Mittwoch, 25. Juli 2012

WALL-E (2008 Andrew Stanton)



Die Erde wurde vor langer Zeit von den Menschen verlassen, da sie diese zugemüllt hatten. Der kleine Roboter Wall-E räumt seit vielen Jahren den Müll auf, einzig begleitet von seinem kleinen Freund, der Kakerlake. Sehnsüchtig auf eine echte Partnerschaft wartend taucht eines Tages der Roboter Eve auf, in den sich Wall-E auch direkt verliebt. Eve ist jedoch viel zu sehr mit einem geheimen Auftrag beschäftigt, um sich auf eine Liebelei mit dem kleinen Blechkasten einzulassen...


Hoffnungslos hoffnungsvoll...

Es sind immer wieder die Pixar-Studios, die in einer von Tierfiguren und „Shrek“lichen Humor dominierten Animationsfilm-Nische innerhalb der Blockbuster-Welt die Ausnahme präsentieren und dem einzig im Mainstream orientierten Filmfreund immerhin einen Spalt Sichtweise darüber öffnen, was mit dem Medium Film mehr möglich ist als ihnen die großen Kinos vorführen. Mit „Findet Nemo“ wagte man sich in Zeiten von Jugendhumor zum klassischen Disney-Trickfilm-Erzählstil zurück, mit „Toy Story“ gebar man gar das eigentliche Sub-Genre des computeranimierten Zeichentrickfilms, mit „Oben“ wagte man sich an ein etwas erwachseneres Thema.

So ist auch „Wall-E“ innerhalb dieser Blockbuster-Welt ein gewagtes Produkt, konzentriert er sich in den ersten Minuten doch nur auf eine einzige Figur (der Einfluss der Kakerlake ist zu minimal, um sie tatsächlich dazu zu zählen) und nach einiger Zeit für etwa eine halbe Stunde an einer zweiten ähnlicher Art. Für ein Publikum, das meist die direkte Identifikation mit dem was es kennt benötigt, ist es schon mutig zwei Roboter fiepend in einer kaputten Welt miteinander kommunizieren zu lassen und, von einem Lied aus dem TV einmal abgesehen, einzig das Wort „Eve“ und „Wall-E“ aussprechen zu lassen.

Gewagter war selbiges Unterfangen jedoch in den 70er Jahren, war es doch gerade die Vorstellung, dass zwei kommunizierende Roboter ohne menschliche Begleitung keinen Menschen ins Kino locken würden, die dafür sorgte, dass George Lucas längere Zeit brauchte um wen für das Projekt „Krieg der Sterne“ gewinnen zu können. Die Anfänge des Blockbuster-Kinos waren noch mutig zu nennen, das hat sich irgendwann geändert, so dass Werke wie „Wall-E“ heute der Ausnahme angehören, eine Ausnahme, die jedoch immer wieder Schwachstellen im eigentlich Gewollten aufkommen lässt. Ob nun der hier besprochene Film, oder jüngst auch „Planet der Affen - Prevolution“, selbst die besseren Filme ihres Metiers sind nie konsequent genug.

Bis dies bei „Wall-E“ auffällt dauert seine Zeit. Zunächst ist der Streifen toll erzählt, gewohnt gekonnt animiert und, wie man es von Pixar kennt, auch detailverliebt und mit Pointen im Hintergrund versehen. Das Team hat seine Hausaufgaben gemacht, was sich u.a. auch an der zitierfreudigen Art zeigt, die in heutigen Zeiten nicht mehr fehlen darf. Höhepunkt diesbezüglich dürfte wohl eine Parodie auf „2001 - Odyssee im Weltraum“ sein.

Es ist sicherlich der Disney-Einfluss, dass eine Geschichte über einen Roboter in einer düsteren Zukunft gefühlsorientiert erzählt wird. Aber es muss nicht immer alles düster sein um zu gefallen, zumal „Wall-E“ im Gegensatz zum inhaltlich vergleichbaren „9“ ein Familienfilm sein soll. „Wall-E“, dessen Design man dreist von "Nummer 5 lebt" geklaut hat, wächst dem Zuschauer schnell ans Herz. Wer könnte sich nicht damit identifizieren, sich in vollkommener Einsamkeit nach Liebe zu sehnen? Durch seine naive Art, nimmt man es dem Blechkasten auch gar nicht krumm, dass er sich gleich in die nächstbeste Gelegenheit verliebt, ohne dass diese charakterlich auch nur einen Hauch reizvoll wäre.

