Freitag, 7. Dezember 2012

RESONNANCES - DIE WÜRMER SIND ZURÜCK (Resonnances 2006 Philippe Robert)


Gerade haben drei junge Männer unwissendlich einen Mörder per Anhalter mitgenommen, da bauen sie einen Unfall und finden sich in einem Wald wieder, in dem große Killerwürmer zu leben scheinen...


Unangenehmer als jeder Bandwurm...

Im Meer der auf DVD erscheinenden Billigproduktionen im Horrorbereich kommt es immer wieder zu kleinen Überraschungen. Nichts erwartend zog ich mir diesen kleinen, französischen Streifen rein, der auf dem Cover stolz behauptete er sei wie ein Mix aus „Tremors“ und „Hitcher – Der Highwaykiller“. Okay, da gibt es inhaltliche Parallelen, aber die gibt es zwischen „Hui Buh“ und „Poltergeist“ auch, also halten wir über diesen Werbespruch besser den Mantel des Schweigens.

„Resonnances“ ist lediglich ein kleiner Film mit netten Momenten, aber auch ein solches Werk hätte es nicht nötig, dass man anhand berühmterer Vergleichstitel ein Publikum lockt. Sinn macht das eh meist nie, oft sind die Vergleiche schlichtweg falsch, wie schon die Werbung zu „Saw“ zeigte, die den Film mit „Sieben“ verglich. Beim hier besprochenen Film orientierte sich der Werbetexter scheinbar ohnehin nur am deutschen Beititel. Dieser veranlasste mich die DVD zu kaufen, entpuppte sich aber streng genommen als Etikettenschwindel. Welcher Art der nun genau ist, möchte ich nicht spoilern, nur so viel sei verraten (da es am Anfang des Films ohnehin erwähnt wird): Die Gefahr ist außerirdischer Natur.

Wirklich wichtig ist das alles aber ohnehin nicht. Die „Würmer“ bekommt man kaum zu Gesicht, die erste Hälfte beschäftigt sich mehr mit der Anwesenheit eines Psychokillers, und die Spezialeffekte sind unterste Schublade, da interessieren die tatsächlichen Tierauftritte ohnehin nur zweitrangig. Wie schlecht die Spezialeffekte sind, wird glücklicher Weise mit der ersten Szene direkt verraten. Im Vergleich zu dieser kann ich allerdings entwarnend sagen, dass die Tiereffekte immerhin eine Spur besser ausgeführt wurden, ja sogar das beste an Computereffekten in diesem Horrorfilm sind. Billig sind sie dennoch.

Aber auch ein schundiger Film in billiger Optik kann in den seltensten Fällen unterhalten. „Resonnances“ tut dies, was mitunter an der kurzweilig gehaltenen Erzählweise liegt. Der Film geht mit Abspann um die 75 Minuten und dank der zwei Bedrohungen (Killer und Alien) inklusive kurzer Momente von Spukhorror-Elementen gehen diese auch flott rum. Der Ablauf der Geschichte geschieht nach bewährtem Muster. Aber die kleinen Handlungen innerhalb solcher Szenen, oftmals die Dialoge, geben dem ganzen ein erfrischendes Etwas. Da werden Innovationen gemischt mit abgeguckten netten Ideen, und man merkt den Verantwortlichen den Spaß an der Freude an. Obwohl „Resonnances“ kein Amateurfilm ist, guckt er sich ein wenig wie einer, weshalb man ihm einiges durchgehen lässt. Augenzwinkernd schauen heißt hier die Devise, und da die Verantwortlichen sich der Defizite bewusst waren, wird der Film ohnehin des öfteren humoristisch erzählt.

Dies zeigt sich nicht nur in kleinen Wortwitzen, sondern auch in ausgefallenen optischen Ideen, wie einer Kamerafahrt durch den Erdboden, untermalt mit der unterirdischen Akustik zum Sound eines Telespieles, welches auf der Erde liegt. Solche Ideen gibt es genug, meist den Bereich des schwarzen Humors streifend. Von einer wirklichen Horrorkomödie würde ich dennoch nicht sprechen.

