Samstag, 18. August 2012

DIE FRAUEN VON STEPFORD (The Stepford Wives 2004 Frank Oz)


Joanna und ihr Mann Walter ziehen in das malerische Städtchen Stepford. Der auf dem ersten Blick so sympathische Ort wirkt beim näheren Hinsehen jedoch weniger gemütlich: die Herren verbringen die meiste Zeit in einem Männerclub, und die Frauen von Stepford benehmen sich alle wie glückliche Hausfrauen aus der Fernsehwerbung...


Ein Kult zerbricht...

Eine Neuverfilmung von „Die Frauen von Stepford“ war eigentlich gar nicht nötig. Das Original ist immerhin ein gut gespielter, intelligenter Science Fiction-Klassiker, der nur durch seine langsame Erzählung in jungen Köpfen verstaubt wirken könnte. Gedreht wurde das Remake dennoch, und was dabei herauskam war eine kunterbunte Komödie anstatt einer anspruchsvollen Satire.

Etwas Tiefsinnigkeit, die mit dem Thema zwangsweise einhergeht, blitzt (ob gewollt oder nicht) hin und wieder auf. Aber echte Gesellschaftskritik war nicht das Ziel der hinter der Kamera beteiligten Personen, und das obwohl die Zeit dafür günstig stand, heutzutage wo Emanzipation wieder einige Schritte zurück erfährt. Die oberflächliche Unterhaltung schien den Produzenten wichtiger zu sein.

Schraubt man den Anspruch nun gewaltig zurück, um sich lediglich 90 Minuten lang unterhalten zu lassen, kann „Die Frauen von Stepford“ in der Zweitversion halbwegs überzeugen, aber nicht ganz. Denn das Weglassen des anspruchsvollen Gehaltes der Geschichte war nicht der einzige Fehler. Gerade wenn man andere Werke von Frank Oz kennt, wundert man sich, dass aus dem Remake nicht mehr als magerer Durchschnitt geworden ist. Erst recht im Komödienbereich schuf er tolle Werke wie „Der kleine Horrorladen“, „Bowfingers große Nummer“, „In und out“, „Zwei hinreißend verdorbene Schurken“ und das grandiose Meisterwerk „Was ist mit Bob?“.

Wenn man nun noch bedenkt, dass er Nicole Kidman an Bord hatte, eine Frau auf die ich nach ihrer Glanzleistung in „The Others“ ein Cineastenauge halte, versteht man um so weniger, warum das Ergebnis so eine routinierte Komödie wurde.

Matthew Broderick an Bord verweist da schon eher in die Richtung des Misslingens. Er spielt müde wie so oft und wirkt dabei blass, wie fast immer. Ohnehin ist er viel zu soft um zu einem typischen Stepford-Fiesling zu werden. Aber im Remake haben die Männer ohnehin einen etwas anderen Beweggrund als im Original, somit passt Brodericks lahme Art zur Begründung, verhindert aber dennoch nicht seine blasse Wirkung.

Erstaunlich ist auch, dass das Nebenpärchen wesentlich interessanter wirkt als das Hauptpärchen. Lovitz spielt wie gewohnt das Arschloch und verkörpert es auch hier erneut gelungen, und seine Frau, dargestellt von Bette Midler, ist die interessanteste weibliche Rolle. Midler spielt hervorragend und dabei Kidman locker an die Wand. Eigentlich hätte man sie gerne in der Hauptrolle gesehen, die Nebenrolle hatte aber wahrscheinlich mehr Reiz, immerhin darf sie im letzten Drittel zu einer Stepford-Frau mutieren.

Die allerbeste schauspielerische Leistung darf allerdings Christopher Walken verkörpern. Es ist dabei weniger seine Rolle als viel mehr die typische Walken-Wirkung, die mal wieder sehr immens ist. Dieser Mann hat einfach eine besondere Ausstrahlung, und jeder der mit ihm im Bild ist hat es automatisch schwer, egal in welchem Film wir uns befinden.

Der Einstieg in die Geschichte gehört zu den Höhepunkten des Films, und auch dieser wäre eine tolle Grundlage gewesen um echte Gesellschaftskritik auszuüben: Firmen lieben dich so lange du Geld bringst, und egal ob du lange erfolgreich warst oder nicht: Firmen schmeißen dich schneller auf die Straße als du piep sagen kannst. Seit Firmen in dem Irrglauben leben man müsste statt Gewinne maximale Gewinne erzielen, steht es schlecht um feste Arbeitsplätze und das Wohlfühlen auf solchen. Und die Rolle der Kidman darf ersteres auf herrlich brutale Art in Rekordtempo erfahren.

