Mittwoch, 9. Januar 2013

BOOGEYMAN 2 - WENN DIE NACHT DEIN FEIND IST (Boogeyman 2 2007 Jeff Betancourt)


Laura und Henry werden als Kinder traumatisiert, als sie mit ansehen müssen, wie ihre Eltern vom schwarzen Mann getötet werden. Nach Jahren der Therapie wird Henry als geheilt entlassen. Draußen muss er feststellen, dass seine Schwester ebenfalls psychiatrische Hilfe benötigt, um ihre Angst vor dem Boogeyman zu besiegen. Sie lässt sich auf eine Behandlung ein, am selben Ort, an dem man bereits Henry helfen konnte. Doch kaum dort wohnhaft, geschehen merkwürdige Todesfälle, und immer mehr Menschen verschwinden...


Ein Irrer in der Psycho-Klinik...

Was macht die Bezeichnung einer Fortsetzung legitim? Die 2 hinter dem Titel? Eine lose Verbindung zum Vorgänger, z.B. durch eine kurze Erwähnung der dortigen Hauptrolle? Wie auch immer, wie meine Einleitung vermuten lässt, beschreitet „Boogeyman 2“ andere Wege als sein Vorgänger, und das betrifft nicht nur Stil und Charaktere, sondern auch das Subgenre, auf dem Regisseur Betancourts Film aufbaut.

Ich verrate sicherlich nicht zu viel, wenn ich erzähle, dass es hier nicht mehr um ein übernatürliches Wesen geht, sondern um einen menschlichen Killer, der im Kostüm des schwarzen Mannes Menschen lyncht. Zwar versucht man die Situation zunächst rätselhaft erscheinen zu lassen, damit der Zuschauer grübeln kann ob Boogeyman oder Psycho, aber im Hinblick zu Teil 1 steht ohnehin von Anfang an fest, was von beiden es wirklich ist. Der Boogeyman in Teil 2 kommt nicht aus dem Nichts, tötet mit Werkzeug, bewegt sich wie ein Mensch. Das steht alles im Widerspruch zur Kreatur aus Teil 1.

Glücklicherweise baut die Fortsetzung nicht nur auf das Rätselraten diesbezüglich auf, sonst wäre er eine Niete geworden. Auch wenn man von Anfang an weiß, dass man es hier mit einem Slasher zu tun hat, weiß „Boogeyman 2“ gut zu unterhalten, besser sogar als sein Vorgänger.

Dem Genrefreund wird es zunächst gefallen zu hören, dass Teil 2 etwas härter zur Sache geht. Das verrät bereits das rote Altersfreigabe-Siegel auf dem Cover. Wir bekommen Gedärme zu sichten, viel Lebenssaft und sogar manch ekelhafte Szene, bei der selbst eingefleischten Freunden von Horrorkost anders werden könnte. Maden, die an offenen Wunden wandern und ihre Reise unterirdisch fortsetzen wären nur ein Beispiel von etwa 3 – 5.

„Boogeyman 2“ hat aber qualitativere Trümpfe. So ist die Anzahl der in Frage kommenden Täter zwar recht gering, aber das Mörderraten macht dennoch Spaß. Die Auflösung kommt nicht überraschend, aber sie ist sinnvoll, weiß auch mit der Auflösung noch ein Finale lang zu unterhalten und wird ergänzt durch einen zusätzlichen Schluss, der den Zuschauer mit einem kleinen Rätsel allein lässt.

Die Optik ist glücklicher Weise nicht mehr so glänzend poliert wie im Vorgänger. „Boogeyman 2“ ist weit weg von den grobkörnigen Bilder, die Filme der 70er Jahre so sympathisch erscheinen lassen, aber die optische Qualität passt diesmal zu den düsteren Aufnahmen. Da der Großteil der Figuren psychotische Wracks sind, passt auch die Charakterisierung der Figuren gut zum Look. Hier gibt es keinen Strahlemann, keine Vorzeige-Helden. Hier gibt es nur Menschen am Abgrund, in einem Szenario das ein wenig an „Nightmare On Elm Street 3“ erinnert, der auch in einer psychiatrischen Anstalt spielte.

Dank eines stimmigen Soundtracks und einer recht spannenden Umsetzung, weiß „Boogeyman 2“ wesentlich mehr zu packen als sein Vorgänger. Auch Betancourt ist nicht der große Wurf gelungen, aber ein dichter Horror-Thriller, der Spannung, Ekel und das Rätselhafte seiner Geschichte alles so dosiert, dass es dem Zuschauer schmecken wird. Da stört es auch nicht weiter, dass Teil 2 mit Teil 1 fast gar nichts gemein hat. Schade dass Regisseur Betancourt bis auf diesen sympathischen Genrebeitrag noch nichts gedreht hat.


Trailer,   OFDb

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