Freitag, 28. Dezember 2012

DER TAG, ALS DIE BEATLES (BEINAHE) NACH MARBURG KAMEN (2006 Michael Wulfes)


Ferdi Killian steht gerne im Mittelpunkt und ist sehr leichtgläubig. Also lässt er sich von einem angeblichen Konzertveranstalter dazu überreden die Vorbereitung für ein baldiges Beatleskonzert im kleinen Marburg zu übernehmen...


Eine klitzekleine Geschichte...

Etwas mehr Spielszenen und etwas weniger Dokumentarszenen hatte ich mir beim Sichten dieses kleinen Ausnahmestreifens schon gewünscht. Was ich sehen durfte war allerdings nur ein Dokumentarfilm mit einigen wenigen gespielten Szenen. Für einen solchen hält man sich dafür erfreulich an die Fakten, überdramatisiert nichts und manipuliert nichts. Das mag an der Schlichtheit dessen was erzählt wird liegen, aber mit Sicherheit auch daran, dass weder Briten noch Amis an diesem Dokument herumpfuschten.

So bekommt man die herrlich drollige und leicht dramatische Geschichte erzählt, wie sich die Marburger in den 60ern ernsthaft davon überzeugen ließen, die Beatles kämen zu ihnen in die Stadt, obwohl die Pilzköpfe kurz zuvor erklärten nie mehr öffentlich aufzutreten. Der Hauptverantwortliche dieser kleinen Katastrophe, und wohl auch das größte Opfer von allen, ist mittlerweile tot. Ferdi Killian kann also nichts mehr dazu sagen, seine wichtigen Szenen werden gespielt. Der Rest ist original dabei und erinnert sich erfreulich ehrlich an das besagte Jahr. Man geht auch kritisch mit dem Toten um, dies selbstverständlich nicht böswillig.

Themen die nur dazu gehören, um gewisse Umstände zu verdeutlichen, wie z.B. die mögliche Homosexualität der zentralen Figur, werden glücklicher Weise nur angeschnitten. Beim Sichten wird einem schnell klar, dass hier niemand etwas Lockerflockiges ins Reißerische zerren wollte. Nein, man ist schlichtweg bemüht die schrullige Geschichte möglichst original an den Mann zu bringen. Letztendlich ist das Geschehnis nur gravierend für die Opfer, und selbst dies nur zur damaligen Zeit vergangener Teenie-Schwärmereien. Aber was hier erzählt wird, ist gleichzeitig eine jener kleinen Alltagsgeschichten, die sich zu erzählen auch lohnen.

So verwöhnt wie man heute dank Medien und Informationsfluten ist, wirkt alles, was geschah, unheimlich naiv. Bedenkt man jedoch die Zeit, und zudem in einem Kaff welches nicht einmal Ampeln hatte, erkennt man wie ungerecht diese Naivität ist. Sie ist dennoch nicht zu übersehen und gibt dem Werk erst die nötige Sympathie.

Untermalt wird die Dokumentation nicht nur von Liedern der Beatles, sondern auch von anderen bekannten Beatinterpreten seiner Zeit. Außerdem gibt es kurze thematische Abstecher in die Ecke Oswald Kolles und der zur Beatmusik parallelen Schlagerszene. Das ist wichtig, da beides beeinflussenden Elemente seiner Zeit waren und somit mitbeachtet werden müssen. Lediglich das Verhalten der Presse wird mir für meinen Geschmack zu kurz gehalten. Aber wer weiß, vielleicht war da aufgrund der kritischen Haltung, in Bezug auf die Fragwürdigkeit ob das Konzert ernsthaft stattfinden würde, auch gar nicht mehr in öffentlichen Medien dazu zu lesen/hören/sehen. Immerhin arbeitet diese Doku dafür etwas anderes wunderbar heraus: Wie Skeptiker sich mit der Zeit langsam umstimmen ließen.

Die schlichte Geschichte ist auf jeden Fall erzählenswert, ein Reinschalten sei also ans Herz gelegt. Den letzten Schliff bekommt dieses schrullige Geschehnis durch den tragischen Charakter des Hauptbetroffenen, den man nach den Berichten der Zeitzeugen fast zu kennen glaubt.

Es ist trotzdem schade, dass dieser Bericht nicht in Spielfilmform umgesetzt wurde. So schön es auch ist die echten Betroffenen reden zu hören, es wäre schön gewesen, das was geschehen ist, tief eingetaucht in einer gespielten Erzählung, mitzuerleben. Aber vielleicht denken ja mal deutsche Filmemacher wie Peter Thorwarth oder Hans-Christian Schmid daran sich dieser wundervollen Geschichte voller Komik, Tragik und Musik anzunehmen.


OFDb

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