Sonntag, 16. Dezember 2012

THE MAJESTIC (2001 Frank Darabont)


Die USA zur Zeit der Kommunistenhatz: Drehbuchautor Peter Appleton wird beschuldigt ein Roter zu sein, was das Aus seiner Karriere bedeuten könnte. Also säuft Peter sich aus Frust einen an. Im betrunkenen Zustand fährt er mit dem Auto in einen Fluss und wacht an der Küste eines Städtchens wieder auf. Peter hat sein Gedächtnis verloren, wird im besagten Städtchen aber freudigst empfangen, da man ihn dort für den 9 Jahre lang vermissten Luke hält. Erst zweifelnd glaubt Peter erst nach einiger Zeit Luke zu sein, baut von da an mit seinem „Vater“ das Kino wieder auf, verliebt sich „erneut“ in die Dame die Luke einst zurück ließ und bekommt dann zufällig sein Gedächtnis zurück. Just in diesem Augenblick tauchen die Kommunistenjäger auf, die Peters Gedächtnisverlust für einen Trick halten. Sie und die Stadtbewohner fühlen sich von Peter betrogen...


Vertraue der Macht der Erinnerung, Luke...

Jim Carrey jenseits des Klamauks zu sehen tut immer wieder gut. Nachdem „Die Truman Show“ und „Der Mondmann“ immerhin noch am Komödien-Genre angrenzten, wagt Carrey diesmal den kompletten Schritt ins Drama. Hierfür hat er sich eine erzählenswerte Geschichte ausgesucht, und mit Regisseur Frank Darabont an Bord, der gerade erst mit dem Drama „Die Verurteilten“ nach Stephen King einen großen Erfolg feierte, schien es als könne nichts mehr schief gehen.

Theoretisch stimmt das auch, „The Majestic“ ist ein netter Film geworden – mehr jedoch nicht. Mit „Der Mondmann“ und „Die Truman Show“ kann er sich nicht messen. Und das liegt diesmal auch an Carrey selbst, der, so talentiert er eigentlich auch ist, diesmal nicht in jeder Szene vollends zu überzeugen weiß.

Ein kleiner Ausrutscher hier und da ist gewiss nicht all zu schlimm, der Fehler, dass der Film nicht in der oberen Liga mitspielt, muss woanders liegen. Dies ist zwar jetzt ein sehr subjektiver Punkt, aber mich konnte die Geschichte erst zum letzten Drittel hin mitreißen. Die Tragik des Gedächtnisverlustes, das unwohlige Gefühl als Zuschauer zu wissen, dass jeder sich irrt, die Romanze zu Lukes Ex, das waren alles Gefühle, die bei mir nicht richtig ankamen, zumindest nicht so, wie ein Drama eigentlich mitreißen könnte. Erst mit dem Tod des Vaters, dem Wiedererlangen des Gedächtnissen, in dieser Phase war ich mittendrin.

Zuvor guckte sich „The Majestic“ auch nett, aber einfach eine Spur zu soft. Der eigentlich gute Grund nicht zu dick auftragen zu wollen geriet zu einer Drama-Lightversion. Wäre die Geschichte nicht so gut gewesen, hätte dies gar das Aus für den Film bedeuten können. Immerhin findet die Zurückhaltung in der Inszenierung auch positive Punkte.

So ist beispielsweise das finale Bekennen zur Verfassung nicht so patriotisch eingefangen, wie es in Amerikas Dramen nur all zu gerne angegangen wird („Men Of Honor“, „Eine Frage der Ehre“, ...). Der Trick bei der Sache liegt daran, dass die Argumentation sich diesmal nicht auf das Wort Amerika bezieht, sondern auf den Begriff Demokratie. Damit konzentriert man sich auf den wichtigeren Begriff von beiden und schafft es, das Thema mit Würde und Sachlichkeit statt mit Pathos und Schnulz anzugehen.

Handwerklich stimmt an „The Majestic“ alles. Die Requisiten, Kostüme und Frisuren wirken echt, Kamera, Schnitt und Musik sind gut eingebracht und die Darsteller sind alle brauchbar besetzt, zumindest fiel mir niemand negativ auf. Kleine Gimmicks bereichern das Werk zusätzlich. So läuft beispielsweise im wieder aufgebauten Kino „Der Tag an dem die Erde stillstand“ und „Die Dämonischen“, Filme die nicht zufällig zu dieser Zeit aufgeführt wurden und mit dem Thema von „The Majestic“ mehr gemein haben, als der Laie vermuten mag.

Auch die Wahl des Titels kann man als gelungenen Kniff betrachten. Zwar ist der Aufbau des Kinos in der Geschichte selbst nur Nebensache, letztendlich vereint sich aber nur im „Majestic“ die Identität von Peter und die von Ichglaubeichbinluke-Luke.

Peters Entscheidung am Schluss hätte man inhaltlich wie „In Sachen Henry“ erzählen/begründen können. Auch dort ging es u.a. um den Verlust der eigenen Identität, mit dem Kniff, dass die Rolle von Harrison Ford sein altes Ich nicht mehr mag. Peters Entscheidung in „The Majestic“ kommt von anderer Seite, und da auch in diesem Bereich der Geschichte Zurückhaltung an der Tagesordnung stand, guckt sich auch das Happy End sehr angenehm und hinterlässt keinen bitteren Nachgeschmack durch Kitsch, Patriotismus oder anderen manipulativen Erzählmethoden.

Schade dass die Geschichte selbst von zu vielen Zufällen lebt und die lobenswerte Zurückhaltung dramatischer Mittel gleichzeitig dafür sorgt, dass Emotionen sich nicht so gut auf den Zuschauer übertragen lassen. An sich ist „The Majestic“ nämlich ein cleveres Filmchen gewesen, dessen Mühe aller Beteiligten man deutlich erkennen konnte. Neu für mich war, dass Jim Carrey doch noch den ein oder anderen Punkt im Bereich Schauspielerei erlernen muss. Das hätte ich nach seinen vielschichtigen Momenten in „Der Mondmann“ kaum vermutet.


Trailer,   OFDb

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