Dienstag, 13. November 2012

SPACE INVADERS (Killer Klowns From Outer Space 1988 Stephen Chiodo)


Das turtelnde Liebespaar Mike und Debbie beobachtet, wie ein Komet in der Nähe ihres Knutschortes niederschlägt. Sie machen sich auf die Suche, stoßen aber nicht auf das was sie erwartet haben. Mitten im Wald steht ein Zirkuszelt. Als die beiden hineingehen merken sie, dass es sich bei dem an diesem Ort merkwürdigen Objekt um ein Ufo handelt. Mit ihm kamen Clowns auf die Erde, die uns Menschen zum fressen gern haben. Mike und Debbie können fliehen und versuchen die Bevölkerung zu warnen. Aber wer glaubt schon eine derart bescheuerte Geschichte?...


Clown gefrühstückt?...

Warum bekommen manche deutsche Veröffentlichungen solch schlechte Titel? Angelehnt an ein billiges Computerspiel aus C64-Zeiten entschied man sich in unserem Land für den Titel "Space Invaders", anstatt für den passenden, originellen und vor allen Dingen neugierig machenden Originaltitel "Killer Klowns From Outer Space". Ich wette der Film wäre heutzutage etwas bekannter, wenn man seinerzeit nicht den nichtssagenden "deutschen" Titel verwendet hätte. Wenigstens trägt zumindest die überraschende DVD-Veröffentlichung den Originaltitel. Na also, geht doch!

So ist das Werk nun ein eher unbekannter Kultfilm, der auch alles besitzt, was zu einem Film dieser Art gehört. Er hat eine irrwitzige Idee, aus der er viele weitere irrwitzige Ideen herausholt. Er hat einen leicht schrägen, stimmigen Soundtrack und besitzt sowohl gelungene als auch freiwillig schlechte Spezialeffekte. „Space Invaders“ ist gewollter Trash, so wie einst John DeBello „Angriff der Killertomaten“ ins Kino brachte. Die Chiodo-Brüder erzählen ihre Horror- und Science Fiction-Komödie jedoch auf anderer Ebene. Man wollte nicht zu sehr in den Klamaukbereich abrutschen. Die abgedrehten Ideen sollten eher im Rahmen einer typisch ernsten Handlung der veralberten Genres stattfinden. Lediglich eine wohldosierter Portion Komik ergänzt das ganze.

Mit dieser ungewöhnlichen Rezeptur ist den Chiodo-Brüdern, die auch für „Critters“ verantwortlich waren, halbwegs ein Stück Innovation geglückt. So ist die Grundidee von mordenden Alien-Clowns hervorragend und gewagt zu nennen. Die Darstellung dieser ist interessant und ein optisches Highlight. Schön, dass man sich entschied verschiedene Clowncharaktere zu entwickeln, die alle ihren eigenen Reiz haben, und jeder Fan des Films hat mit Sicherheit seinen Favoriten.

Die kleinen Ideen am Rande sind großteils zum kaputtlachen (mit Popkorn schießen, Leichen in Zuckerwatte einwickeln, Zirkuszelt als Ufo, Jagdhund in Form eines Luftballonfigürchens, die Art wie Killerclowns zu töten sind, ...) und die Mordszenen einfallsreich (ein menschenfressender Schatten-Dino, ein bösartiges Kasperletheater, eine Bauchrednernummer mit einem toten Polizisten als Puppe, ...).

Der Beginn weist viele Parallelen zum Klassiker "Blob - Schrecken ohne Namen" auf. Das kann in der Anzahl kein Zufall mehr sein: der alte Mann mit Hund sieht den Kometen und entdeckt was da gelandet ist (stirbt schließlich auch daran), zwei Teens (knutschend im Auto) entdecken das Geheimnis des Kometen, und bei der Polizei gibt es einen lieben Polizisten und einen der Teenager hasst. Es ist faszinierend wie nah man am „Blob“ erzählt ohne ihn direkt zu zitieren oder zu parodieren. Ohnehin wird kein bestimmter Film aufs Korn genommen, sondern einfach das Genre an sich.

