TOBOR THE GREAT (1954 Lee Sholem)


Weil die Raumfahrt für Astronauten in seinen Augen noch zu viele Unklarheiten bereithält um Menschen gefahrlos hoch zu schießen, erfindet ein Wissenschaftler einen Roboter der mit einer Rakete ins All fliegen soll. Bei einer ersten Vorführung des Roboters Tobor vor einem kleinen, ausgewählten Publikum schleicht sich auch ein ausländischer Spion mit ein, der den Plan verfolgt die Erfindung zu stehlen...


Ein metallener Superheld...

"Tobor the Great" ist ein kleiner naiver Roboterfilm aus den tiefen 50er Jahren, der es, soweit ich informiert bin, nie in den deutschsprachigen Raum geschafft hat. Viel verpasst haben wir da eigentlich nicht, recht unterhaltsam ist dieses Science Fiction-Werk allerdings schon ausgefallen.

Der Film beginnt mit der Aufzählung der Errungenschaften der Menschheit und steigt erst dann in eine fiktive Geschichte ein, in der uns der Roboter Tobor lange Zeit vorenthalten wird. Man lässt sich für die Vorgeschichte Zeit und baut eine Erwartungshaltung beim Zuschauer auf, die optisch ihren Zweck zu erfüllen weiß. Wenn Tobor endlich präsentiert wird, bekommen wir eine interessant gestylte Maschine mit Glühbirnenaugen vorgesetzt, die zwar den Körper typischer Klischeeroboter besitzt (quasi ganz im klassischen Stil eines Benders aus "Futurama" oder des alten „WWF-Club"-Roboters), im Gesicht aber ein völlig eigenes Design vorweisen kann, welches meines Erachtens noch von keinem anderen Film kopiert wurde.

"Tobor The Great" handelt nicht, wie manch einer vermuten könnte, von einem bösen Roboter oder einer Maschine die durchdreht, sondern von einer liebevollen Gestalt seiner Spezies. Die Story ist, spätestens mit Einführung des Enkels, recht kindgerecht erzählt. Mich würde es nicht wundern, wenn Tobor eine Comicverfilmung wäre, sie ist der Art damaliger SF-Comics zumindest recht ähnlich. Tobor reagiert auf Gefühle und Gehirnwellen und baut in der kurzen Zeit ihrer Bekanntschaft eine Art Freundschaft zu dem Enkel des Erfinders auf. Bis zu diesem Zeitpunkt ist der Film ein reines Science Fiction-Märchen mit kleinen Spionagefilm-Einflüssen, denn während einer Tobor-Präsentation schleicht sich ein ausländischer Spion ein. Sobald dieser wieder bei seinen Leuten ist, um zu berichten was er sah und daraufhin zu planen wie man diese Erfindung stehlen kann, wandelt sich der Film zu einem Krimi, in welchem der Science Fiction-Gehalt fast zweitrangig wird.

Auf billigste Art und Weise, und nicht gerade leise und clever ausgetüftelt, brechen die Banditen auf dem Gelände des Erfinders ein. Auf ebenso plumpe Art lassen sie sich auch wieder von diesem Grundstück vertreiben. Das hatte mehr von "Kevin - Allein zu Haus" als von einem erwachsenen Film, was den Unterhaltungsgrad keinesfalls schmälerte. Die ganze Prozedur war allerdings derart naiv erzählt, dass es fast schon weh tut sich bewusst zu machen, dass „Tobor The Great" einst ein Kinofilm war und somit Menschen für eine derart blauäugige Geschichte ins Lichtspielhaus gewandert sind.

Da es den Dieben um die Erfindung und nicht um Tobor speziell geht, entführen sie den Entwickler der Maschine zusammen mit seinem Enkel, damit man dem Wissenschaftler seine Formeln entlocken kann. Eine Tobor-Steuerung getarnt als Stift aktiviert den Roboter in seinem zu Hause und nun eilt Tobor zur Rettung. Als dieser zunächst zu Fuß in aller Seelenruhe in seiner verhältnismäßig verkrampften, da roboterhaften, Art schleichend los marschiert, denkt man sich als Betrachter dieses Films seinen Teil. Das kann ja ewig dauern bis Tobor zum Retter wird! Aber dann schnappt sich der Roboter ein Auto, immerhin wurde er erfunden um mit Maschinen zu reisen, auch wenn ursprünglich die Rakete gemeint war. Zumindest erlebt man nun die lustigste Optik des Films, denn wie Tobor mit dem Auto umher fährt ist ein Augenschmaus für sich. Eigentlich vermisste ich nur noch die Marionettenfäden der späteren Augsburger Puppenkiste, so klassisch und skurril wirkte das hier Gezeigte auf mich.

Zum Schluss ist Tobor der große Retter, schnappt sich auch noch die Verbrecher, beweist spätestens dort was für einen Superhelden-Charakter er hat (so kann er z.B. mit seinem Bein ein ganzes Auto stoppen) und ist der strahlende Held, den es nach besagter Tat sofort zu seinem Freund, dem Jungen, führt, um ihn in den Arm zu nehmen und nach Hause zu tragen. In der nächsten Szene sitzt Tobor bereits in der Rakete auf dem Weg zum Mars, und der Junge beobachtet den Start und verabschiedet sich von Tobor und wünscht diesem viel Glück. Eigentlich hätte man nun in Folgefilmen eine Art braven „RoboCop“ drehen können, vielleicht sogar mit bekloppten Abenteuern auf den Mars, aber zu einer Fortsetzung kam es nie. Vielleicht, sollte meine Vermutung stimmen, existieren dafür ein paar Comichefte, in denen ähnliches passiert. Ich weiß es nicht.

Bis zum Auftauchen Tobors ist der Film leider einen winzigen Grad zu langweilig geraten. So viel Hintergrund-Story und Charaktervertiefungen waren nicht nötig, um eine solch simple Geschichte vorzubereiten. Taucht Tobor aber dann endlich auf, steht naiver Kurzweile nichts im Weg. Die Darsteller sind okay zu nennen, die Musik folgt den aus heutiger Sicht typisch nostalgischen Pfaden dieser Zeit, und hin und wieder wird man als Zuschauer mit lustigen Gimmicks überrascht (der Erfinder hat schließlich nicht nur Tobor erfunden, sondern ist auch sonst ein einfallsreicher Mensch). Spaß hat der Streifen auf jeden Fall gemacht, aber das etwas langatmige Ergebnis ist dann doch eine Spur zu plump und ereignislos geraten, um ihn ernsthaft als kleinen Geheimtipp zu empfehlen. Science Fiction-Nostalgiker, die auch vor kindlichen Stoffen nicht zurückschrecken, können jedoch einmal einschalten. Die restlichen Cineasten können das tun, was ohnehin mit dem Film getan wurde: ihn einfach vergessen! 


Trailer,   OFDb

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