Freitag, 18. Januar 2013

UNTERNEHMEN FEUERGÜRTEL (Voyage To The Bottom Of The Sea 1961 Irwin Allen)


Die Erde wird von einem Feuergürtel umringt. Der Menschheit bleibt nicht viel Zeit ihren Planeten zu retten. Ein Atom-U-Boot fährt los um an einer bestimmten Stelle eine Bombe zu zünden. Doch der Plan ist umstritten und die Zeit wird immer knapper...


Kein Grund hitzig zu werden...

Dieses Filmchen ist ein Science Fiction-Katastrophenfilm mit einer eher kleinen, dafür aber besonders bescheuerten Geschichte. Der Erde geht es gar nicht gut. Ein Flammengürtel lodert im All, einmal ringsherum um die Erde gespannt und erhitzt unseren Heimatplaneten. Als Antwort, wenn auch als angezweifelte, muss eine Atombombe herhalten. Und so handelt der eigentliche Film von einer U-Boot-Fahrt, denn die Bombe muss zu einer bestimmten Zeit von einem bestimmten Ort aus abgefeuert werden.

Sie fahren und fahren, sie streiten und streiten. Eine mögliche Meuterei und das Anzweifeln des Geisteszustandes des Kommandierenden schleichen sich in diese dünne Geschichte mit ein, und ja, ich muss sagen, genau das sind die Aspekte, die diesen Film unterhaltsam machen. Im Gegensatz zu anderen Filmen weiß der Zuschauer nämlich wirklich nicht, was er von der Situation halten soll. Ob die Lösung die richtige ist, kann er noch weniger beurteilen wie die Frage nach der Richtigkeit des Verhaltens des Kommandierendens. Und gerade die Auflösung in diesem Punkt kann man als sehr überraschend und geglückt bezeichnen.

Doch ursprünglich schaltete man deswegen nicht ein. Man wollte eine Science Fiction-Geschichte sichten, und sei es nur in Trashform. Den geringen Anteil dieses Genres kann man schließlich auch problemlos Trash nennen. Die Naivität der Geschichte kann nicht einmal durch seine frühe Entstehungszeit entschuldigt werden. Dass in kleineren Punkten die wissenschaftlichen Erkenntnisse noch nicht so weit waren, mag sein. Aber allein die Grundidee ist ja schon so herrlich idiotisch wie jene in "Ein Riss in der Welt", und selbst die klingt wahrscheinlicher als das Thema in "Unternehmen Feuergürtel".

Da das ganze in einem U-Boot spielt baute man etwas ein, dass bereits zur damaligen Zeit als Pflicht angesehen wurde (wohl u.a. durch Jules Vernes-Verfilmungen), obwohl es für diese Thematik absolut unnötig war. So erleben wir während eines Tauchgangs den Angriff eines Riesen-Tintenfisches auf zwei Menschen und im letzten Drittel gar eine Attacke eines Riesenoktopus, der sich gleich das ganze U-Boot krallen will. Interessant ist, dass diese Bonusse so gar nicht attraktiv wirken.

Selbst als Unnötigkeit hätten diese Viecher den Unterhaltungswert des Filmes theoretisch anheben können. Aber dem Regisseur fehlte in beiden Fällen das Gefühl für eine abenteuerlich atmosphärische Umsetzung, und die Spezialeffekte standen ihm auch nicht unterstützend zur Seite. Ganz besonders der Angriff auf die 2 Taucher wird durch die Ungelenkigkeit des Tintenfisches einfach nicht wirksam. Ohnehin sind die Tricks des Streifens, selbst für das Jahr 1961, recht uneffektiv. Das Miniatur-U-Boot hat seine nostalgisch netten Ausnahmeszenen, und die Szene eines Blickes auf die Erde vom All aus wird tricktechnisch seiner Zeit gerecht. Ansonsten erlebt man eine Welt im Rotfilter, wie erwähnt zwei schlecht animierte Seeungeheuer und einige wenige U-Boot-Aufnahmen, in denen das Gefährt etwas zu sehr nach Spielzeug aussieht. Immerhin wirkt der Zusammenbruch des Eises der Antarktis, die restlichen Eisbrocken, die das Unterwasserschiff bedrohen gehen wiederum Richtung Trash.

