Donnerstag, 19. Juli 2012

HEXENJAGD IN L.A. (Cast A Deadly Spell 1991 Martin Campbell)


Der Privatdetektiv Lovecraft soll für seinen Auftraggeber binnen zwei Tagen das Necronomicon auftreiben. Im Laufe seiner Ermittlungen findet Lovecraft auch heraus warum...


Bücherjagd in L.A. ...

„Hexenjagd in L.A.“ erzählt von einem alternativen Amerika des Jahres 1948, in welchem Magie zum Alltag gehört. Manch einer nutzt Zauber im geringen Maße zur Spielerei, für andere wird die Magie zum Verbündeten. Lediglich Privatdetektiv H.P. Lovecraft, benannt nach dem legendären Horror-Schriftsteller auf dessen Vorlagen sich so wundervolle Filme wie „Re-Animator“ und „Dagon“ stützen, hält nichts von all dem Hokuspokus und verweigert sich der Moderne. Nicht einmal ein Glücksbringer kleidet seinen Körper, Lovecraft ist ein Mann der Prinzipien und somit für die meisten ein Mann des Gestern.

In diesem Punkt ist die Gesellschaftskritik einer Gesellschaft des schnellen Dollars und einer fragwürdigen Moral nicht zu übersehen. Doch so aufgedrückt sie auch wirkt, sie ist nur Nebenbestandteil eines Filmes, der eigentlich nur unterhalten will. Der etwas merkwürdige Mix aus Horror, Fantasy, Komödie und Kriminalfilm ist alles andere als flott inszeniert, schlendert gemütlich vor sich hin und zieht seine Kraft einzig aus der Geschichte und ihrem Spiel mit Bekanntem und Klischees. Die Komik wird nie dominant, nicht einmal bei so herrlich albernen Ideen wie dem Running Gag um Lovecrafts Visitenkarte.

Doch dem Fantasy- und Horrorbereich geht es ebenso. Hexen, Vampire und Werwölfe sind Nebensache und sollen nur die Vielfältigkeit der magischen Welt verdeutlichen. Schleimige Monster haben schon wesentlich mehr mit der Geschichte zu tun, sind auch charmant anzuschauen (damals freilich noch echte Handarbeit), sind jedoch auch nie Zentrum des Films. Im Finale wird eine der Kreaturen für kurze Zeit wichtiger, das war's auch schon.

Hauptsächlich geht es hier um die Parodie klassischer Detektivgeschichten, jener Filme, die sich gerade in den 40er Jahren großer Beliebtheit erfreuten, jenem Jahr in welchem „Cast A Deadly Spell“ (Originaltitel) spielt. Dementsprechend steht der von Fred Ward verkörperte Lovecraft stark im Zentrum, und der weiß den Klischeedetektiv mit seiner wundersamen Außenseiterposition auch gekonnt zu spielen. Den Spaß am Kreieren seiner Figur sieht man ihm regelrecht an. Da es sich bei „Hexenjagd in L.A.“ um eine TV-Produktion handelt, ist dies nicht selbstverständlich. Mag sein dass Ward selbst in die Produktion eingebunden war, enthält doch einer der Firmennamen im Vorspann seinen Nachnamen. Vielleicht ist es aber auch bloß Zufall.

Für den Cineasten von heute ist der Name des Regisseurs wesentlich interessanter, verdanken wir Martin Campbell, der seit der 70er Jahre als Regisseur tätig ist, doch solch bekannte Werke wie „Casino Royal“ (den Bond-Film, nicht die gleichnamige Parodie), „GoldenEye“, „Die Maske des Zorro“ und jüngst „Green Lantern“. Er schafft mit dem hier besprochenen Film keinen Quantensprung der cineastischen Kunst, dafür ist der etwas lahme Film zu überraschungsarm erzählt, aber „Hexenjagd in L.A.“ weiß über seine Laufzeit gesehen immerhin akzeptabel zu unterhalten.

Oft sind es die Randbemerkungen, die „Lovecraft“ (Alternativtitel) das nötige Etwas verleihen, so z.B. die amüsante Information, dass Zombies zwar aufgrund des Vermoderns nach drei Monaten zu stinken anfangen, man sich aber sehr günstig in Indien schnell einen Sechserpack neue Zombies liefern lassen kann. In solchen Momenten bekommt die Horror-Komödie einen Einfallsreichtum, der ihr manches mal an anderer Stelle gut getan hätte, so beispielsweise beim zu vorhersehbaren Finale, das sich nur dadurch zu retten weiß, dass aufgrund der Charakterzeichnung der Figuren Charme vorhanden ist.

Es ist schön, dass „Hexenjagd in L.A.“ kein hektischer, all zu flotter Film geworden ist, einer der sich für Story und Charaktere Zeit nimmt, andererseits ist er mir eine Spur zu gemütlich umgesetzt, zumal Charaktere, einfach weil sie mit Klischees spielen sollen, nicht wirklich vertieft werden. Ein gewisses Niveau kann Campbells Film aber durchaus halten, so dass Freunden von Ausnahmekost der 80er Jahre (typisch TV-Film: obwohl Anfang der 90er gedreht, badet der Streifen noch komplett im 80er Flair) trotz der Kritikpunkte zu diesem Werk greifen können.

In Deutschland ist „Hexenjagd in L.A.“ bisher nur auf VHS erschienen. Im Free-TV lief er zuletzt vor etlichen Jahren, irgendwann in den 90er Jahren auf Kabel 1. Im Jahre 1994 erschien die Fortsetzung „Magic Murder“, in welcher Vieldreher Dennis Hopper die Rolle des Detektivs Lovecraft übernahm. Ob Teil 2 so amüsant wie das Original ist, weiß ich jedoch nicht.


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