Donnerstag, 19. Juli 2012

SECHS PISTOLEN JAGEN PROFESSOR Z (1966 Julio Coll)


Professor Zandor, der Erfinder einer neuartigen Metalllegierung, wurde entführt. Interessengruppen aller Art sind hinter der neuen Formel her und tun alles, um an sie heranzukommen...


Große Jungs...

„Sechs Pistolen jagen Professor Z“ war seinerzeit ein Modefilm, sprich er hing sich an vieles dran was gerade angesagt war. Inspiriert durch den Erfolg der James Bond-Filme bastelte man eine Agentenstory, orientierte sich im Stil jedoch eher an der durch die Wallace-Filme ausgelösten harten Welle, während man im Titel suggerieren wollte zudem mit der Erotikwelle mitzuschwimmen. Doch inhaltlich bleibt es wie im Titel: jegliche Anzüglichkeiten bleiben Andeutungen, aus heutiger Sicht verklemmt und albern.

Ein Modefilm hat in der Regel ein geringes Haltbarkeitsdatum, und das ist im hier besprochenen Streifen nicht anders. Letztendlich ist er als möglicher Evergreen von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Die Hauptrolle spielt der damals so beliebte wie untalentierte Peter van Eyck, ein Mann der kein wackeliges Produkt wie dieses tragen kann. Die Geschichte steht ihm ebenfalls nicht hilfreich zur Seite, besteht sie doch aus einem hauchdünnen roten Faden und erzählt tatsächlich nicht mehr, als dass verschiedene Leute einander bespitzeln und verprügeln, in der Hoffnung an die Formel des Professors zu gelangen.

„Sechs Pistolen jagen Professor Z“ ist hoffnungslos dilethantisch inszeniert, zeigt uns reihenweise Kämpfe in übelster Choreographie und degradiert Agenten zu großen Kindern, die sich sichtbar lustvoll prügeln, wie Halbwüchsige auf dem Schulhof unter Kumpels. Sie zeigen nicht den Hauch von Reife, der dazugehören würde sie wie glaubhafte Agenten wirken zu lassen. Wie sind sie nur zu dem Job, und noch eher zu dem großen Ruf ihres Könnens gekommen, so bescheuert wie sie sich anstellen bei all den Fehlern die sie machen? Man sollte mein so ein infantiles Treiben würde auf seine Art Freude bereiten. Tut es aber leider nicht.

Das Drehbuch arbeitet mit unnötigen Widersprüchen und Unglaubwürdigkeiten, was nicht so tragisch wäre und noch als geistlose Trivialunterhaltung funktionieren könnte, wenn die Geschichte nicht so extrem dünn ausgefallen wäre, dünner als sie es in Werken dieser Art üblicher Weise ist. Die Story ist eine Endloswiederholungsschleife an gegenseitigem Spionieren und durch Kampf gelöste Konfrontationen.

Nebenbei tappst noch ein Kriminalkommissar durch die Handlung, der gar nicht so genau weiß was er eigentlich will, und eine Gruppe Verbrecher, angeführt von Klausjürgen Wussow, den die meisten wohl aus der „Schwarzwaldklinik“ kennen. Zu jeder Spionagestory gehören auch Frauen, doch die sind nebensächlich, sind sie doch neben Waffen und der Freude an blanken Fäusten nur das drittliebste Spielzeug der Agenten.

Natürlich rechnet man bei einem Film aus solch nostalgischer Zeit mit keiner hohen Kunst. Die Wahrscheinlichkeit eine kleine verborgene Perle entdeckt zu haben war sehr gering. Aber dass der Schuss bei dieser Rezeptur gleich derart nach hinten los geht war schon enttäuschend. Dann kram ich mir lieber noch einmal einen der schusseligen späten Mabuse-Filme aus, oder greife mit Pennälerfilmen aus dieser Zeit in die Vollen und gebe mich dem ultraharten Nonsens seiner Zeit hin. Aber auf Werke in der Art von „Sechs Pistolen jagen Professor Z“, die aufgrund ihrer Monotonie nicht einmal die reichhaltig vorhandene unfreiwillige Komik zur Blüte bringen können, kann ich gut und gerne verzichten.


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