ daher kam. Das Genre war kaputt, wurde mit zu viel Humor verwässert, und wie typisch für dieses Filmjahrzehnt gab man auch nichts mehr um intelligente Hintergründe, analytische Grundlagen, ja nicht einmal mehr was um interessante Charaktere. Selbst Ash ist keiner mehr. Bei einem derartig verwässerten Ergebnis freut es mich um so mehr, dass man sich 30 Jahre später in der Serie „Ash vs. Evil Dead“, trotz des kommerziellen Erfolges des hier besprochenen Filmes, wieder mehr an „Tanz der Teufel 2“ orientierte anstatt an „Armee der Finsternis“, der leider nur die dümmliche Kinderfilmvariante eines einst so interessanten Stoffes wurde.


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