Samstag, 29. September 2012

BABY BLOOD (1989 Alain Robak)


Ein Parasit, dem die Geburt bislang verweigert wurde, nistet sich in dem Körper der jungen Yanka ein, damit sie ihn gebärt. Yanka kann mit dem unheimlichen Wesen kommunizieren und um es zu ernähren muss sie Blut organisieren. Das ungeborene Baby hat sie in der Hand. Es besitzt die Macht sie sterben zu lassen, wenn sie sich weigert mitzumachen...


Da kann auch die Supernanny nicht helfen...

Eine gewollt widerliche Krächzstimme stimmt in das folgende 90-minütige Geschehen ein. Die Stimme, die wir als Zuschauer hören, ist die eines bösartigen Wesens, welches seit Entstehung der Erde das Recht verwehrt bekommen hatte geboren zu werden. Nun in den 90ern ist es so weit. Das Parasiten-Wesen nistet sich im Körper einer jungen Frau ein und wartet auf seine Geburt. Die befallene Frau kann mit dem Vieh in ihr kommunizieren und muss sich nun langsam daran gewöhnen Blut zu trinken, denn so ein nimmersatter Parasit will genährt werden, bis es zur Geburt kommt. Ein Weigern wird mit Schmerzen bestraft, die Frau hat keine andere Wahl. Selbstmord lohnt sich auch nicht, der Parasit hat die Macht, und wenn es mal nötig ist, lässt er sogar das stillstehende Herz neu schlagen.

Sonderlich abwechslungsreich ist die Geschichte nicht erzählt. Die Frau wird befallen, benötigt von nun an Opfer und das so lange, bis am Ende das Wesen geboren wird. An einer solch dünnen Story sind schon einige Filme eingegangen. Oftmals versucht man solche Werke mit einem ordentlichen Blutgehalt über Wasser zu halten. Doch das allein kann nicht reichen. Das wussten die „Baby Blood“-Verantwortlichen scheinbar auch. Sie sparen zwar nicht mit Blut (einige Szenen suhlen sich geradezu im Lebenssaft), aber man achtete auch auf andere Elemente.

So erfährt z.B. das dominante Verhalten des Parasiten mit der Zeit eine Wandlung. Monate lang im Bauch der Wirtin weiß diese sich mittlerweile zu wehren. Der Parasit merkt, dass er Kompromisse eingehen muss, immerhin will er geboren werden. Die Frau lässt sich längst nicht mehr alles gefallen wie zu Beginn des Befalls. Der Parasit ist weiterhin der stärkere Part, aber die Frau hat mit der Zeit herausgefunden, wie sie sich etwas Freiraum erkämpft. Kurz vor der Geburt kommt es sogar zu einer symbiotischen Partnerschaft. Der Parasit nimmt nicht mehr nur, er schenkt der Frau auch amouröse Gefühle, wenn er sich in ihr bewegt.

Überzeichnete Charaktere sollen ebenfalls dafür sorgen, dass es nicht langweilig wird. Mit dieser Zutat hat sich Regisseur Robak meiner Meinung nach allerdings ins eigene Fleisch geschnitten. Denn diese in Gewalt, Lust und Aggressionen überdrehten Figuren wollen meist nicht wirken. Und wie die Begegnung mit ihnen endet ist ohnehin vorhersehbar. Mit jedem zeitlichen Sprung wird die Wirtin hemmungsloser, Opfer besorgen ist Routine geworden. Jeder Mensch, der näheren Kontakt zu ihr hat, erleidet das selbe traurige Ende.

Das ist etwas lahm, ein Aufpeppen der Charakterzeichnung klingt da theoretisch konsequent. Als nichtssagende Allerweltsgesichter wäre mir das Leid der Opfer allerdings wesentlich näher gegangen, hätten sie dann doch wenigstens eine realistische Ausstrahlung gehabt. Der Film ist nie ganz ernst erzählt, sein Humor ist aber großteils zurückhaltender Natur, so dass die völlig überzeichneten Randfiguren auch kein Alibi für diesen Bereich wären. Ohnehin verkommt „Baby Blood“ nie zur Horrorkomödie, dafür bekommt das Werk immer noch schnell genug den Bogen.