Leider schlafft der Film nach Ankunft in Stepford bereits etwas ab, so dass man schnell merkt, dass hier nicht mehr zu holen ist als belanglose Unterhaltung. Darauf lässt man sich schließlich kompromissbereit ein, so dass es auf routinierter Ebene durchaus fröhlich zur Sache geht. Aber je mehr sich „Die Frauen von Stepford“ dem Ende neigt, desto ärgerlicher wird das Gesehene.

Zunächst einmal weiß man nicht ob Oz der Überblick fehlte, oder ob das mögliche Einmischen der Produzenten für ein Wirrwarr sorgte, wenn es um die Manipulation an den Stepford-Frauen geht. Manchmal wirken sie wie Roboter, dann sind sie lediglich im Gehirn umprogrammiert. Wenn man sich im Finale deutlich für eine Variante entscheidet, steht diese im Widerspruch zu mindestens einer zuvor gezeigten Szene. So etwas ist ärgerlich.

Die erste finale Wendung ist nicht wirklich glaubhaft, da es unwahrscheinlich ist, dass ein Mann wie die Rolle Walkens seine Arbeit nicht persönlich überprüft. Die zweite Wendung, in der wir erfahren wer wirklich hinter den Geschehnissen von Stepford steckt, ist dann allerdings ein gravierendes Ärgernis. Die Erklärung ist bescheuert und bedarf zu viel Laufzeit. Ein Storyumschwung, der von „Terror in New York“ abgeguckt wurde (der Fortsetzung des Originals) wirkt allein schon dadurch unsinnig, dass die Opfer in Ruhe Erklärungen lauschen, anstatt Rache zu üben.

Das Verhalten der einzelnen Leute passt hinten und vorne nicht: Joanna verzeiht ihrem Mann, der nun wirklich deutlich in Versuchung war auf fieseste Art seine Frau zu entmündigen. Wie kann man mit so jemandem noch zusammenleben wollen? Sein Denken war neben dem kriminellen Element extremstes Kindergartenniveau. Wie soll man so jemanden jemals wieder vertrauen und ernst nehmen können?

Natürlich gäbe es an den Stepford-Filmen allgemein noch die übliche Naivität zu kritisieren, dass eine Stadt fast schlumpfendorfgleich so unauffällig seinem Treiben nachgehen kann. Im Remake noch mehr als im Original-Vierteiler, denn in der Neuverfilmung erfahren wir gegen Ende schließlich was für bedeutende, weibliche Persönlichkeiten Stepfords Frauen einst waren. Wurden diese denn von niemandem vermisst? Hätte da nicht wer früher den Braten riechen müssen?

Aber wenn man mit diesem Punkt ein Problem hat, wird man ohnehin mit keinem der mittlerweile 5 Stepford-Filmen warm werden. Das ist ein Punkt bei dem man ein Auge zudrücken sollte. Allerdings kommen beim Remake die vielen anderen ärgerlichen Punkte hinzu, so dass es bei diesem schwerer fällt über alles hinwegzusehen. Außerdem: Wieso sollte man dies überhaupt tun? Der Zuschauer muss sich schließlich keinem Film anbiedern. Er hat Geld dafür bezahlt um den Streifen zu sehen und damit ein Recht darauf zu schimpfen, dass er von den Verantwortlichen dieses Streifens für dumm gehalten wird.

Betrachtet man die Möglichkeiten die gegeben waren, durch die tolle Geschichte, die Vielzahl an Ansätzen zur gesellschaftskritischen Herangehensweise, dem talentierten Regisseur und dem gut gewählten Cast, wirkt das Ergebnis trotz seiner Kurzweile doch arg fade. Es gibt zwar kleine Lacher, keine Langeweile und einige interessante Neuerungen durch die 3 Jahrzehnte zwischen Original und Remake, aber mit dem Wissen der gegebenen Möglichkeiten im Hinterkopf kann ich dennoch über die Oberflächlichkeit und die Unlogik nur enttäuscht mit dem Kopf schütteln. Allerspätestens das hanebüchene Finale lässt einen verärgert zurück.



Trailer,   OFDb

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