Samstag, 1. Dezember 2012

ALIVE OR DEAD - DIES IST DEIN LETZTER ATEMZUG (Alive Or Dead 2008 Stephen Goetsch)


Spät abends kommt Maria in der Einöde an einem Bus vorbei, der am Straßenrand steht und auf dem mit Blut geschrieben die Worte „Help Me“ auf der Scheibe stehen. Kein Handyempfang und das eigene Auto nicht mehr fahrtüchtig, steigt sie vorsichtig aus um nachzusehen was los ist. Im Bus hat ein Massaker stattgefunden. Eine Frau lebt noch. Als Maria diese gerade befreien will, kommt der Killer zurück. Sie muss sich im Bus verstecken, und der Killer fährt los...


Die haarsträubende Reise in einem blutigen Bus...

Es ist immer so eine Sache mit den besonders billig produzierten Filmen, zu denen auch „Alive Or Dead“ zählt. Solche semiprofessionellen Produktionen machen optisch schon recht wenig her, man muss nachsichtig mit der Schauspielleistung sein, und die in Deutschland veröffentlichten Werke dieser Art bekommen meist mäßige bis sogar schlechte Synchronisationen beschert.

Die Deutschvertonung von Goetschs Werk, dessen Langfilm auch seine erste Arbeit darstellt, darf sich zu den glücklichen der mäßig synchronisierten Veröffentlichungen zählen. Das Gelbe vom Ei ist die Vertonung trotzdem nicht. Bereits die Deutschfassung lässt vermuten wie viel angenehmer, ja sogar echter, sich das Original gucken lässt, werden doch Sequenzen unter Schmerz ohne Sprechsituation nicht extra vertont. Allein anhand des Gejammers kann man erkennen, dass die Darsteller sogar mehr drauf haben, als es bei uns den Anschein macht. Schade dass der mimische Bereich nicht auf gleichem Niveau war.

Ignoriert man einmal die eher peinliche Eingangssequenz, in welcher Maria mit Telefonsex beschäftigt ist, kann man über die Einleitung der Geschichte wahrlich nicht meckern. Wie die typische erste Szene eines Horrorfilms wirkend, entpuppt sich die Frau im Fahrzeug als Hauptfigur und Heldin statt als erstes Opfer des Streifens. Doch das ist nicht die einzige Überraschung.

Goetsch versteht es simplen Situationen einen glaubwürdigen Touch zu bescheren. Er denkt an Kleinigkeiten, lässt die Reaktionen der Figuren dadurch glaubhaft wirken und lässt sich trotz seines Hauptaugenmerks einen blutigen, sehr harten Horrorfilm zu drehen, viel Zeit für das Entstehen von Atmosphäre und Spannung. Gerade die erste halbe Stunde steht Pate dafür, geht die Geschichte doch Schritt für Schritt vorwärts und stürzt sich somit nicht sofort ins Eingemachte.

Man muss mit so einigen Überraschungen rechnen. Manch eine erfordert einen harten Magen, manch andere serviert uns neue Umstände als die anfangs gedachten, andere sind nur Momente der flinken Überraschung, beispielsweise wenn ein aus dem Fenster starrender Killer sich doch als nicht so blöd wie seine vielen Horror-Kollegen entpuppt, und er wie aus dem Nichts auf ein Bett zu rennt, um sich die Heldin zu packen, die sich darunter versteckt hat. So manches mal erscheint der Killer wenn man nicht mit ihm rechnet, das fördert die Spannung, passiert aber leider auch ab und an in sehr unlogischen Situationen.

Da fährt man Ewigkeiten mit dem Bus, beendet die Flucht, und urplötzlich kommt der Killer angerast, so als habe er am Fahrzeug geklebt, was aber nicht sein kann. Doch die gerade beschriebene Szene befindet sich schon Richtung Finale, und bis dahin hat man noch Klöpper der ganz anderenArt gesehen.

Machte die erste halbe Stunde noch den Eindruck eines zu Unrecht verrissenen B-Film, so bestätigt sich nach und nach das Gemecker anderer Filmrezensenten. Unlogische Subplots werden eingefügt, die nicht einmal entfernt Sinn machen, blutigen Sequenzen wird nun mehr Beachtung geschenkt, was an der bisher stimmigen Atmosphäre nagte, und viele Taten sind einfach nicht mehr nachvollziehbar, angefangen bei der Burgbesichtigung.

Dass die Dialoge nicht das Gelbe vom Ei sind, zeigte sich recht früh, im Laufe des Films erschienen sie mir aber immer plumper. Zusammengefasst kann man ohnehin behaupten, dass Goetsch immer jene Szenen gut im Griff hat, in denen nicht geredet wird. Auch Momente kleiner Taten wissen zu überzeugen, während große, für die Geschichte wichtige Taten ständig den Bereich der Idiotie kreuzen. Schade dass der Regisseur zwischendurch immer gewaltig in die Kacke haut, während er an anderen Stellen öfters beweist welchen Hoffnungsschimmer er für den Bereich des Independent-Horrors hätte sein können.

Zwar machen die Negativpunkte wirklich viel vom Ergebnis kaputt, guckbar bleibt der Streifen dennoch, wenn auch mit ernüchterndem Ergebnis. Gorehounds werden bestens bedient mit harten Szenen, wobei es schön ist, dass nicht jeder dieser Momente Nahaufnahmen erfährt. Manches guckt sich ungeguckt bzw. nicht deutlich geguckt noch intensiver.

Die Geschichte gehört sicher nicht zu jenen auf die man gewartet hat, ganz im Gegenteil. In der Theorie hat man das alles schon viele Male gesehen. Aber Goertsch weiß es seine eigene Handschrift erkennbar zu machen und bereichert den Einheitsbrei mit vielen kleinen positiven Ideen. Leider hapert es an den Dialogen und noch mehr an der Logik, einen Bereich bei dem es zu Anfang noch wirkte, als habe der Mann ihn im Griff. 


Trailer,   OFDb

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