Samstag, 24. November 2012

MERCANO, DER MARSMENSCH (Mercano, el marciano 2002 Juan Antin)


Marsbewohner Mercano kam auf die Erde, um mit den Menschen ein Hühnchen zu rupfen, sind die es mit ihrem blöden Weltraumschrott doch schuld, dass sein Haustier starb. Bei der Erde angekommen streikt das Raumschiff, und so strandet er auf unserem Planeten. Auf seinem Heimatplaneten ist man sich uneins, ob er gerettet werden soll oder nicht, also bastelt Mercano aus Langeweile am Computer an einer virtuellen Welt herum. Die weckt das Interesse einer globalen Firma. Mercano wird manipuliert, und seine Erfindung, die nur gedacht war um Spaß zu haben, wird weltweit vermarktet, um die Menschen zu immer mehr Konsum anzuregen...


Die Globalisierung und ein Marsmensch...

Wenn Captain Kirk früher Planeten aufgesucht hat, war man schon ein wenig verwundert, dass es auf dem jeweiligen Himmelskörper immer nur eine Kultur gab und nicht wie auf der Erde mehrere. 40 Jahre später wird diese Idee von Regisseur Juan Antin umgedreht präsentiert, auch wenn der Marsmensch Mercano nicht freiwillig auf unserem Heimatplaneten festsitzt. Aus der Sicht seiner Gesellschaftskritik haben wir längst den Zustand der fremden Kulturen aus „Raumschiff Enterprise“ erreicht. Dank der Globalisierung und ihrer weltweit agierenden Firmen, ist eine Einheit entstanden, die in der Geschichte für die komplette Erde steht.

Übertreibung und ein zu naiver Blick? Ja und nein! „Mecano, der Marsmensch“ übt unübersehbar Kritik, versteckt diese nicht gekonnt, sondern drückt sie dem Zuschauer auf die Nase. Mit Übertreibung arbeitet er, wie es jede Satire tut, und der naive Blick der Sache ist Stil des kompletten Filmes. Dessen Freiwilligkeit sieht man ja bereits am Titel. Mercano ist ein Marsmensch, und dieser landet nicht im Amerika der 50er Jahre, wo Wesen noch vom roten Nachbarsplaneten stammen durften, sondern in Argentinien heutiger Zeit. In Zeiten der Globalisierung ist das Land, in dem eine solche Geschichte spielt, wegen Angleichung egal geworden, und der Mars ist im groben erforscht.

Es ist gerade diese Naivität, vielleicht kann man es auch Leichtfüßigkeit nennen, die dem Film die nötige Sympathie beschert. Mercano murmelt sein außerirdisches (äußerst witziges) Gebrabbel, und jeder Mensch versteht ihn. Das Alien wandert auf unseren Straßen entlang, und kaum wer sagt was. Seine Cyberwelt ist derart versimpelt, dass eine Kommunikation zwischen zwei Usern direkt durch Reden stattfindet, so als würde man sich im selben Zimmer befinden. Alles wurde versimpelt, egal ob es das Internet ist oder die Vermarktung von Mercanos Erfindung. Selbst die Grundzüge der Globalisierung werden so stark versimpelt, dass z.B. Wirtschaft, Pharmazie und Genetik von jeweils einer Person vertreten werden, die auch gleich so heißen.

„Mercano, der Marsmensch“ spielt in einem Mini-Universum, um seine Geschichte zu vereinfachen. Ein guter Trick für den Gesamtstil des Films, ein anzuzweifelnder wenn es um besagten Kritikpunkt geht. Kann man die Globalisierung glaubhaft anfechten, wenn man sie derart versimpelt und sie damit auch simpel aufzuhalten ist? Geht ihre Gefahr, wenn man denn so empfindet, nicht viel eher von ihrer Undurchsichtigkeit aus? Andererseits zeigt uns Antin, wie der Normalbürger in den Zustand der Undurchsichtigkeit getrieben wird, obwohl es eine Minderheit ist, die das System lenkt.Verkehrt ist das alles nicht.

