Montag, 24. September 2012

THE HOUSE NEXT DOOR (2006 Jeff Woolnough)


Col wohnt mit ihrem Ehemann in einer reichen Vorortsiedlung und lebt dort glücklich und zufrieden. Bis nebenan ein neues Haus gebaut wird. Alle paar Monate richtet sich dort ein neues glückliches Paar ein und zieht unglücklich wieder aus. In Col wächst der Verdacht, dass das Haus das Glück aus seinen Besitzern aussaugt...


Mein Haus, der Glücks-Vampir...

Böse Häuser lauern dem Filmfreund im Horror-Genre immer wieder auf. Schon Jahre vor dem original “Amityville Horror” wurde mit “Bis das Blut gefriert” meiner Meinung nach der Höhepunkt dieses Subgenres abgeliefert. Höchst gruselig in künstlerisch wertvoller Optik warf der Streifen einen dunklen Schatten auf alles was nach ihm kam. Aber das war nicht immer so schlecht wie besagter “Amityville Horror”. Beispielsweise wusste “House” auf “Tanz der Teufel 2“-Art gekonnt zugleich zu gruseln und zu amüsieren.

“The House Next Door” ist eine typische TV-Produktion, eher dem Hausmütterchen als dem Horror-Freund zu empfehlen und klassisch für seine Art bieder und zurückhaltend. Der Film wagt jedoch einen Stilbruch. Das böse Haus ist nicht alt. Eben frisch gebaut, und damit nicht beeinflusst durch ehemalige Tragödien, die sich in den Gemäuern hätten abspielen können, lauert das Böse im Gebäude. Auch das Grundstück auf dem es erbaut wurde war schlichtweg ein Stück Wald und nicht verflucht. Das Klischee des alten Indianerfriedhofs bekommt stattdessen eine humorvoll gemeinte Erwähnung, wenn Col und ihr Ehemann darüber nachgrübeln, wie es zu einem solchen Mysterium wie dem Haus kommen kann.

Col ist eigentlich ein Realist. Ihr Ehemann ebenso, er ist gar ein Mensch, der sich nicht von Unsinnigkeiten den Geist verwirren lässt. Ein Flirt seiner Frau mit dem Architekten in den Augen der Nachbarn sieht er als das was es ist: eine Nettigkeit ohne sexuellen Anreiz. Beide bringt so leicht nichts aus dem Gleichgewicht. Col ist die erste, die an das Böse im Haus glaubt, orientiert sich dabei aber nicht an der Meinung des verwirrten Architekten, sondern ist erst bei deutlichen Beweisen überzeugt, wenn sie einer angeblichen Fernsehsendung im verfluchten Haus beiwohnen darf, in welcher die Besitzerin gerade ihrem längst toten Sohn beim Sterben im Irak zusehen darf.

Bis Cols Ehemann überzeugt ist dauert länger, aber nicht lang. Sein Glaube an das Böse im Haus stützt sich auf sein tiefes Vertrauen zu seiner Ehefrau. So hätte man, wenn man schon das Thema des angezweifelten Geisteszustandes Cols so gut wie außer Acht gelassen, zumindest mit einer bösen Pointe schließen können: die Theorie vom bösen Haus ist Unsinn. Aber eins sei gleich vorweg geschickt: ja, mit dem Haus stimmt was nicht, und nein, unsere Helden ticken richtig.
 
Zumindest oberflächlich betrachtet. Denn ein kleiner Sub-Zweig der eigentlichen Handlung, der leider nur eine kurze Bemerkung am Schluss erfährt, gibt der Geschichte eine Raffinesse, von welcher der an sich schlichte Film ruhig mehr hätte zehren können. “The House Next Door” erzählt davon, dass das Gebäude seine Bewohner manipuliert, den Menschen das Glück in ihrem Leben raubt und in etwas Böses verwandelt. Auch bei Besuchern zeigt das Abzapfen von Glück Wirkung, wenn auch nicht in der Extreme der Bewohnerschicksale. So wird beispielsweise aus der glücklichen Nachbarschaft eine zerstrittene.

Die eben vorangekündigte zu kurz kommende Raffinesse am Ende spielt nun mit dem Gedanken, dass das Heldenpaar eventuell noch stärker von dem Haus manipuliert wurde, als es in der Selbstwahrnehmung festgestellt hat. Was, wenn die finale Tat vom Haus beeinflusst wurde und nicht von Col und ihrem Mann selbst? Was, wenn man zu diesem Zeitpunkt viel mehr unter dem Einfluss des Hauses stand, als unter dem eigenen? Dies ist ein Story-Twist, der einen eigenen Film wert gewesen wäre. Und welche Bedeutung bekommt er für “The House Next Door”? Er wird zu einer kurzen Vermutung im Gewissensaustausch zwischen dem Heldenpärchen. Schade!

“The House Next Door” ist aber nun einmal nur ein biederes TV-Filmchen, und auch Regisseur John Woolnoughs Arbeiten sind meist TV-orientiert. Neben seiner Teilnahme an allerhand Fernsehserien wie “EUReKA”, “Terminator - Sarah Connor Chronicles”, “Battlestar Galactica” und “Kung Fu - Im Zeichen des Drachen” fiel er eher negativ durch seine Fortsetzungen von “Universal Soldier” auf, einige von wenigen Beiträgen außerhalb einer TV-Serie. “The House Next Door” war nicht sein erster Film zum Thema “böses Haus”. Bereis 1998 drehte er “Haus der verlorenen Seelen”. Wer aufgrund des Titels glaubt sein erster Film “Das Geheimnis von Holden House” (1988) sei ebenfalls gleichen Themas, irrt, ist sein Einstieg ins Filmgeschäft doch ein Drama und kein Horrorfilm.

Was nun sein “The House Next Door” betrifft, der ist zwar routiniert, simpel und folgt bis auf die im Text herausgearbeiteten Andersartigkeiten brav dem üblichen Muster, ist aber auf simpler Ebene durchaus zu konsumieren. Es wird nie richtig gruselig, blutig oder schockierend, und doch besitzt dieses biedere Stück Film einen gewissen Unterhaltungswert, der zwar weder aus einer Sympathie der Figuren oder dem Talent von Regie und Darstellern fruchtet, vielleicht aber eben aus seiner Treue zum bereits Bekannten, ohne dabei irgendwelche inhaltlichen Fehler zu begehen. Wer auch Dutzendware hin und wieder eine Chance gibt, könnte Gefallen an diesem Streifen finden. 


OFDb

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen