Sonntag, 2. Dezember 2012

ALIEN PREDATORS (Alien Predator 1986 Deran Sarafian)


Ein Alienvirus lässt Menschen zu Killern mutieren...


Auf Krampf ein Film...

Manchmal frage ich mich, was einige Leute bewegt einen Film zu drehen. Ist es bei solch schlechten Produkten wie „Alien Predator“ wirklich nur der Ruf des schnellen Geldes? Glaubte Sarafian er hätte das nötige Talent? Glaubte jemand die Geschichte wäre erzählenswert?

Letzteres kann man eigentlich getrost verneinen, denn „Alien Predator“ erzählt nicht wirklich eine Geschichte. Viel mehr fasst er verschiedene halbe Ideen zusammen, ohne eine davon konsequent zu verfolgen, nicht einmal die Hauptgeschichte um außerirdische Parasiten/einem außerirdischen Virus.

Hin und wieder darf man einen Matscheffekt sichten. Das wird den Gore-Freund gefallen. Zufällig ergibt sich auch mal hin und wieder ein atmosphärischer Moment. Wenn man wahllos Szenen für einen Horrorfilm dreht, ist dies ähnlich wahrscheinlich, wie Fips Asmussen 1 Stunde bei seinem Witzemarathon zuzuhören. Irgendwann muss einfach zufällig ein Treffer dabei sein.

Regisseur Sarafian erweist sich insgesamt jedoch als sehr schlechter Geschichtenerzähler. Die an sich schlichte Geschichte wird extrem verkrampft eingefangen. Das merkt man am deutlichsten an den völlig unrealistischen Dialogen, die streng und banal zugleich sind, durch ihr unterstes Niveau aber immerhin zu belustigen wissen.

Die Charakterzeichnung ist ähnlich verkrampft, kann sich aber nur bedingt in die unfreiwillige Komik retten. Da ist zwar der ein oder andere Lacher drin, damit die Möchtegern-Geschichte funktioniert müsste aber immerhin ab und an eine glaubhafte Verkörperung hinhauen. Das tut sie jedoch nie.

Zu den lustigsten Szenen würde ich jene zählen, in der selbst das Bild des spießigen Amerikaners extremst aufgeblasen wirkt: zwei männliche Teenager und ein weiblicher touren durch Spanien. Einer macht einen banalen Annäherungsversuch, der mehr plumper Sexwitz als wirkliche Anmache, geschweige denn Belästigung war. Daraufhin rastet die Jugendliche komplett aus. Schimpft sie wäre nicht mitgefahren um als Flittchen abgestempelt zu werden. Beweist weder einen Funken Würde oder Humor, noch schimpft sie wenn über das richtige: einem geschmacklosen Witz.

Der dumme Spruch war für sie eine Fast-Vergewaltigung und ein kurzer Umriss ihres Charakters in einem. Während sie auf die beiden Männer niederschimpft rasselt die Darstellerin verkrampft ihren Text runter, bewegt sich dabei ungelenk und bemüht sich lächerlichst um ein gekonntes Spiel. Es ist sehr lustig zu beobachten. Kaum ist die Dame aus dem Wohnmobil ausgestiegen, fängt nun der Softie der beiden Herren an mit dem Sprücheklopfer zu schimpfen. Kein gemeinsames Lachen über eine verbitterte Ziege, keine jugendlichen Albernheiten, stattdessen der Vorwurf mehr Respekt im Alltag durchscheinen zu lassen.

Noch mehr Witzigkeit bekommt die Szene, wenn man bedenkt, dass die Frau die beiden Männer gerade erst geweckt hat. Dann kam es zu dem Spruch, 1 – 2 Minuten schimpfen, und dann will die Frau einkaufen gehen, alleine! Als netter Mensch hätte man mit diesem Plan im Hinterkopf zwei friedlich schlafende Gestalten ruhig noch etwas länger nächtigen lassen können.

Dass die Frau die ganze Zeit über ins klassische Geschlechterbild getreten wird, mit kochen, einkaufen und Co, während sie auf der anderen Seite bewundernd einem Mann dabei zusieht, wie er ein Auto repariert, klingt zunächst witzig, erklärt sich teilweise dann jedoch durch die Geschichte, die uns erklärt, dass die Frau für ihre Hausfrauen-Dienste gratis mitreisen durfte. Na dann...!

Der eigentliche Horrorpart ist ziemlich billig zusammengeschustert. Die erste Filmszene hätte man sich aus Mangel an ereignisreichem Bildmaterial und Wichtigkeit für die Restgeschichte komplett sparen können. Das Fehlen einer Drehgenehmigung, für einen Drehort der nach Forschungsstation aussieht, wurde mit einer billigen Ausrede und Alternative umgangen, was zu einer grotesken Belustigung führt. Von da an erfährt man nie was wirklich Sache ist.

Ein herbeigerufener Wissenschaftler scheint zunächst böse, ist er aber dann doch nicht. Menschen sterben an einem Alien in ihnen. Vorher drehen sie durch, handeln mal menschlich, mal wahnsinnig, was zwar durch verschiedene Krankheitsstadien versucht wird zu erklären, aber dennoch im Grad des Wahns nie Sinn ergibt. Autos jagen Menschen, Kellnerinnen bringen im Wahn noch brav das Essen an den Tisch.

In der ersten halben Stunde verweigert sich der Film komplett einer Struktur. Ein wenig Teenie-Film da (immerhin mit teilweise freiwillig lustigen Dialogen und Situationen), Forschungs-Blabla da, ein Gore-Effekt hier, etwas Hintergrundwissen da. Meistens hält man sich mit Unnötigkeiten auf, wichtige Momente werden kaum vertieft.

Da Sarafian nie weiß was er will, wirkt der rote Faden in der Mitte, der zum Finale führen wird, idiotisch eingebracht. Die Flüchtigen gehen ihre Aktionen nach unlogischen Reihenfolgen an. Die Wahl wer was erledigt erscheint unsinnig, und dass alle von einer Krankheit befallen sind, die einen nach 48 Stunden bösartigst tötet, kümmert niemanden. So hat man trotz jeglicher Stress-Situation noch genügend Zeit für zwischenmenschlichen Streit der spießigsten Sorte, für kleine Witzchen über Dritte und für Liebeleien.

„Alien Predator“ ist nicht nur dreist in seinem Titelklau zweier großer Kinoerlebnisse, das ganze Etwas, was er darstellen soll, ist es ebenso. Die Geschichte ist ein wackeliges Stück Zusammenpappen verschiedener Handlungsstrukturen, die so nicht zusammen passen. Das Drehbuch schafft es nicht einen vernünftigen Dialog aufzuweisen, und die Darsteller sind unterste Schublade. Immerhin ist diese gebündelte Schlechtigkeit halbwegs witzig umgesetzt. Ein wirklich unterhaltsames Trash-Erlebnis ist der Streifen jedoch auch aus Sicht der unfreiwilligen Komik nicht geworden. Während er auf der einen Seite belustigt, nervt er auf der anderen Seite zu extrem. Wenn überhaupt sollte man den Film zu mehreren Leuten gucken. Alkohol könnte hilfreich sein.


Trailer,   OFDb

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