Aber sonst wäre Disney auch nicht Disney, wenn sich dies im Laufe der Geschichte nicht wandeln würde. Und auch dies ist gut so. Mein Kritikpunkt liegt auf einer ganz anderen Ebene. Ich verstehe nicht, warum es in einer Geschichte über zwei Roboter um das Schicksal der Menschheit gehen muss. Hätte man in einer leicht düsteren, die Menschheit ignorierenden, Perspektive nicht ein ebenso herzerwärmendes Ergebnis erzielen können wie das erreichte? Was soll es eine Maschine interessieren, was aus den Menschen wird, die selbstverschuldet die Erde zerstörten und sich dann, mit Blick auf eine Gesellschaftskritik des Heute, der Belanglosigkeiten und der Völlerei hingegeben haben, bis sie schließlich zu unbeweglichen, gedankenlosen Fettsäcken verkamen?

Die Kritik hätte viel mehr Potential besessen, wenn man den Zustand der Menschen im All als Endergebnis präsentiert hätte, um sich ansonsten auf seine zwei Helden zu konzentrieren. Stattdessen helfen die Maschinen den lebensunwürdigen, degenerierten Kreaturen, die immerhin aus ihrer Lethargie erwachen und die Erde wieder umkrempeln wollen. Das ist gut gemeint, spiegelt aber nur den in US-Filmen immer wieder aufkommenden Gedanken wieder, dass sich alles wieder rückgängig machen lässt, egal wie katastrophal der Zustand ist. Und dem ist einfach nicht so.

Das Medium Kino ist nicht der einzige Einfluss eines jungen Menschen, aber dennoch manipuliert diese immer wiederkehrende Botschaft das Denken leicht beeinflussbarer Zuschauer, so dass damit eine kritiklose Gesellschaft gefördert wird. Auch innerhalb einer Zeichentrick-Science Fiction-Geschichte darf man sich ruhig der Realität hingeben. Und in dieser ist es unwahrscheinlich, dass ein Haufen Dicker all die Probleme auf Erden wieder hinbekommen wird bei mangelnder Bequemlichkeit, weder hitze- noch wasserresistenter Körper und ohne jegliches Fachwissen.

So lustig das Ganze gemeint ist, und in gewissem Maße ja auch zu funktionieren weiß, es hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack in einem Film, der mehr sein will als die Masse, und erst recht in einem Film, der Kritik an dem ausüben will was er durch seine naive Sichtweise selber heranzüchtet. Was dies betrifft hätte es Pixar seiner Zeit sicherlich gut getan sich von der Zusammenarbeit mit den Disney Studios zu trennen, anstatt sich von ihnen aufkaufen zu lassen. Denn die Negativpunkte von „Wall-E“ tragen typische Disney-Handschrift, verglichen mit den von ihnen produzierten Jugendfilmen.

Der Schwachpunkt zeigt sich somit zwischen den Zeilen, steht dem Unterhaltungswert des Streifens somit also nicht wirklich im Wege, zumal „Wall-E“ tatsächlich gut zu unterhalten weiß. Außerhalb des Mainstreams mag man einen Blick auf das Konkurrenzprodukt „9“ werfen können, welches die Schwachpunkte des hier besprochenen Trickfilmes nicht aufzeigt. Leider krankt dieser jedoch an ganz anderen Fehlern, so dass „Wall-E“ der um Längen bessere Film von beiden ist. Also, Andrew Stanton, der übrigens auch für „Findet Nemo“ verantwortlich war, hat einen tollen Film geschrieben und gedreht, der an den typischen Blockbuster-Krankheiten leidet, aber zumindest in die richtige Richtung tendiert.


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