Sonntag, 2. September 2012

YONGARY - DAS MONSTER AUS DER TIEFE (Taekoesu Yongary 1967 Kim Ki-duk u.a.)


Ein wanderndes Erdbeben zerstört Teile Südkoreas. Der Legende nach wird ein solches durch das Monster Yongary ausgelöst, und genau so ist es auch. Das Reptil entsteigt dem Erdboden und bedroht die Menschheit...


Die Nashornversion von Godzilla...

Als „Godzilla“, der Nachahmer von „Panik in New York“, große Erfolge samt Fortsetzungen feierte, da kam eine Flut von Imitaten und vergleichbarem Getier daher, und das kam nicht immer aus gleichen Regionen. Die USA zogen in Zusammenarbeit mit England ihren „Das Ungeheuer von Loch Ness“ hinterher, Dänemark präsentierte „Reptilicus“, und dies ist nur ein kleiner Auszug einer wesentlich längeren Liste. Auch Südkorea wollte vom großen Geldkuchen ein Stückchen abhaben, und so drehten sie in Zusammenarbeit mit Japan „Yongary“, der in Deutschland auch gleich als ein angeblicher „Godzilla“ vermarktet wurde mit dem Titel „Godzillas Todespranke“.

„Yongary“ ist in seiner kompletten Erscheinung dem japanischen, berühmten Kollegen auch recht ähnlich: ein Gummianzug, eine ähnliche Körperhaltung, und anstatt Energie frisst es Öl. Der herausstechenste Unterschied am Getier selbst ist das Horn, welches seine Nase kleidet. Am Verhalten gibt es jedoch keine nennenswerten Unterschiede zu bemerken: das Vieh spuckt Feuer, stampft Häuser, Brücken u.ä. nieder, kurzum, kaum wer außer den hartgesottenen „Godzilla“-Fans wird den Etikettenschwindel übel genommen haben, zumal das Filmchen Spaß macht. Langeweile kommt so schnell nicht auf.

Dabei helfen auch recht ordentlich die gerade mal 64 Minuten Laufzeit. So kurz war der Streifen zumindest in der von mir gesichteten Fassung. Es gibt auch deutsche Veröffentlichungen die angeblich über 70 Minuten laufen. So oder so gibt es aber ohnehin nur gekürzte Fassungen in unserer Landessprache zu erstehen. Die Version, die ich zu Gesicht bekam, enthält einige Risse. Viele kurze Momente sind nicht enthalten. Sie wurden durch das schlechte Material, auf das sie kopiert wurden, zerstört. Gegen Ende werden die Sprünge etwas heftiger. Lustiger Weise fehlen auch ausgerechnet Dialogszenen zum Schluss hin, die in einem Helikopter gesprochen werden. Die wenigen Fetzen, die es zu hören gab, verrieten, dass hier auf naive Art philosophiert wird.

Naives Philosophieren passt zum Rest, denn wenn man „Yongary“ einen Stempel aufsetzen darf, dann ist es der naiv erzählt zu sein. Die Regisseure Kim Ki-duk und Seo Yun-sung wagen keine Experimente. Sie liefern was der „Godzilla“-Freund sehen will und schaffen es dieses oft Gesehene unterhaltsam zu verpacken. Da tut es sichtlich gut, dass ein Drittel der Laufzeit für die Vorgeschichte drauf geht. Zu viel Monsteraction ödet auf Dauer schließlich auch an.

„Yongary“ ist durch und durch ein sympathischer Klon seiner Gattung. Wie könnte man „Yongary“ auch nicht charmant finden, wenn ein Tier mit leuchtenden Augen umherstapft mit diesem herrlichen Horn auf der Nase? Gewöhnt man sich erst einmal an seinen Anblick, darf das Horn später sogar aufleuchten, um Energiestrahlen zu schießen. Nostalgischer kann man kaum unterhalten werden.

„Takekoesu Yonggary“, so der Originaltitel des Films, ist eine familiengerechtere Variante des „Godzilla“-Themas. Das merkt man allein schon an der starken Gewichtung einer Kinderrolle, ein unter Horror-Fans nicht all zu gern gesehenes Element. Glücklicher Weise nervt der Junge nicht zu sehr, auch wenn manch einer seiner Auftritte schon etwas grotesk wirkt, zumindest das Szenario um ihn herum weiß des öfteren zu verwundern.

Da klaut der Bub beispielsweise ein Gerät aus dem Labor seines Vaters, welches ein merkwürdiges Licht ausstrahlt und Jucken verursacht. Das Ergebnis dieser Anwendung wird von jedem als selbstverständlich angenommen, und das obwohl selbst der Besitzer nicht weiß, was es mit dem Objekt auf sich hat, zumal mögliche Gefahren die das Gerät verursachen könnte noch nicht erforscht wurden. Dass der Bub dieses sicherlich teure, fremdfinanzierte Produkt entwendet hat, wird ihm nicht übel genommen. Die Erwachsenen lachen über den Streich dieses südkoreanischen Hansi Kraus, und dann wird das Gerät auch gleich wieder zurück ins Labor gelegt. Dass es für den späteren Verlauf des Films wichtig wird, ist nicht schwer zu erraten. Und da sich in Korea scheinbar niemand Sorgen um die Sicherheit macht, hat es der Junge im letzten Drittel des Streifens auch schnell wieder aus dem Labor entwendet, ohne großes Einbruchstalent zu beweisen.

Was bleibt zu sagen? Freunde billiger „Godzilla“-Nachahmer sollten zugreifen, bietet der Streifen doch genau das was man von ihm erwartet. Damit ist das Ergebnis erfreulich zu nennen, denn auch in diesem Sub-Bereich des Monsterfilms habe ich schon wesentlich schlechtere Nachahmer gesehen, so z.B. „Gorgo“, eine englische Variante des nicht tot zu kriegenden Riesenechsen-Themas.


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