Schon in den 50er Jahren schaukelten sich die Ideen hoch, was da alles so vom All kommen könnte. Da kamen Teenager aus dem Weltraum, Frauen die Männer zum Erhalt der Gattung brauchten, menschenfressender Schleim, der Phantasie waren keine Grenzen gesetzt. Warum also nicht Killerclowns? Wer würde eine solche Invasion schon glauben? Und genau auf diesem Punkt hätte man noch etwas mehr aufbauen können.

Man ist es von Werken aus den 80er Jahren (nicht nur im B-Filmbereich) gewohnt, Lücken in der Handlung zu erleben und/oder eine mangelnde Basis für Erklärungen. Es wäre doch nett gewesen zu erfahren, ob die Aliens die Clowngestalt nur für die Erde angenommen haben, da sie diese zuvor beobachteten (Parodiemöglichkeit zu "Krieg der Welten"). Ein anderer netter Ansatz wäre gewesen, dass sie schon einmal vor langer Zeit auf der Erde waren und die gesamte Clownkultur durch einen vorherigen Invasionsversuch entstanden ist (um das Geschehene zu verarbeiten?). Leider bleiben die Hintergründe der Clowns unbekannt, was nicht wirklich schlimm ist, womit man aber einige Möglichkeiten verschenkte.

Etwas weniger weit hergeholt ist mein wichtigster Kritikpunkt: die Charaktere und Darsteller kommen nicht über B-Film-Niveau hinaus. Das mag auf dem ersten Blick für einen so kleinen Film o.k. sein, man muss aber beachten, dass „Space Invaders“ B-Filme parodieren möchte. Und da ist es schon schade, dass das Werk sich in seiner Erscheinung dabei nicht anders gibt. Er ist im Endeffekt das, was er parodiert. Diese Position ist nicht unbedingt schlecht zu nennen, das Grundprinzip der Genreparodie geht dabei allerdings nur halb auf.

Die Invasion selbst ist eine herrliche Verarsche auf die Kinokultur des Alieninvasions-Bereiches, das Drumherum ist im groben nur das was man sonst auch zu sehen kriegt. Inszenatorische und schauspielerische Schwächen wurden leider nicht deutlich aufs Korn genommen. Mit richtig guten Schauspielern, die schlechte hätten spielen müssen, hätte daraus mehr werden können.

Diese hätten sicherlich aus den dünnen Charakteren des, in diesem Punkt, dünnen Drehbuchs mehr herausholen können. Im fertigen Film sticht jedoch nur eine Figur besonders heraus: die des Polizisten Mooney. Der wird auf wunderbare Weise böse verkörpert, spielt mit sichtbarem Spaß an der Freude und weiß seine Mimik (gerade in der Bauchrednerszene) gekonnt einzusetzen und wirkt somit nicht so blass wie die restlichen Klischeefiguren. Dass man für eine Parodie am besten mit solchen Stereotypen arbeiten sollte ist nicht von der Hand zu weisen, aber auch sie hätten eine Spur Individualität vertragen können.

Nun will ich den Film allerdings nicht verreißen. Er ist in meinen Augen ein kleiner Partykracher, der es nicht verdient hat derart in Vergessenheit zu geraten. Er hat viele witzige Ideen, ist für seine Art Film relativ hart (wenn die FSK 18 aus heutiger Sicht auch übertrieben wirkt), ist gut getrickst und an den richtigen Stellen auch gewollt schlecht. So weiß er seine 90 Minuten lang zu unterhalten. Der letzte Schritt sich als Komödie von jenen Filmen zu lösen, die hier eigentlich parodiert werden, gelingt ihm allerdings nicht, da er dafür leider nicht alle Ebenen eines solchen Werkes veräppelt. Schade dass so viele Menschen diesen gewollten Trash nicht kennen. Auf der anderen Seite vielleicht auch gut so. So bleibt uns wenigstens eine uncharmante Neuverfilmung erspart. 


Trailer,   OFDb

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