Sonntag, 23. September 2012

PSYCHO 3 (1986 Anthony Perkins)


Norman hat zu seinem morbiden Alltag zurückgefunden. Eine ehemalige Nonne, ein Anhalter und eine Reporterin bringen jedoch wieder Wirbel in den Alltag des Psychopathen...


Die heilige Mutter Norman...

Eine weitere Fortsetzung auf dem Niveau der ersten zwei Teile war wohl kaum zu erwarten, und so kam was kommen musste: das übliche Horror-Routine-Sequel. Zumindest kann man aufatmen, es ist die sympathische Form der Routine geworden, und “Psycho 3“ ist eine Weiterführung mit bereits bekannten Darstellern geworden, ganz wichtig dabei selbstverständlich Anthony Perkins als Norman Bates.

Von der Grundidee relativ ideenlos, erzählt uns Teil 3 eigentlich nur die Geschichte wie Bates nach den Geschehnissen des zweiten Teils doch noch den Weg zurück in die Psychiatrie findet. Bis es soweit ist erfahren wir ein paar Hintergründe mehr zur Schluss-Szene von “Psycho 2“, in welchem Normans angeblich echte Mutter auftauchte. Mit ihr hatten wir den dritten Täter parat, der an Bates erneuter geistiger Verwirrung Schuld trägt.

“Psycho 3“ ist routiniert spannend, lässt hin und wieder schwarzen Humor durchfunkeln (Frau nach Selbstmordversuch im Badezimmer von Zimmer 1: "Das Bad muss furchtbar ausgesehen haben." Bates: "Ich hab es schon mal schlimmer erlebt."). Diese Komik ist grundweg gelungen, ist aber auch nie zu häufig vorhanden, als dass der Humorgehalt zu dominant werden könnte.

Obwohl der Film jede Figur, die länger als eine Szene gebraucht wird, zu dick aufträgt und zu klischeehaft übertrieben präsentiert, ist die Geschichte an sich glaubhaft erzählt. Eine der wenigen Ausnahme-Szenen ist jene, in welcher der Sheriff unwissendlich einen blutigen Eiswürfel schleckt. Hier sollte man doch meinen, dass das Blut durchschmecken müsste. Ansonsten gibt es für einen Film, der hin und wieder leicht in den Comicbereich abrutscht, nicht viel Unglaubwürdiges zu sichten.

So wie in "Das Schweigen der Lämmer" und "Blutgericht in Texas" ist das reelle Vorbild Norman Bates' bekannter Weise der reale Serienkiller Ed Gein. Interessant fand ich es, dass man in einer Szene ganz deutlich eine Anlehnung an der guten alten “Kettensägenmassaker"-Bratpfannenmusik erkennen kann. Ob damit die thematische Verwandtschaft deutlich gemacht werden sollte kann ich nicht mit Sicherheit sagen, es wäre aber durchaus möglich.

Die Vorkenntnisse der beiden vorangegangenen Teile wird vorrausgesetzt. Es wird wenig wiederholend erklärt. Dadurch entstehen keine unnötigen Längen in der ohnehin sehr ruhig erzählten ersten Hälfte. "Psycho 3" baut inhaltlich direkt auf Teil 2 auf. Viele Elemente werden wieder aufgegriffen, es ist gleichzeitig aber auch schön zu beobachten, wie sehr sich "Psycho 3" auch am Original von Hitchcock orientiert. Das wird psychologisch clever eingebracht, besonders gelungen in einer Interviewszene, in welcher eine Reporterin das Verhalten von Bates missdeutet, und damit erst recht beginnt in Normans Leben herumzuschnüffeln. In den Anlehnungen auf Teil 1 werden Originalszenen des Kultfilms als Rückblenden eingebracht. Immer recht kurz gehalten und charmanter Weise auch nicht eingefärbt.

Die Darsteller spielen alle recht ordentlich, allen voran Perkins, der die Rolle des Bates wohl im Schlaf spielen könnte und das wahrscheinlich immer noch bravourös. Selbst der arg übertriebene Charakter des stellvertretenden Bates Motel-Assistenten ist auf wunderbare Art schurkisch gecastet und bekommt zusätzlich durch seine deutsche Synchronstimme eine besondere Wirkung. Der Deutschton lässt ohnehin kein Klagen zu und bietet die perfekte Stimme zu jeder Rolle.

Das einzige was mir nach den kurzweiligen 90 Minuten negativ auffiel ist die Unnötigkeit dieser Fortsetzung. Teil 2 dürfte seiner Zeit die Überraschung schlechthin gewesen sein. Niemand hätte damit gerechnet, dass nach so vielen Jahren eine Fortsetzung herauskommen könnte, die qualitativ nah an das Original herankam, wenn dessen Niveau nie wirklich erreichend. Und so gehen "Psycho 3" gleich zwei Filme auf hohem Niveau voraus, ein Niveau das Teil 3 nicht bieten kann.

Zumindest macht "Psycho 3" nicht den selben Fehler wie "Leatherface", der dritte Teil der “Kettensägenmassaker”-Reihe, aus der Hauptfigur der Reihe einen Jason oder Michael Myers machen zu wollen. Im Gegenteil, man bleibt der Masche des braven Buben stets treu, so sehr sogar, dass man trotz der Morde Sympathie für den verworrenen Geist empfindet. Letztendlich wissen wir ja, dass in Normans Hirn zwei Seelen ticken, und die harmlose hat die Herzen der Zuschauer sowohl geschockt als auch erobert.

Vergleicht man Teil 3 nicht so streng mit seinen beiden Vorgängern, sondern stattdessen eher mit einigen anderen Horrorfilmen und ihren Fortsetzungen mit ähnlich dünner Handlung, kann Bates dritter Streich punkten. Außerdem ist “Psycho 3“ ohnehin nur augenzwinkernd gemeint und distanziert sich damit von manch inhaltlichen Klischees. Gerade der Schluss-Gag im Polizeiauto lässt genau jene comichafte Übertreibung aufkommen, die auch ganz deutlich auf dem Videocover zu diesem Werk zu sichten war.


Trailer,   OFDb

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