Sonntag, 17. Juli 2016

DRACULAS HEXENJAGD (Twins of Evil 1971 John Hough)


Als ihre Eltern sterben kommen die Zwillinge Maria und Frieda bei ihrem Onkel Gustav unter. Dieser geht mit seiner Bruderschaft nachts auf Hexenjagd und verbrennt junge Frauen. Der gelangweilte Graf Karnstein erweckt während einer schwarzen Zeremonie eine Verwandte, die ihn zum Vampir macht. Karnstein bemächtigt sich auch der zum Düsteren neigenden Frieda und macht sie zum Vampir...


Der gute und der böse Zwilling...

Während der Mittelteil der Hammer-Karnstein-Trilogie, „Nur Vampire küssen blutig“, in seiner etwas billig abgefilmten Art und seinen verzweifelten Versuchen mit sleazy Elementen die Monotonie seines Genres zu durchbrechen, trotz unterhaltsamer Minuten eher zum Durchschnitt im Genre neigt und damit dem Ruf der Hammer-Studios keineswegs gerecht wird, schaut sich der im selben Jahr entstandende dritte Teil, der bei uns als „Draculas Hexenjagd“ erschienen ist, wesentlich anders. Bereits die Besetzung Peter Cushings in einer der Hauptrollen macht deutlich, dass man sich hier eher den bewährten Stärken zuwendet, und das Ergebnis soll den Verantwortlichen des Streifens Recht geben, ist der von John Hough inszenierte Streifen doch ein tolles Stück Vampirfilm geworden, genau so wie man es sehen will wenn man an die hier tätige, berühmte britische Filmschmiede denkt.

Nicht nur dass man sich in „The Virgin Vampires“ (Alternativtitel) des Traditionellen bewusst ist und in Sachen Deko, Atmosphäre und Inhalt auf bewährte Stärken der Hammer-Studios setzt, ein intelligentes Drehbuch mit interessanter Geschichte hilft dabei, dass der Film zu mehr wird als zur simplen Fortführung bereits Bewährtem. Die Geschichte, die gekonnt die Vampirthematik mit der christlichen Hexenjagd von einst kombiniert, mag es sich gerade Richtung Finale an mancher Stelle zu einfach machen, all zu bösartig durfte die Story schließlich doch nicht ausfallen zu Zeiten als das Publikum noch zwingend mit einem Happy End vertröstet werden musste. Aber in gekonnt verästelten Verstrickungen der Geschichte darf man oft mit den Figuren mitbangen, in einem Plot in dem Richtig und Falsch nicht immer auseinander zu halten sind, gibt es doch nicht nur Gute, Fanatisten und das Böse, sondern auch Irrtümer, Fehlleitungen, falsche Verdächtigungen und Beschuldigungen, fehlerhafte Methoden, mangelnde Konversation und vieles mehr was das alte Schwarz/Weiß-Bild von Gut und Böse aufbricht, womit „The Gemini Twins“ (Alternativtitel) reflektierend und durchdacht erzählt ist und nicht einfach nur den Genre-Klischees folgt.

Wenn in einer solch umfangreich erzählten Geschichte, die sich für ihre Entwicklung allerhand Zeit lässt und den Zuschauer an jeglichem Prozess teilhaben lässt, im Finale nun auch noch der Härtegrad aufgeschraubt wird, der für seine Entstehungszeit so manche erstaunliche abartige Szene bietet, dann dürfte auch der letzte Horror-Fan endlich vor Freude aufschreien, ist mit dieser zusätzlichen Zutat doch nun alles erfüllt was einen guten Horrorfilm ausmacht: morbide Elemente, blutige Szenen, gekonnte Dramaturgie, eine spannende Geschichte, interessante Charaktere, gothisches Flair, ein Genre-Star besetzt in einer der wichtigsten Rollen, geglückte Spezialeffekte und das alles so erzählt, dass unfreiwillige Komik nur der findet, der es nicht schafft in einer solchen Geschichte aufzugehen.


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