Übrigens hatte man nicht nur die kleinen Anflüge Humor im Griff, sondern auch den spannenden Bereich. Durchgehende Spannung gelingt der Regie nicht, aber spannende Momente sind vorhanden. Unter den billigen Umständen ist das schon viel.

Im Vorspann überraschte unter dem Bereich der musikalischen Verantwortung der Name Richard Sanderson, der den meisten wohl durch sein Lied „Fantasy“ bekannt sein dürfte, jene Schnulze, die den Klassiker „La boum – Die Fete“ versüßte und seinerzeit ein großer Hit war. Hitverdächtig ist die Musik von „Resonnances“ nicht, sie bietet lediglich üblichen Durchschnitt. Auch die Darsteller sind nicht mehr als das, aber sie geben sich Mühe und dürfen immerhin greifbare Charaktere verkörpern.

Angenehm kommt der geringe Anteil an Unlogiken hinzu, die größte lässt sich jedoch nicht ignorieren: Wenn die „Würmer“ durch den Erdboden sausen, reißen sie alles nieder. Autos springen durch die Luft, und Bäume werden ausgerissen. Dennoch sieht das Fleckchen Erde, auf dem die außerirdische Macht nun schon seit mehreren Jahrhunderten wütet, wie ein ganz normales Stück Natur aus. Auch spätere Vogelperspektiven zeigen einen perfekten Wald, an dem jedes Teil auf seinem rechten Fleck sitzt. Ansonsten gibt es nur filmtypische Ungereimtheiten, der individuelle Stil lenkt von diesen aber gut ab und lässt einen ohnehin nicht meckern, dafür macht das Gezeigte einfach zu viel Spaß.

Die zwei Handlungselemente Psycho-Anhalter und Killerwürmer werden nett miteinander kombiniert. Gerade in der Auseinandersetzung mit dem bösen Element der Gruppe innerhalb der außerirdischen Gefahr vermeidet man gängige Hollywoodklischees. Immer wieder überrascht der Streifen mit Figurentaten, die gar nicht der Routine entsprechen. An solchen Filmen merkt man auch, wie sehr man gängige Muster bereits erwartet und wie sehr man als Konsument des US-Unterhaltungskinos bereits abgestumpft ist. Die Alternativen in „Resonnances“ sind simpler Natur, Kleinigkeiten am Rande, und doch sind es gerade diese Bereiche, die das Schauen so viel angenehmer werden lassen.

Der deutsche Ton ist übrigens eine dieser mittelüblen Synchronisationen, bei denen den Sprechern scheinbar jede Motivation fehlte. Ich habe diesen aber auch recht schnell umgangen, denn die deutsche DVD liefert uns glücklicher Weise alternativ den französischen Originalton mit deutschen Untertiteln. Damit guckte sich der Film auch gleich wesentlich angenehmer.

Was die FSK 18-Freigabe soll ist mal wieder ein Rätsel. „Resonnances“ ist ein harmloser Streifen, der zwar ganz selten theoretisch harte Szenen bietet, diese aber sehr sanft und unblutig präsentiert. Da auf der Scheibe nur ein Trailer eines weiteren Filmes enthalten ist, und dieser ähnlich harmlos wie der Hauptfilm ist, kann die 18er-Zuordnung eigentlich auch nicht vom Zusatzmaterial kommen. Wahrscheinlich verkauft sich ein Tierhorror mit dem kleinen roten Kasten einfach besser, als mit grünem oder blauen.

„Resonnances“ ist ein netter kleiner, wenn auch belangloser, Streifen, der kurzweilig unterhält, wegen seiner billigen Umsetzung aber auch verärgert. Es wäre schön gewesen, man hätte für ein solch nettes Drehbuch etwas mehr Geld zusammengekratzt, dann hätte man ein kompromissloses Stück Freizeitunterhaltung. So aber muss man leider über manches Manko hinwegsehen, um seine Freude mit diesem Billigstreifen zu haben.


Trailer,   OFDb

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