Mittwoch, 8. August 2012

PAUL - EIN ALIEN AUF DER FLUCHT (Paul 2011 Greg Mottola)


Die Engländer Graeme und Clive klappern in ihrem Amerika-Urlaub alle Alien-Sehenswürdigkeiten des Landes ab, als sie eines Abends tatsächlich eine Begegnung der dritten Art haben. Ein Außerirdischer namens Paul bittet um ihre Hilfe. Von der US-Regierung verfolgt, sollen die beiden ihn zu dem Ort bringen, an dem seine Leute Paul abholen wollen. Die beiden Freaks lassen sich auf das Abenteuer ein...


Das nächste Genre...

Mit ihrer Parodie „Shaun Of The Dead“ starteten sie durch und eroberten sogleich die Herzen aller Horror-Fans, und mit „Hot Fuzz“ bewiesen sie, dass ihr Talent keine Eintagsfliege war und widmeten sich diesmal dem Action-Genre. Die Rede ist von den Autoren und Hauptdarstellern Simon Peck und Nick Frost, die als Team großartig zusammen harmonieren und denen man ihren Erfolg auch gönnt, so clever und vielschichtig ihre Werke ausfielen. Mit „Paul“ wendeten sie sich nun dem Science Fiction-Bereich zu, und da wurde man als Fan der beiden doch recht neugierig. Doch wer „Paul“ zu sehr mit den beiden Vorgängern vergleicht, dürfte enttäuscht werden. Die Geschichte um das hilfsbedürftige Alien ist schon recht witzig ausgefallen, besitzt aber keine stille Verwandtschaft mehr zu den Vorgängern, so wie es „Shaun Of The Dead“ und „Hot Fuzz“ schafften.

Scheinbar war eine solche Verbindung auch nicht gewollt. Das zeigt sich u.a. daran, dass nun auch die USA als Spielort und Finanzgeber mit dazugestoßen sind, womit der britische Humor etwas unter geht und das Niveau etwas niedriger gehalten wird, damit auch die Amis etwas zu lachen haben. So fällt die Geschichte etwas 08-15 aus, und auch die Propaganda, dass der Ami (lustigerweise diesmal durch ein Alien verkörpert) dem Ausländer die US-Lebensart beibringen muss, schaut leider um die Ecke. Im Vorspann wird das Duo weiterhin als Autoren der ganzen Chose genannt, aber wer die Vorgängerfilme kennt, wird schon ahnen unter wie viel Einmischung und Korrekturen das Ergebnis erzielt wurde.

Man darf also zurecht meckern, man kann „Paul“ jedoch auch eine echte Chance geben. Denn er ist trotz aller Kritik mehr geworden als nur das durchschnittliche Filmchen von nebenan. Die oben erwähnten Negativpunkte fallen nicht so enorm aus wie meist im US-Kino, und selbst das Rezept eines coolen Aliens erinnert nun nicht an einen längst veralteten „Alf“ oder einem emotionslosem Sprücheklopfer a la „Der Onkel vom Mars“ (Raumanzug) und „Der Flug des Navigators“(Raumschiff), nein, Paul wird glücklicherweise sehr menschlich dargestellt, so dass er Sympathie beim Zuschauer aufbauen kann.

Neben der USA zeigt sich ein weiterer Fakt, warum „Paul“ ein eigenständiges Dasein nach „Shaun Of The Dead“ und „Hot Fuzz“ fristet. Man holte sich einen anderen Regisseur an Bord. Die Wahl fiel auf Greg Mottola, der einige Jahre zuvor mit der Teenie-Komödie „Superbad“ auf sich aufmerksam machte und den heimlichen Star dieses Streifens, Seth Rogen, gleich mit an Bord holte, wovon der deutsche Zuschauer herzlich wenig mitbekommt, durfte Seth im Original doch Paul sprechen, ein Job den hierzulande Ärzte-Drummer Bela B. übernahm, der schon in „Terkel in Trouble“ beweisen durfte, dass er dieser Aufgabe gewachsen ist.

Auch in der Lightversion ist es gerade den beiden Briten zu verdanken, dass „Paul“ so sehenswert bleibt. Schwarzer Humor weiß leicht dosiert immer wieder zu überraschen, Running Gags begleiten das Geschehen, Insider Jokes wurden allerhand gesät (am schönsten die Anspielung auf Han Solo in „Krieg der Sterne“ oder das Gespräch mit Steven Spielberg, der gerade „E.T.“ plant), und auch die Figurenzeichnungen lassen viel von der Handschrift der beiden Autoren erkennen. Glücklicher Weise fiel auch die Spielfreude dem höheren Budget und dem Drehort USA nicht zum Opfer. Alle Beteiligten sind mit viel Spaß bei der Sache dabei, dürfen ebenso improvisieren, wie gelungene Drehbuch-Dialoge von sich geben, die hin und wieder die Raffinesse besitzen, welche die beiden tiefer gehenden, intelligenteren Vorgänger dauerhaft besaßen.

Simon Pegg und Nick Frost schaffen die Gradwanderung sich über Alien-Freaks lustig zu machen und ihnen gleichzeitig doch mehr Sympathie zu bescheren, als das olle Außenseiter-Mitleid. Das Hinauswachsen über den eigenen Schatten ist ein Klischee welches sich leider mit eingeschlichen hat, aber ebenso wie die Umerziehung zum Amerikaner und die Coolness des Außerirdischen wird dieser unangenehme Teil der Geschichte sehr leicht dosiert präsentiert, so dass man zwar immer kurz vor dem Schimpfen steht, dann aber beruhigt wird durch die Schaden verringernde Haltung der beiden Köpfe des Projektes.

„Paul“ macht Spaß und bietet trotz seiner oberflächlichen Geschichte immer wieder Geist, Tiefgang und Hintergrundwissen, dies aber leider nicht in der Dosierung, welche die beiden Vorgänger zu solchen Meisterwerken werden ließ. Glücklicher Weise besitzt die Science Fiction-Komödie genügend eigenes Potential und eigene Stärken, so dass man sich in etwa vorstellen kann, wie die weitere Phase kommender Projekte der beiden Briten aussehen dürfte. Und da bin ich selbst in der Lightversion gerne wieder mit dabei. Nur noch gewöhnlicher sollten ihre Filme nun wirklich nicht mehr werden. Dann wäre ihr Talent, selbst bei brauchbarem Ergebnis, nur noch Perlen vor die Säue.


1 Kommentar:

  1. Fand Paul auch ganz knuffig, muss man nicht unbedingt oft sehen, kann aber echt gut unterhalten.

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