Die Kommunikation zwischen Parasit und Wirtin und das Erhaschen der Beute sind die beiden erzähltechnischen Trümpfe des Filmes, diese machen ihn so sehenswert. Es gibt interessante Dialoge, bluttriefende Aktionen und die innerliche Verzweiflung der Protagonistin, die mit der Zeit schrittweise abstumpft, ist ebenfalls gut eingefangen. Wenn man bedenkt gegen was diese Pro-Punkte in „Baby Blood“ zu kämpfen haben, ist es erstaunlich dass sie es schaffen, damit einen ganzen Film halbwegs zu tragen.

Was dem ollen Werk nämlich fehlt ist eine ordentliche Portion Spannung. Weder kurze Momente aus der Sicht der Opfer sorgen für den nötigen Nervenkitzel, noch die Situation der Hauptrolle. Anstatt auf die naheliegende Logik zur Spannungsentstehung zurückzugreifen und zu zeigen, dass mit jedem Mord die Situation für die Frau schwieriger wird, wird die besagte Logik einfach über Bord geworfen und ignoriert. Unsere „Heldin“ hinterlässt offiziell nie Spuren (obwohl das kaum möglich ist bei ihrer Herangehensweise), sie wird nie gesehen, die Polizei wird nie auf sie aufmerksam. Das gesamte Gebiet einer möglichen polizeilichen Verfolgung wird sogar komplett totgeschwiegen. Nicht einmal in einem Nebensatz findet dieser naheliegende Subplot eine Erwähnung. Das raubt der Geschichte einiges an Potential.

Völlig zur Unterhaltungsroutine verkommt „Baby Blood“ letztendlich im Finale. Nun ist das Baby endlich geboren. Ein Spannungsbogen um das Aussehen der Kreatur wird aufgebaut, und die nach Monate langer Pein befreite Wirtin kann auch erstmals eigenen Gedanken nachgehen, ihre eigene Situation und Person überprüfen. Bis hier hin ist die Welt für den Filmfan noch in Ordnung.

Dann entscheidet sich der Drehbuchautor aber das Ende in einem Bus spielen zu lassen. Wo in anderen Szenen einzelne Randfiguren mit ihrer unechten und nervigen Art noch zu ertragen waren, erstickt man nun in einer Szene mit einem Haufen lüsterner Menschen, die in ihrem zu konstruiertem Erscheinen einfach nicht mehr zu ignorieren sind. Zwar wird augenzwinkernd damit die Opferrolle der Hauptfigur noch einmal verdeutlicht, Opfer selbst nach der Parasitenbefreiung (und man muss hinzufügen, dass sie bereits vor dem Parasiten im Zirkus diese Rolle vom Leben zugeschrieben bekommen hatte), aber dann hätte man vielleicht einen Gefängnisbus nehmen sollen, um wenigstens einen Hauch Realität, wenn auch auf Klischeenährboden angebaut, entstehen zu lassen. Zwar ist die von mir kritisierte Szene gewollt grotesk überzeichnet, es fruchtet jedoch nicht.

Bis es zum unspektakulären Ende kommt erlebt man als Zuschauer also nun die unangenehmste Szene des Streifens, was das ohnehin schon wackelige Werk nun endgültig gewöhnlich wirken lässt, obwohl es dies ja erzähltechnisch eigentlich gar nicht ist. Horrorfans sollten trotz alledem reinschalten, zumindest wenn sie nicht nur die US-Waren konsumieren wollen. „Baby Blood“ sieht man seine europäische Herkunft an allen Ecken und Enden an. Deutlich wird dies z.B. stark in der völlig unerotischen Erzählweise. Obwohl wir nackte Tatsachen sichten und auch der Opferfang häufig durch den Weg der Verführung stattfindet, ist „Baby Blood“ nie prickelnd oder sexuell provozierend. Der Europäer sieht in diesen Punkten nun mal eine viel natürlichere Sache als der Amerikaner.


Trailer,   OFDb

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