Wie auch immer, dieser kleine Film wäre kein Kunstwerk, wenn er sich zeichnerisch nicht ebenfalls am Stil der Erzählung orientieren dürfte. So ist er auf dem ersten Blick schlicht gezeichnet, ja sogar geradezu anarchisch. So nennt man ja heute leider demokratische Herangehensweisen. An „Mercano, der Marsmensch“ ist eigentlich gar nichts anarchisch. Er arbeitet nur inhaltlich und äußerlich mit dem Wunsch, dass nicht alles angepasst sein soll, und dass man auch ein Auge für weniger Typisches haben sollte. Das ist Demokratie und nicht Anarchie, aber es wird nur all zu gern vertauscht, seit Demokratien zum Spielball der Globalisierung wurden.

Wie man es also dreht und wendet, so naiv und schlicht „Mercano, el marciano“ (Originaltitel) auch erscheinen mag, er ist wohldurchdacht. Und so ist es auch sehr schön anzusehen, ja geradezu lobenswert, dass er nicht nur auf jenen Individuen herumhackt, denen die Globalisierung von Vorteil ist. Gnadenlos rechnet der Regisseur, der mit diesem Zeichentrickfilm sein Debüt ablieferte, auch mit jenen ab, welche die Zustände verändern wollen und doch immer wieder den Tricks des Feindes verfallen. Irgendeine Ausrede findet sich immer die dunkle Wirtschaft zu unterstützen, und die meiste Zeit trinkt man doch lieber Bier und fängt hirnlos an zu pogen.

Hin und wieder switcht Antin auf Mercanos Heimatplaneten. Doch auch diese Bereicherung kann nicht davon ablenken, dass dem Film im letzten Drittel langsam die Puste ausgeht. Wirklich flott war „Mercano, der Marsmensch“ nie erzählt, im Gegenteil, man durfte seine sehr langsame Erzählweise bewundern. Aber inhaltlich verwöhnt er den Zuschauer nie. Alles wogegen die Protagonisten ankämpfen, ist bereits bekannt. Und nach einem cleveren Blick auf das Weltgeschehen, bietet er am Ende keine sinnvolle Lösung des Problems.

Mercano löst sein eigenes Problem auf eine technisch dem Menschen überlegene Art. Ein paar Hirnlos-Gegner des Systems folgen ihrem Anführer. Und all das passiert, damit es am Ende eine kleine schwarze Pointe gibt. Da kann man nun rätseln ob die komplette actionreiche Finalsituation für einen schnellen Schluss steht, oder Kritik an der Mitläuferschaft eines falschen Führers ist, der zum Problem eine Alternativlösung anbietet, die nicht wirklich besser ist (gibt es in der Realität z.B. durch Religionen und den „Zeitgeist“-Produzenten). Aber selbst wenn letzteres gemeint ist, so lässt sich dadurch nicht verhindern, dass der Film inhaltlich zu leer und zu schnell beendet wirkt.

Das mag erneut zum simplen Stil des kompletten Filmes passen. Und in all seinen vorherigen Phasen war die Geschichte selbst nicht gehaltvoller. Aber ein ungewöhnlicher Zeichenstil und eine sympathische Umsetzung lenkten von dieser Leere ab, durch die auf anderer Seite so förderliche Versimplung entstand. Im letzten Drittel erwarte ich als Zuschauer jedoch etwas mehr. Und so war ich enttäuscht, womit man schlussendlich abgespeist wurde. Schade, denn ansonsten ist dieses Argentinische Stück Animationsfilm ein gelungenes und pfiffiges Ausnahmewerk, das zwar den Bereich des Trashs streift, aber eigentlich nicht in die Arte-Trash-Reihe hineingehörte.


Trailer,   OFDb

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