16.09.2020

DIE KLASSE VON 1999 (1990)


1982 drehte Mark L. Lester "Die Klasse von 1984" und thematisierte damit den immer roher werdenden Umgang der Jugend und wagte einen Blick in die Nahe Zukunft von Amerikas Alltag an städtischen Schulen. Realistisch fällt der Film nicht wirklich aus, ist er doch zu reißerisch angegangen, als dass man ihn all zu ernst nehmen könnte, ein gelungener Beitrag ist Lester rein unterhaltungs-technisch dennoch geglückt. Sein Nachfolger "Die Klasse von 1999" (den man nicht mit dem Drama "Die Klasse von '99" verwechseln sollte) versucht gar nicht mehr das Thema ernsthaft anzugehen. Das Buch baut auf einer völlig übertriebenen, realitätsfernen Spinnerei auf und gibt sich gar nicht erst die Mühe Ungereimtheiten auszubügeln. So unsinnig das Ganze auch völlig freiwillig, dem äußeren Schauwerten wegen, ausgefallen ist, die Nicht-Wirklich-Fortsetzung des acht Jahre zuvor entstandenen Streifens macht unglaublich viel Spaß. Auch wenn wer anders das Drehbuch verfasst hat, die Idee zu dieser hanebüchenen Geschichte stammt von Lester selbst, der den Science Fiction-Actioner auch gleich mit produziert hat.

Viel Geld stand nicht zur Verfügung, und das was man hatte wurde in ein paar Karacho-Momente gesteckt, in herrlich billig, aber sympathisch anzusehende Cyborg-Effekte investiert (die Großteils erst im Finale auf den Zuschauer warten) und in die prominenten (Neben)Besetzungen mit Pam Grier und Malcolm McDowell. Stacy Keach war kurzfristig durch die Serie "Mike Hammer" ebenfalls semi-berühmt, mag sein dass auch er als Prominenter eingekauft wurde. Nötig hätte man diese Gesichter nicht zwingend gehabt, ist die Geschichte zusammen mit der recht simplen, aber effektiv ausgewählten Besetzung ein Selbstläufer für den Freund anspruchsloser Actionkost. Das garantiert Lesters kompromisslose, flotte und wuchtige Umsetzung, bei der man nie ganz weiß was unfreiwillig komisch ist und augenzwinkernd gewollt. Zur Lachnummer verkommt "Class of 1999" (Originaltitel) nie, dafür ist er zu charmant und selbstironisch umgesetzt. Allein dass sich die Lehrer in ihrer Militär-strategischen Intrige gegen Ende dadurch verraten, dass sich die Gangs nachts in der Schule gegenseitig zum Duell treffen sollen, obwohl keines der Kids freiwillig in seiner Freizeit das Gelände betreten würde, zeigt schon wie herrlich leichtfüßig die Parodie auf gesellschaftspolitisch kritische Werke daher kommt, der übertriebene Härtegrad der Jugendlichen und der Cyborgs spricht ebenfalls für sich selbst. Am schönsten fallen stets jene Momente aus, in denen beides gleichzeitig aufeinander stößt, so z.B. bei einem Einblick in die Disco der Zukunft, in welcher wir Gangs während des Tanzens mit Maschinengewehren herum feuern sehen.

"Die Klasse von 1999", der vier Jahre später mit "Class of 1999 2" eine tatsächliche inhaltliche Weitererzählung des hier Erlebten beschert wurde (welche man trotzdem als Mogelpackung bezeichnen kann), ist fortwährend flott und interessant erzählt und zieht seine Stärken aus seiner konsequent stumpfen Umsetzung, sowohl im herrlich dämlichen, als auch im effektiven Sinne, so völlig ohne Umschweife, wie hier alles erzählt ist. Nie bremst sich die Geschichte aus, nie sieht man sich an irgend etwas satt, stets geht es interessant genug weiter ohne auf der Stelle zu treten, immer werden dem Zuschauer augenzwinkernde optische Gimmicks beschert, wie z.B. den Banane essenden Forschungsleiter. Eine zur Filmmentalität passend gewählte Hauptrollenbesetzung und drei herrlich mit anzusehende Mimen in den Rollen der Erziehungsroboter sorgen dafür, dass auch alles Film-intern glaubwürdig genug herüber gebracht wird. Lediglich der völlig unsinnig gesetzte Schnitt, durch welchen wir nicht erfahren wie es die Hauptrolle lebend aus der Disco seiner eigenen ehemaligen Gang geschafft hat, ist jene Art Patzer, die dem Gesamtwerk keinen Mehrwert beschert, sondern stattdessen Irritation. Mit jeder anderen Unsinnigkeit kann man sich bei solch hohem Unterhaltungswert jedoch bestens arrangieren, meist geht beides ohnehin Hand in Hand vonstatten.  OFDb

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