Sonntag, 9. Dezember 2012

DAS EULENHAUS (Poirot: The Hollow 2004 Simon Langton)


Hercule Poirot hat sich in der ländlichen Nähe von London ein kleines Ferienhaus gemietet, just wird er von der reichen Nachbarsfamilie Angkatell zum Essen eingeladen. Bereits am Tag darauf wird der Meisterdetektiv aus seiner Gemütlichkeit gerissen, da es innerhalb des nachbarschaftlichen Familienkreises zu einem Mord kam. Der untreue Jonathan Christow wurde ermordet, und am Tatort fand man seine Ehefrau Gerda mit der Waffe in der Hand. Poirot vermutet einen anderen Täter, und als bei polizeilichen Ermittlungen herauskommt, dass die Pistole in Gerdas Hand nicht die Tatwaffe war, scheint sich Hercules Verdacht zu bestätigen...


Und wieder kein Urlaub...

Es gehört zu den Ritualen bzw. zu den Running Gags der Kriminalfälle des berühmten Hercule Poirot, aus der Feder der Schriftstellerin Agatha Christie, dass der Meisterdetektiv häufig während seines Urlaubs zufällig auf Kriminalfälle stößt, die es zu lösen gibt. Da macht „Das Eulenhaus“ keine Ausnahme, ein Film, der nicht nur zum Kreis der Vielzahl an Poirot-Verfilmungen gehört, sondern Teil einer recht langen Poirot-Reihe ist, in welcher David Suchet den Kriminalisten mimt. Seine Routine sieht man ihm an. Suchet könnte diese Rolle im Schlaf spielen. Er weiß zu überzeugen, was man von seinem Bärtchen leider nicht behaupten kann, welches die Maske eher schlecht in seinem Gesicht platzierte.

Zu den Ritualen um die Geschichten Poirots gehört es auch, dass der Detektiv nach aufmerksamen Beobachtungen die Verdächtigen um sich versammelt, den Fall komplett rekonstruiert, um dann den Täter zu verraten. Doch genau von diesem wichtigen Bestandteil löst man sich bedauerlicher Weise in „The Hollow“, so der Titel des Teils im Original.

Das mag daran liegen, dass Poirot diesmal selbst auf der Stelle tritt, und mehr per Zufall auf des Rätsels Lösung stößt. Hierfür greift er auf einen psychologischen Aspekt zurück, und der ist doch sehr dünn, so dass man diesmal etwas enttäuscht zurück bleibt. Wo Poirot einem sonst die Lücken im eigenen Denken serviert, uns zeigt was wir beim Mörder mitraten übersehen oder vergessen haben, da gibt es dieses Mal am Schluss eine Täteraufdeckung, und der Mörder erklärt seine Beweggründe selbst. Da die Auflösung an sich auch noch recht unbefriedigend ist, und einige Rätsel aus den Ermittlungen nicht wieder aufgreift (was war für Poirot nun so rätselhaft am Bild der um die Leiche stehenden Verwandtschaft am Pool?), bleibt dieser Kriminalfall diesmal nur Routine.

Dass dies nicht an der Reihe selbst liegt, bewies mir jüngst der Film „Das unvollendete Bildnis“, der Freunden der Romane Christies und speziell jenen über Poirot das bot, was diese sehen wollten. Da „Das Eulenhaus“ keine eigene Geschichte war, sondern brav eine Romanvorlage nachkaute, mag der Fehler auch in diesem Bereich nicht zu finden sein. Das fehlende Eulenhaus aus dem Titel ist auch kein Grund für diese Enttäuschung, wobei es mich interessieren würde, ob es wenigstens in der Printmedie einen Zusammenhang zum Titel gibt.

Der Verdächtigenkreis ist diesmal gering. Zu viele Rollen fallen in den Hintergrund, manche lernt man gar nicht erst richtig kennen. Eine der bedeutensten Rollen, jene der Hauptverdächtigen Gerda, ist zudem störend charakterisiert, da sie die Naivität und Anhänglichkeit in Person ist. Etwas weniger Übertreibung hätte gut getan, und der psychologische Kniff, dass sie als Verdächtige bestehen bleibt, eben weil sie so naiv ist und sich mit der Tatwaffe am Pool erwischen lässt, hätte auch mit weniger Übertreibung in ihrem Charakter funktioniert.

Über die Schauspieler an sich kann man nicht meckern. Die wirken alle professionell, kleine wackelige Momente der Inszenierung werden vom Film selbst aufgefangen, wenn Poirot etwas augenzwinkernd darauf verweist, dass sich manches in diesem Fall wie ein Theaterstück gucke. Dieser Satz gehört zu den wenig humorvollen Momenten des Films, lediglich manche Mimik weiß einen gewissen Witz aufblitzen zu lassen.

Sieht man einmal von Poirots Bart ab, haben auch Maske und Requisite exzellente Arbeit geleistet. Auf schlichte Art schaffte man es eine vergangene Zeit wieder aufleben zu lassen, was auf dem Lande sicherlich einfacher zu bewältigen war als in den wenigen Szenen, die in der Stadt spielen.

Mühe und Herzblut war vorhanden. Der Wurm steckt in der Geschichte selbst, die nicht nur zu wenige Verdächtige serviert, sondern auch einen uninteressanten Täter in einer Poirot-ungewöhnlichen Auflösung, die diesmal nicht mit den Schwächen des Zuschauers zu spielen weiß. Was sich in der ersten Stunde wie ein weiterer gelungener Beitrag der Suchet-Poirotreihe schaut, entgleist im letzten Drittel mehr und mehr jener Qualität, die ich aus „Das unvollendete Bildnis“ kannte.

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