Freitag, 25. Mai 2012

POPULATION ZERO - DIE WELT OHNE UNS (Aftermath: Population Zero 2008 Christopher Rowley)


Wenn der Mensch urplötzlich vom Erdboden verschwinden würde, würde die Natur sich die Erde zurück holen. Es werden die einzelnen Schritte dieser Rückeroberung gezeigt und erklärt...


Du böser Mensch, Du! Pfui!...

Der Film geht einer interessanten Frage nach und setzt recht phantastisch an, wenn der Mensch nicht durch einen Virus dahin gerafft wird oder sich atomar in die Luft sprengt, sondern indem er einfach von einer Sekunde auf die nächste ausgeblendet wird. Da knallen nun Autos aufeinander, Flugzeuge fallen vom Himmel, Geräte laufen weiter. Der Mensch ist einfach weg, und von nun an wird das Szenario durchgespielt wie die Natur wann darauf reagiert. Das beginnt mit den ersten Minuten nach unserem Verschwinden und endet mit dem Blick in 1000 Jahren ohne uns.

Da bei diesem Blick auf eine Welt ohne uns kleinste Details mitbeachtet werden, weiß „Population Zero“ auch recht gut zu unterhalten, zumal manche Erkenntnisse einen wahrlich zum Staunen bringen können. Angeblich erweisen sich Kakerlaken als weniger durchhaltefreudig wie vom Volksmund immer angenommen, und die Radioaktivität der zerstörten Atomkraftwerke beeinflusst die Natur nur etwa 25 Jahre lang stark. So unglaubwürdig das auch klingen mag, an anderer Stelle beweist der Film immer wieder Glaubwürdigkeit, so dass ich geneigt bin diese Thesen einfach mal als sinnvoll anzunehmen.

Es ist spannend dem Treiben der Natur zu folgen, und „Population Zero“ bleibt für eine US-Doku großteils auch erfrischend sachlich. Wie nicht anders zu erwarten haben sich dennoch kleine Makel eingeschlichen, die in einer europäischen Version wahrscheinlich nicht aufgetaucht wären. So zelebriert man teilweise die Zerstörung berühmter Denkmäler in reißerischem Umfang, mit pompöser Musik untermalt und aus vielen Blickwinkeln betrachtet. Mit „Wenn Gebäude einstürzen“ parodierten die Autoren von „Die Simpsons“ ein solches reißeriches, voyeuristisches Treiben der Amis, und wer Rowleys Dokumentarfilm gesichtet hat merkt, dass bei der gelben Familie nicht übertrieben wurde.

Vielleicht braucht einen das in einem Dokumentarfilm des Regisseurs Christopher Rowley auch nicht verwundern, versuchte dieser sich doch vor „Population Zero" als Regisseur eines Actionfilm. Das war im Jahre 1982 und der Streifen hieß „Hot Shot“. Nun kehrt er mit einem Dokumentarfilm zurück, und im Hinblick auf seine cineastische Vergangenheit darf man mit dem Ergebnis wohl zufrieden sein.

Etwas ärgerlich fand ich persönlich die Dämonisierung des Menschen. Unterwürfig berichtet der Film immer wieder von einer Heilung, so als sei der Mensch irgendwann einmal vom Mars gekommen und nicht selbst Teil der Natur unserer Erde. Alles was der Mensch tat wird als böse dargestellt, und seine Errungenschaften werden heruntergespielt. Teilweise fällt dies in beiläufigen Formulierungen auf, beispielsweise wenn darauf verwiesen wird wie lange der Mensch in London versucht hatte die Themse zu kontrollieren, jetzt wo sie sich ungezwungen wieder ihren eigenen Weg sucht. Dabei hätte es heißen müssen, dass die Themse lange Zeit kontrolliert wurde. Die Formulierung „versucht“ klingt so, als habe das Vorhaben nie funktioniert.

Während jedes von Spinnen gebaute Netz, jeder Fuchsbau, jegliches Wuchern von Moos als Natur betrachtet wird, gilt der Mensch mit seinen Veränderungen als Fremdkörper in den Augen der Verantwortlichen von „Population Zero“ und unterstützt damit sicherlich den Glauben vieler fanatischer Idealisten. Für einen Dokumentarfilm, der eher sachlich und neutral berichten sollte, ist dieser Blickwinkel jedoch unpassend und nervt dementsprechend immer wieder inmitten eines spannenden Szenarios, das ansonsten gut recherchiert wurde.

Aber so wie die Natur sich die Narben der bitterbösen Menschen heilt, so weiß die Thematik des Dokumentarfilmes doch solche Schwächen wieder auszubügeln. Und da man vor dem Einschalten weiß aus welchem Land „Population Zero“ stammt ist man ohnehin über das positive Ergebnis überrascht. Dass ich mit dieser Sichtweise Doku-Beiträge der USA immer ein wenig wie einen Sozialfall behandle, kann ich nicht abstreiten. Aber ich werden von den USA mit dieser Ansicht auch immer wieder bestätigt, je mehr Werke ich von ihnen sichte die auf Realismus aus sind.


Kommentare:

  1. Diese Dämonisierung des Menschen ist mir auch aufgefallen, ohnehin eine sehr reißerische Aufmachung und der monotone Kommentator, ich kenne jetzt nur die deutsche Version, und die Monotonie des Textes ("... nach unserem Verschwinden"), die sich darin ersichtlich macht, dass bestimmte Zeilen immer und immer zu wiederholt werden, sind einfach nur furchtbar. Ganz im Stil: Hoffentlich hats nun auch der dümmste und ignoranteste Antiumweltfön kapiert. Schlecht isse ja nicht, die Idee, aber die Umsetzung fand ich schauderhaft.

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    1. Ich hab mich nie groß mit dem Thema befasst, von daher war es schon ein informativer Film. Aber man muss sich schon mit dem amerikanischen Doku-Stil arrangieren, damit man was vom Film hat. Und ich verstehe sehr gut wie schwer das fällt, bzw. dass manch einer das auch gar nicht erst möchte.

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