Da der Film inhaltlich ohnehin Trash ist, stören die schrottigen Tricks allerdings recht wenig. Im Gegenteil, es unterstützt den Blödsinn der Story und den der Dialoge und manch kleineren Storydetails. Einige davon mögen durch die Entstehungszeit entschuldbar sein, das macht sie dennoch heutzutage trashig. Das beste Beispiel hierfür wäre der zu dieser Zeit typische Optimismus.

Die Ernte brennt, der Feuergürtel ist so nah an der Erde, dass man nicht einmal so viel Zeit hätte wie im Film beschrieben, fruchtsame Böden werden zu Wüsten und irgendwann ist sogar der Funkkontakt zu London und Washington weg. Dennoch unterhalten sich die hohen Ränge lediglich darüber, welche von zwei Lösungsmöglichkeiten wohl stimmen mag (dass beide falsch sein könnten wird dabei gar nicht erst bedacht), und die predigenden Worte eines Gläubigen den Weltuntergang betreffend, werden sofort als fanatisches Geschwätz dargestellt, das mit der Realität nichts zu tun hat.

Nur das schlichte Volk darf mosern und sich wünschen bei seinen Familien zu sein falls die Welt untergeht und wird deshalb als dümmlich dargestellt. Die geistige Elite an Bord, und da reden wir nicht nur von Wissenschaftlern die ihre Theorien bis ins kleinste Detail kennen, zweifelt nicht eine Sekunde daran, dass die Erde noch zu retten ist. Und mehr noch: Es wird nicht ein Wort darüber verschwendet wie die Erde nach der Rettung aussieht, ob es danach noch Überlebensmöglichkeiten gibt, jetzt wo jede Ernte ruiniert scheint, fast überall Wüste ist und die Pole geschmolzen sind. Mag sein dass man sich über die Tragweite Letztgenanntem im Detail noch nicht bewusst war, aber dass die Erde nun schwieriger bewohnbar ist, hätte auch damals klar sein müssen.

Aber der Zeitgeist 1961 war nun einmal extrem optimistisch. Die Technik machte ungeahnte Fortschritte, Umweltprobleme waren noch nicht beim Normalbürger bekannt, der Mensch schien das höchste Gut auf Erden zu sein, und alle Probleme schienen lösbar. Einen Hauch von diesem Optimismus wünscht man sich in Zeiten möglicher unwiederkehrbarer Umweltkatastrophen heutzutage ernsthaft zurück.

Insgesamt fehlt diesem Werk der letzte nötige Schliff um richtig zu gefallen. Aber man kann ihn durchaus bis zum Ende gucken. Man darf die junge Barbara Eden aus "Bezaubernde Jeannie" sichten (falls das irgendwen interessieren sollte), und man bekommt ausgerechnet in jenem Punkt eine gute Unterhaltung geboten, den man eher bei "Meuterei auf der Bounty" erwarten würde.

Der geringe Science Fiction- und Katastrophenfilmgehalt übersteigt nur selten das Trash-Niveau, weiß aber eben wegen seiner Naivität und Blödsinnigkeit zu unterhalten. Allerdings nicht auf dem selben Niveau wie "Reise zum Mittelpunkt der Erde", "Ein Riss in der Welt" oder "Die Zeitmaschine". Diesen Werken kann er durch seine banalen Umsetzung nicht das Wasser reichen. Und diese Vergleichsfilme zeigen sehr wohl, dass storytechnisch ein höheres Niveau mit qualitativeren Tricks möglich gewesen wäre.


Trailer,   OFDb

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