Sonntag, 12. August 2012

MARIA D'ORO UND BELLO BLUE (1973 Rolf Kauka u.a.)


Nachdem ihr Vater wieder heiratet leidet die junge Frau Maria unter der Tyrannei ihrer Stiefmutter und Stiefschwester. Maria begegnet eines Tages einem fremden Mann, der ihr nach einer Romanze am See einen Karfunkelstein schenkt. Die Stiefschwester nimmt ihr diesen weg und wirft ihn in einen Brunnen. Als sich der junge Mann plötzlich als Prinz entpuppt, der offiziell ankündigt die Besitzerin dieses wertvollen Steines heiraten zu wollen, steigen die beiden Schwestern in den Brunnen hinab um das Schmuckstück zurück zu holen. In den Tiefen des Wassers lernen sie den Froschkönig kennen, der den Stein sein Eigen nennt. Da er nicht herausfinden kann welche der beiden Frauen die rechtmäßige Besitzerin ist, schickt er sie in die wundersame Welt der weisen Frau Holle, die beide Schwestern auf ihre Ehrlichkeit prüft...


Mein Sohn Komma...

Mit diesem Trickfilm wollte Rolf Kauka Disney Konkurrenz machen. Bereits seine Comicheft-Reihe "Fix und Foxi" war ein dreister Klau diverser Figuren aus der Zeitschrift "Mickey Mouse" und somit ein direkter Konkurrent. Obwohl man Rolf Kaukas Versuch im Filmbereich den Disney Studios ebenfalls an den Karren zu fahren diesmal nicht des Plagiats bezichtigen kann, war dieses Projekt nicht so erfolgreich wie jenes aus dem Comicheft-Bereich.

In den 80 Jahren hätte er mit „Maria D‘Oro und Bello Blue“ vielleicht Erfolg verbuchen können. Mit Filmen wie "Taran und der Zauberkessel","Oliver und Co" und "Basil der große Mäusedetektiv" war Disney zeichnerisch wie auch finanziell, zumindest im Vergleich zu vorher und später, auf einem Tief angekommen. In den 70 Jahren, als das Projekt verwirklicht wurde, war dies noch nicht der Fall. „Bernard und Bianca" und „Aristocats" waren große Erfolge. Warum Rolf Kaukas Film floppte, kann man dem fertigen Werk selbst sehr schnell ansehen.

Die Charaktere sind lustig umgesetzt, vielleicht etwas zu flach animiert, aber nicht auf die gravierende Art. Das deutsche 70er-Jahre-Flair fällt ebenfalls positiv auf. Wo würde man z.B.  heutzutage noch einen ständig Alkohol trinkenden Suffkopf in einen Kinderfilm einbauen? Der Film entstand diesbezüglich zu einer etwas lockereren und freieren Zeit als die unsere. Aber allein der eben erwähnte Begriff Kinderfilm wäre ein erster Hinweis auf den Flop. Der Film funktioniert nicht als Familienfilm.

Disneyfilme waren stets nie reine Werke für Kinder, das war selbst bei Streifen wie "Schneewittchen und die sieben Zwerge" und "Pinocchio" der Fall, die beide sehr direkt aus der Kinderliteratur entnommen wurden. Kaukas Film fehlt die Fähigkeit dem erwachsenen Zuschauer mehr als ein augenzwinkerndes Lächeln abzuringen. Mit der Geschichte selbst kann der Erwachsene ohnehin wenig anfangen. Die ist sehr ruppig aus diversen Märchen zusammengeflickt, ständig wechselt das Szenario in eine andere Richtung, eine echte Geschichte gibt es da nur sehr grob.

Zunächst erleben wir Elemente aus „Aschenputtel“, mit „Der Froschkönig“ wird das nächste Märchen recht brachial dazu platziert, und wie das ganze in Richtung „Frau Holle“ gelenkt wird, ist schon recht wirr ausgefallen, wenn auch sehr phantasiereich. Und Vorstellungskraft besitzen Kinder in diesem Bereich ohnehin mehr als Erwachsene. Selbst kindgebliebene Große, die auch im Alter noch immer mit viel Phantasie gesegnet sind, werden, sofern sie nicht selbst sympathisierend mit „Maria D‘Oro und Bello Blue“ aufgewachsen sind, manche Erklärung zum Inhalt vermissen. Punktum ist der fertige Streifen ein reiner Kinderfilm!

Was als Hauptstory versäumt wurde, wird anhand lauter kleiner Gimmicks wieder wett gemacht. Die hauseigene Braumaschine von Marias Vater, die Flüsterpost am großen Essenstisch des Königshauses, der trottelige Schuhmacher festsitzend auf den Dächern der Stadt, das Breiessen im Hause Holle, all dies sind Nebensächlichkeiten, die dem Film seine besondere Note verleihen. Vieles ist in diesen Punkten sogar eher für Erwachsene witzig als für Kinder, aber dies betrifft erstens nicht die Masse an Ideen und zweitens ändert dies nichts an der wirr ausgefallenen Grundgeschichte, die den älteren Zuschauer eher ausschließt anstatt zu unterhalten.

Positiv hervorzuheben ist außerdem, dass Rolf Kauka sich für den Musikbereich einen Profi aus deutschen Landen an Bord geholt hat. Es komponierte Peter Thomas, der bereits für diverse Wallace-Filme und „Raumpatrouille Orion“ die Ohrwürmer kreierte. Die Musik, egal wie kitschig sie an manchen Stellen auch sein mag, ist gelungen und gibt dem Film Momente von Wärme und Geborgenheit. Der kleine blaue Begleiter Marias, Bello Blue, wird einigen sicherlich bekannt sein aus den Kinder-Heftchen "Bussy Bär". Kauka verwendete ihn gleich doppelt, was uns auch recht sein kann, ist er doch süß animiert.

Pädagogisch wertvoll ist an diesem Werk sicherlich nichts. Bedenklich ist „Maria D‘Oro und Bello Blue“ allerdings auch nicht, trotz einiger wirklich düsterer Momente, beispielsweise jener, in welchem der kleine Bello Blue im Wald ausgesetzt wird, stirbt und als blaue Blume wiedergeboren wird. Die kompletten Nachtszenen im düsteren Wald sind auf schlichte Art für Kinderaugen relativ beängstigend eingesetzt. Solche Momente sind jedoch nur von kurzer Dauer, und in einem Film wie diesem endet freilich alles zuckersüß, so dass auch Bello Blue nicht bis zum Schluss eine Blume bleiben muss.

Also: Rolf Kaukas Gehversuch im Kino ist ein (w)irrer Mix aus diversen Grimm-Märchen, „Alice im Wunderland“ und was weiß ich noch alles. Er ist nicht ohne Sympathie umgesetzt, aber auch nicht wirklich überzeugend. Als Kind habe ich den Film über alles geliebt und ihn auch bis zum Erbrechen geguckt. Mit erwachsenen Augen mag ich ihn zwar immer noch, aber ich bin objektiv genug seine Schwächen deswegen trotzdem erkennen zu können. So sehr ich diesen Streifen auch mag, so kann ich auf der anderen Seite doch jeden verstehen, der mit diesem ruppigen Musical nun gar nichts anzufangen weiß.


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